23.04.2020 06:15 |

Nützliches Instrument

Italien debattiert über Einführung von Corona-App

Auch in Italien ist eine Debatte über Pläne der Regierung entbrannt, im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie eine Tracking-App einzusetzen. Die Anwendung soll auf freiwilliger Basis heruntergeladen und zunächst in mehreren italienischen Regionen getestet werden, wie Premier Giuseppe Conte am Mittwoch vor dem Parlament bestätigte. „Wir werden dafür sorgen, dass Bürgern, die die App nicht herunterladen wollen, daraus keine Einschränkungen oder Benachteiligungen entstehen werden“, versicherte der parteilose Premier vor dem Parlament.

Bis zur Entwicklung eines Impfstoffes müsse soziale Distanzierung eingehalten werden, daher könne die App zu einem nützlichen Instrument gegen die Seuche werden, so Conte weiter. Die vom Mailänder Unternehmen Bending Spoons entwickelte App „Immuni“ basiert auf Bluetooth und nicht auf Geolokalisierung. Der Nutzer soll dabei die Kontrolle über seine Daten behalten. Erst wenn er feststellt, dass er sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hat, sendet er seine Daten an einen Server. Anschließend würden alle seine zurückliegenden Kontakte ermittelt und gewarnt.

Datenschutzrechtliche Bedenken
Die App entspricht den Angaben zufolge den europäischen Datenschutzbestimmungen. Das Unternehmen hat der Regierung die Nutzungsrechte und künftige Aktualisierungen kostenlos überlassen. Doch diese Garantien entkräften nicht die Bedenken von Datenschützern.

Auch in der Regierungskoalition gibt es kritische Stimmen. „Mit der App ‘Immuni‘ wird in Italien erstmals ein System zum Tracking individueller Kontakte eingeführt, dessen Auswirkungen auf Freiheit und Datenschutz genau unter die Lupe genommen werden müssen“, meinte die Fünf-Sterne-Bewegung, Italiens stärkste Regierungspartei. „Es ist zwar nützlich, neue Technologien gegen das Virus einzusetzen, doch die Bürger brauchen Garantien in Sachen Datenschutz“, warnte auch der Chef der oppositionellen Lega, Matteo Salvini.

Breite Nutzerbasis nötig
Die Tracking-App soll schon bald verfügbar sein und in bestimmten Modellregionen getestet werden. Sie soll in der „Phase 2“, dem Neustart des öffentlichen Lebens, nach dem 3. Mai helfen, die Verbreitung des Coronavirus unter Kontrolle zu halten. Allerdings bringt die App nur dann einen Nutzen, wenn mindestens 60 Prozent der Bürger sie auch richtig nutzen. Diese relativ große Anzahl bezeichnet der Sonderkommissar für Covid-19, Domenico Arcuri, als größte Schwierigkeit.

Contes Regierung lässt sich beim Fahrplan für die Lockerungen von einem Beratergremium aus Ökonomen, Juristen, Soziologen und anderen Experten beraten, das von dem früheren Vodafone-Chef Vittorio Colao geleitet wird. Erwartet wird, dass die Regierung bis Freitag eine Lockerung der seit dem 11. März landesweit geltenden Ausgangssperre ankündigt. Vorerst gilt die Ausgangssperre bis zum 3. Mai.

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