26.07.2020 05:00 |

Krimi im Ärtzemilieu

Kann man Herzschrittmacher manipulieren?

Ein reicher Mann stirbt den Bühnentod, der andere an echtem Herzversagen im Publikum. Der perfekte Mord beim „Jedermann“ in Salzurg? Nicht, wenn Chefinspektor Glück ermittelt.

Dem Tod ist es egal, ob jemand arm oder wohlhabend, Schauspieler oder Zuschauer ist. Beim „Jedermann“ (Hugo von Hofmannsthal) in Salzburg stellt das „Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ Sommer für Sommer einen Treffpunkt von Reich und Schön dar. Während so einer Aufführung ereilt Hugo Flock, Millionär vom Wörthersee, am Domplatz der Herzstillstand. Kein Schicksal, sondern eiskalter Mord. Jemand hatte seinen Herzschrittmacher manipuliert. Die Exfrau? Deren junger Geliebter, der - wie makaber - eben an diesem Theaterabend den Tod verkörperte? Der Kardiologe gar?

Chefinspektor Martin Glück begibt sich in dem neuen Krimi von Hannelore Mezei - früher langjährige „Krone“-Redakteurin sowie Journalistin im Gesundheitsmagazin - und Romanautorin Christine Grän auf Tätersuche im Ärztemilieu. Nachdem das Buch gerade eben erschienen ist, spielt das Szenario natürlich vor Corona, das tut der Spannung aber keinen Abbruch. Im Gegenteil waren die Autorinnen beim Schreiben exakt am Puls der Zeit, thematisieren künstlich erzeugte Medikamentenengpässe, geschönte Arzneimittelstudien und illegalen Anabolikahandel, charakterisieren egozentrische Wissenschafter, das Wirtschaftsgeflecht in der Pharmaindustrie sowie selbst ernannte Krebs-Heiler.

Wir haben recherchiert, ob so ein Mord überhaupt möglich wäre.

Wie sicher sind Schrittmacher?
Mittlerweile können sie drahtlos Daten übertragen, sich mit Ärzte-Computern verbinden, verfügen über Fernüberwachungssysteme und schlagen Alarm, wenn die Batterie erneuert werden muss. Moderne Herzschrittmacher sind High Tech-Geräte. Ständig angepasste Sicherheitsmaßnahmen inklusive. Zu Beginn des Jahres 2019 musste etwa der Medizinprodukte-Hersteller Medtronic ein Modell wegen eines Programmierfehlers zurückziehen. Wie die deutsche Ärztezeitung berichtete, warnte die US-Bundesregierung bereits vor einem Jahr davor, dass bestimmte implantierbare, kommunikationsfähige Medizingeräte gehackt werden könnten. Allerdings ging es dabei um Datenklau.

Manipulation ist sehr unwahrscheinlich
Es sei, laut Experten, nur sehr unwahrscheinlich, dass Patienten durch Gerätemanipulation getötet werden könnten. Einfacher wäre es, wie im oben beschriebenen Roman, das Kontrollprogramm im Computer des Arztes zu verändern. Störungsanfälligkeit besteht durch elektromagnetische Felder. Dazu gehören auch Handys, iPods, Funkgeräte und Funkfernsteuerungen, ja sogar Bohrmaschinen, Akkuschrauber, Toaster sowie Haarföhns. Auswirkungen sind etwa Schwindel oder unregelmäßiger Puls. Verwender von älteren Geräten dürfen keine Magnetresonanzuntersuchung durchführen lassen.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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