01.10.2020 09:26 |

Wirecard-Kriminalfall

Marsalek startete Flucht mit Jet in Bad Vöslau

Die Flucht des ehemaligen Wirecard-Managers Jan Marsalek ähnelt immer mehr einem Agentenkrimi. Der Österreicher, dem die Verwicklung in einen Milliardenbetrug vorgeworfen wird, flog nach neuesten Recherchen angeblich am 19. Juni abends von Bad Vöslau in Niederösterreich in die weißrussische Hauptstadt Minsk. Bisher war ein Flug am 18. Juni ab Klagenfurt kolportiert worden. Damals gab es noch keinen Haftbefehl gegen den flüchtigen Marsalek, er war als Wirecard-Vorstand suspendiert.

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, dürfte der Verdächtige den Privatjet einer Innsbrucker Charterfirma gebucht haben und vom Flughafen Vöslau-Kottingbrunn in Niederösterreich in die weißrussische Hauptstadt geflogen sein. Nach dem rund zweistündigen Flug verliert sich dort allerdings die Spur Marsaleks. Der inzwischen per internationalem Haftbefehl Gesuchte soll gute Kontakte zum russischen Geheimdienst haben. Es wird spekuliert, dass er sich in Russland aufhalten könnte.

Am Vorabend des Fluges soll Marsalek einen ehemaligen ranghohen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes (BVT) in München getroffen haben, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ weiter. Mit dem karenzierten ehemaligen Beamten verbinde Marsalek ein freundschaftliches Verhältnis.

Druck auf Wirtschaftsprüfer EY steigt
Laut „Süddeutscher Zeitung“ steigt auch der Druck auf die Wirtschaftsprüfer von EY, die jahrelang für Wirecard verantwortlich waren und den Milliardenbetrug in der Firma nicht entdeckt haben. Denn das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG, das zu einer Sonderprüfung gerufen wurde, habe im April 2020 berichtet, dass ein EY-Mitarbeiter bereits 2016 gewarnt haben soll, dass Führungskräfte bei Wirecard in einen Betrug verwickelt sein könnten.

Außerdem soll es einen Bestechungsversuch gegeben haben. EY dementiert die Vorwürfe, alles sei damals korrekt dokumentiert worden.

Im Juni hatte der inzwischen insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Wirecard seit 2015 Scheingewinne auswies, und ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs.

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