10.05.2020 05:00 |

„Soziales“ AIDS

Muss ich es jetzt  meinem Chef sagen?

Dank moderner Therapien können viele HIV-positiven Menschen mittlerweile eine gutes Leben führen. Unsicherheiten bestehen aber leider nach wie vor, besonders, wenn es um den persönlichen Schutz in Corona-Zeiten geht.

„HIV-positiv“ ist in unseren Breiten kein Todesurteil mehr, seit mittels antiretroviraler Therapie (oft nur mehr eine Tablette pro Tag) effiziente Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Voraussetzung ist frühe Abklärung und regelmäßige ärztliche Kontrolle - wie bei jeder anderen chronischen Erkrankung erforderlich. Dann kann die Viruslast unter die Nachweisgrenze gebracht werden. Damit ist keine Weitergabe mehr möglich, und es besteht auch keine erhöhte Gefahr für eine schwere Covid-19-Erkrankung. Das Auftauchen des neuen Coronavirus hat dennoch größte Verunsicherung bei Betroffenen hervorgerufen, zumal ja am Anfang gar nicht klar war, wie es sich auswirken würde. Mit dem Ende des Lockdown entsteht nun weiterer Informationsbedarf in Bezug auf den Arbeitsplatz, persönliches Risiko, ärztliche Versorgung u. v. m.

„Zunächst können wir ein Gerücht, es käme zu Engpässen bei HIV-Medikamenten, zerstreuen - das ist nicht der Fall. Die Befürchtung entstand unter anderem durch Forschung an HIV-Wirkstoffen gegen SARS-CoV-2. Innerhalb der EU wird das sehr genau beobachtet, es sind genug Arzneimittel vorhanden“, beruhigt Mag. Birgit Leichsenring von der Aids Hilfe Wien. Hintangestellte Arzt- und Ambulanzbesuche sollten nun unter den aktuellen Sicherheitsvorgaben nachgeholt werden, um den Therapieverlauf zu sichern. Neben medizinischen Themen geht es aktuell auch um das „soziale“ AIDS, also Diskriminierung - bereits in Vor-Corona-Zeiten für viele Patienten eine schwierige Situation.

Zitat Icon

,Soziales AIDS‘, also Diskrimierung, macht Patienten mehr zu schaffen als das Virus selbst.

Mag. Birigt Leichsenring, Aids Hilfe Wien

„Die Regierung hat ja Risikogruppen besonderen Schutz zugesagt, etwa Freistellung oder weiterführendes Homeoffice, wenn für sie Gefährdung im Zuge der Berufsausübung besteht. Dafür benötigt man ein ärztliches Attest. Muss man sich als HIV-Patient outen? Wie steht es mit dem Datenschutz? Was werden Kollegen oder der Chef sagen? Brennende Fragen, die bisweilen existenzbedrohend sein können“, weiß die Expertin aus vielen Gesprächen. Mittlerweile ist klar: Man muss seinen Befund nicht öffentlich machen. Suchen Sie Ihren Arzt auf, und besprechen Sie das weitere Vorgehen.

Wie steht es mit der berühmten „Krise als Chance“?
Birgit Leichsenring hofft in Zukunft auf mehr Empathie: „Viele von uns haben in den vergangenen Corona-Wochen erlebt, wie es ist, als infektiös misstrauisch angesehen zu werden und wenn gezielt Abstand gehalten wird. So geht es HIV-positiven Menschen immer wieder - ganz ohne Grund!“ Weitere Informationen finden Sie unter anderem beim Online-Talk „stay informed, stay connected - HIV und Covid-19", 14. Mai, 18.00-19.30 Uhr mit OA Dr. Michael Meilinger, Dr. Horst Schalk und mit Mag. Birgit Leichsenring.

In Europa sind Männer zum Zeitpunkt der Diagnose durchschnittlich 38, Frauen 34 Jahre alt. Das bedeutet, dass sie möglicherweise drei bis vier Jahrzehnte lang Medikamente im Rahmen einer antiretroviralen Therapie einnehmen müssen. Auch, wenn das Virus im Idealfall gar nicht mehr im Blut nachweisbar ist, besteht erhöhtes Risiko für andere Erkrankungen, vor allem des Organsystems. Das erfordert nicht nur Hintergrundwissen, sondern auch einen aktiven Umgang mit der Situation. Was man selber tun kann, welche ärztliche Empfehlungen aktuell sind, Erklärfilme, Expertentipps und Ansprechpartner finden sie online auf der Informationsplattform „HIV heute“.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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