„Krone“-Interview

Matthäus: „In Wien wurden viele Fehler gemacht“

Einst war Lothar Matthäus Weltmeister, dann „Co“ bei Salzburg und Cheftrainer bei Rapid - vor dem Bundesliga-Start spricht der jetzige Sky-Experte auch über die Folgen von Corona.

Mit Deutschland wurde er Welt- und Europameister, war Weltfußballer, holte als Spieler viele Titel, auch als Co-Trainer mit Salzburgs Bullen den Meisterteller, nur als Chefcoach bei Rapid blieb einst der Erfolg aus - für Sky wird Lothar Matthäus die österreichische Liga, die übermorgen beginnt, bei einigen Top-Partien analysieren. Zuvor sprach der Deutsche ausführlich mit der „Krone“: auch darüber, wie sehr Corona den Fußball verändert.
Lothar Matthäus: Ohne Fans war es eine Umstellung, aber wenn man sich daran gewöhnt hatte, war es wie vorher. Der Fußball hat nicht gelitten, da waren tolle Spiele dabei, gerade in der Champions League mit dem K.-o.-Modus. Aber ich war überrascht, dass es gerade in Deutschland so viele Auswärtssiege gab. Da sieht man, wie wichtig die Fans sind, die ein Team tragen, pushen.

Und die finanziellen Auswirkungen? Auf dem Transfermarkt ist es noch ruhig.
Ich hätte mit weniger gerechnet. Chelsea hat für Havertz angeblich 100 Millionen bezahlt. Da wird sich noch viel tun. Aber vielleicht legen die Klubs jetzt zukünftig Reserven an. Einige waren leichtsinnig, Corona war dann ein K.-o.-Schlag.

Und die Schere zwischen den Klubs wird immer größer, die Bayern in Deutschland, Salzburg in Österreich - droht Langeweile?
Aber das hat sich Salzburg erarbeitet, sie machen jetzt enorme Transfergewinne. Wenn man schon von einer Schere spricht: Was ist mit Rapid oder Austria, die haben auch andere Möglichkeiten als Hartberg. Gerade in Wien wurden sehr viele Fehler gemacht.

Leben die Traditionsvereine zu sehr in der Vergangenheit?
Einige schon. Sie glauben, weil sie früher Titel gewonnen haben und viel in der Zeitung stehen, sind sie groß. Das sieht man überall.

Da hat der LASK gut gemacht, bis …
… bis man sich mit dem Regel-Bruch selbst die Schlinge um den Hals gelegt, sich selbst gekillt hat.

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Einen internationalen Titel werden sie nicht holen. Aber man kann stolz sein, wie man sich jetzt selbst finanziert

Lothar Matthäus über Salzburg

Was halten Sie vom Modus in Österreich mit Punkte-Halbierung und Play-off?
Es geht weg vom Ur-Prinzip des Fußballs. Aber letztlich setzt sich die Qualität dennoch immer durch. Man braucht kein Wahrsager zu sein, um zu sagen, dass Salzburg wieder Favorit ist.

Was fehlt Salzburg, um sich endgültig auch international zu etablieren?
Einen internationalen Titel werden sie nicht holen. Aber man kann stolz sein, wie man sich jetzt selbst finanziert. Sie spielen attraktiv, so werden die größeren Ligen auf die Spieler aufmerksam. Mehr als jetzt geht fast nicht.

Österreich wird im Fußball also immer ein Ausbildungsland bleiben
Ihr seid zehnmal kleiner als Deutschland, aber macht einen tollen Job in den Akademien. Das zeigen die vielen Legionäre in den Top-Ligen.

Rainer Bortenschlager, Kronen Zeitung

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Dienstag, 22. September 2020
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