09.05.2020 05:00 |

Aktuelle Studie

Fledermäuse erschaffen „Turboviren“!

Eine neue Untersuchung enträtselt, warum die harmlosen Flattertiere unter gewissen Umständen doch gefährlich für den Menschen werden können.

Wieso sind die neuen Coronaviren deutlich ansteckender als ihre Vorgänger? Dafür sind Fledermäuse verantwortlich. Zu diesem Schluss kamen Forscher in Kalifornien im Rahmen einer aktuellen Studie. Sie enträtselten, warum diese Tiere Viren wie Ebola und eben Corona so gefährlich für Menschen gemacht haben. Die Antwort gleich vorweg: Fledermäuse züchten gleichsam „scharfe“ Viren, weil sie über ein Immunsystem verfügen, welches diese Erreger besonders gut in Schach hält. Wogegen sich die Eindringlinge natürlich heftig zur Wehr zu setzen versuchen und dadurch immer stärker werden. Dass neu auftretende Viren meistens ursprünglich von Tieren wie Vögeln, Schweinen oder Nagetieren stammen, ist bekannt. Doch besonders aggressive Krankheitskeime wie Ebola, Marburg oder das aktuelle Coronavirus haben sich grundsätzlich Fledermäuse als Wirte ausgesucht. Durch direkten Kontakt, aber auch über andere Tiere als Zwischenträger, greifen sie uns an und lösen fallweise sogar Pandemien aus.

Um den Mechanismus zu entlarven, unternahmen die US-Wissenschafter ein Experiment: sie infizierten Zellkulturen der grünen Meerkatze mit ebolaähnlichen Viren. Diese rafften die Affenzellen innerhalb weniger Tage dahin. Nicht aber die Fledermauszellen! Wurden diese angesteckt, entwickelte sich der Infekt deutlich langsamer. Das Immunsystem kam ins Spiel, die (fast) lautlosen Flieger blieben gesund. Das Geheimnis lösten die Forscher auf geniale Weise - sie schufen ein Modell des Fledermaus-Immunsystems und simulierten damit eine Virusinfektion. Und tatsächlich entwickelte die Abwehr eine wirksame Strategie! Bei Kontakt mit dem Erreger wurde das Immunsystem mit einem Schutz-Botenstoff geradezu überflutet. Die Zellen schotteten erstens ab, der Botenstoff verhinderte zweitens eine überschießende Entzündung. Das dämpfte die Krankheitszeichen und hielt die Tiere fit.

Beim Menschen hingegen fehlt dieser Mechanismus. Die Ergebnisse der Studie erklären, warum die von der Fledermaus stammenden Viren - wozu auch SARS CoV-2 gehört - so viel Schaden anrichten können. Wir sind leider gegen diese brandgefährlichen „Turboviren“ oft hilflos. Allerdings besteht kein Grund, nun auf Fledermausjagd zu gehen! Die einzig sinnvolle Reaktion wird es sein, sich impfen zu lassen, sobald das Medikament einsatzbereit ist.

Dr. med. Wolfgang Exel, Kronen Zeitung

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