30.09.2020 21:04 |

Gastro an Politik:

„Lassen Sie Unternehmer in der Eigenverantwortung“

Es steht schlecht um unsere Gastronomie- und Tourismusbetriebe, was sich im #brennpunkt-Talk am Mittwochabend nochmal bestätigt hat. Vertreter der Branche, aber auch der Politik analysierten bei Katia Wagner gemeinsam die aktuelle Lage. Der Wiener Hotelier und Konditorei-Geschäftsführer Oliver Braun sprach Klartext und appellierte an die Regierung, das System der Kurzarbeit zu beenden. Stattdessen forderte er liquide Mittel, damit sich Unternehmen in Zukunft auf „ihre eigene Weise“ rüsten können.

„Wir sind ein solides Unternehmen, das ohne Schulden im März dagestanden ist, aber wir würden bis Jahresende nicht überleben“, bringt es Braun auf den Punkt. Seine Betriebe, vorwiegend Wiener Hotels und Konditoreien, hat es im Zuge der Pandemie besonders erwischt.

Braun: „Kurzarbeit 3 wäre Todesschuss“
Nach der zweiten Phase der Kurzarbeit hat dieses System jedoch ausgedient für ihn, die Kurzarbeit 3 wäre ein „Todesschuss“ für viele Betriebe. Sein Appell an ÖVP-Klubobmann August Wöginger, der als Vertreter der Politik zu Gast war, lautete daher: „Bitte statten Sie uns mit den Liquiditäten aus, die wir seit März verloren haben, und lasst die Unternehmer in der Eigenverantwortung.“

So würden Unternehmer besser wissen, was für ihren Betrieb gut ist, mit den entsprechenden finanziellen Mitteln könne sich jeder „auf seine Weise rüsten“. Denn Tourismus und Gastronomiebetriebe würden sich ungleich schnell wieder erholen, als Hotelier in einer Großstadt rechnet Braun erst im Jahr 2024 mit „einem normalen Umsatz wie vor Corona“. Strukturelle Anpassungen müsse er so schnell wie möglich durchführen, Kurzarbeit würde sein Problem nur auf später verschieben: „Aber dann können wir uns das möglicherweise nicht mehr leisten.“

Zitat Icon

„Koste es, was es wolle" ist psychologisch gesehen kein gutes Modell.

Oliver Braun, Geschäftsführer der Gerstner Gruppe

Wöginger zeigt Verständnis für die Situation Brauns, betont aber auch, in Österreich viele Betriebe zu haben, „wo die Kurzarbeit nach wie vor gebraucht werden wird“. Dass die Tourismus- und Gastronomiebranche andere Mittel braucht, sei ihm klar, oberstes Ziel der Politik sei es derzeit aber, betroffene Unternehmen „gut über das nächste halbe Jahr zu bringen“.

Wöginger: „Brauchen Mix aus Maßnahmen“
Schaffen will man das mit einem Mix aus verschiedenen Maßnahmen: „Wir müssen einerseits die Bevölkerung vor dem Virus schützen und andererseits schauen, dass wir die Betriebe am Leben erhalten“, so Wöginger. Was die aktuellen Gastro-Regeln wie Registrierungspflicht und Senkung der Sperrstunde betrifft, begrüße er jede neue Form von Maßnahmen, die regional in den Bundesländern getroffen werden. Der Wintertourismus soll heuer auf jeden Fall, wenn nicht „anders“, stattfinden.

Peter Zellmann vom Institut für Freizeit- und Tourismusforschung schlägt vor, die Parameter, ab wann welche Maßnahmen notwendig sind, anzupassen und in diesem Bereich „nachzujustieren“. So müsse man auch die aktuelle Teststrategie hinterfragen. Anstatt auch viele symptomlose Menschen zu testen, sollte man sich auf die konzentrieren, die „klare Anzeichen von Corona“ zeigen.

Zellmann: „Paar Tausend Infektionen sagen nichts über Sicherheit aus“
So würden Menschen ohne Symptome weniger infektiös sein als welche, die wirklich husten, Schnupfen oder Fieber haben. „Ein paar Tausend Infektionen entscheiden nicht darüber, wie sicher Österreich als Urlaubsland ist“, spielt Zellmann auf die vielen Reisewarnungen an. Auch die Maskenpflicht in den Schulen sei auf Dauer übertrieben: „Lieber die Kinder, die krank sind, zu Hause lassen.“

Österreich müsse zudem mutiger werden, mit dem Virus umzugehen. So wie auch Braun appelliert er an die Politik, „den Menschen mehr Eigenverantwortung zuzutrauen“.

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