„Persönlicher Fehler“

Geschenkannahme: SP-Landesrat Illedits tritt ab

Burgenland
01.08.2020 19:02

Der burgenländische SPÖ-Landesrat Christian Illedits tritt zurück. Dies gab der 62-Jährige am Samstag in einer eilig einberufenen Pressekonferenz bekannt. Er werde sämtliche politische Funktionen zurücklegen, betonte Illedits. Als Grund für seinen Rücktritt nannte er einen „persönlichen Fehler“. Konkret geht es um die Annahme eines Geschenks seitens des Fußball-Bundesligisten SV Mattersburg zu seinem 60. Geburtstag. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) erklärte, dass er den Schritt für richtig erachte und er Respekt davor habe, dass Illedits „seine politische Verantwortung in dieser Weise wahrnimmt“.

Bei dem Geschenk handelte es sich um ein 100-Gramm-Goldblatt mit einer Widmung des SV Mattersburg. Heute ist Blatt, das Illedits als Aufsichtsratsvorsitzender der Fußballakademie Burgenland überreicht bekam, rund 5400 Euro wert. Das „hätte ich nicht annehmen sollen“, betonte der 62-Jährige in der Pressekonferenz. Dieser „persönliche Fehler“ verlange nach seinem Verständnis von Anstand in der Politik „nach politischen Konsequenzen“.

Lediglich ein „Souvenir und Erinnerungsstück“
Es habe sich um ein „Souvenir und Erinnerungsstück“ gehandelt. „An eine finanzielle Verwertung habe ich alleine schon aufgrund der Widmung nie gedacht. Eine anonyme Anzeige hat mich nun wieder daran erinnert. Natürlich habe ich meinen Anwalt sofort damit beauftragt, das Goldstück zurückzugeben“, so der SPÖ-Politiker. Er habe Freitagabend Landeshauptmann Doskozil mitgeteilt, dass er seine Funktion als Landesrat und alle damit zusammenhängenden öffentlichen Funktionen zurücklege.

Das Pappelstadion, die einstige Heimstätte des SV Mattersburg (Bild: APA/EXPA/THOMAS HAUMER)
Das Pappelstadion, die einstige Heimstätte des SV Mattersburg

Politisch sei er durch das Geschenk aber „nie in irgendeiner Weise“ beeinflusst gewesen, versicherte Illedits. Der Landesrat war zuletzt in der Causa um die Commerzialbank Mattersburg von der ÖVP kritisiert und zum Rücktritt aufgefordert worden. Er sei schon zu lange in der Politik, als dass er nicht wüsste, „dass nun die massiven Angriffe gegen meine Person noch intensiver werden“. Vor allem die ÖVP versuche, ihm aufgrund seiner kurzen politischen Zuständigkeit für Wirtschafts- und Erwerbsgenossenschaften im Zusammenhang mit dem „Kriminalfall Commerzialbank“ eine zentrale Rolle zuzuschreiben, so Illedits: „Diese persönlichen Untergriffe halte ich aus, weil ich weiß, dass ich mir hier nichts vorzuwerfen habe.“

Illedits: „Ich hoffe, man kann mir irgendwann auch verzeihen“
Wogegen er sich aber auch als Privatperson mit allen Mitteln wehren werde, seien Versuche, seine Familie, die Landesregierung und seine Partei, die SPÖ Burgenland in dieses „politische Spiel“ hineinzuziehen. Es tue ihm unendlich leid, „dass ich das große Vertrauen, das der Landeshauptmann, meine Kolleginnen und Kollegen in der Landesregierung, mein Team, meine Wählerinnen und Wähler in mich gesetzt haben, enttäuscht habe und hoffe, dass man mir irgendwann auch verzeihen kann“, sagte Illedits.

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und Landesrat Christian Illedits (beide SPÖ) im burgenländischen Landtag (Bild: APA/ROBERT JAEGER)
Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und Landesrat Christian Illedits (beide SPÖ) im burgenländischen Landtag

Doskozil: „Politisches Lebenswerk verdient Anerkennung
„Christian Illedits hat aus freien Stücken die Konsequenz aus einem einmaligen Fehlverhalten gezogen. Ich habe Respekt davor, dass er seine politische Verantwortung in dieser Weise wahrnimmt“, so Doskozil. Dem nun bekannt gewordenen Vorfall vor rund zwei Jahren stehe ein politisches Lebenswerk gegenüber, das Anerkennung verdiene, betonte der Landeshauptmann. „Christian Illedits war ein Vollblutpolitiker, der sich selbst nie geschont hat. Aus dieser Grundhaltung heraus hat er jetzt auch das Format, gegenüber der Öffentlichkeit für einen Fehler einzustehen“, so der Landeshauptmann weiter. Er könne nachvollziehen, dass für Illedits nun vor allem der Schutz seiner Familie im Vordergrund stehe.

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