02.04.2020 10:36 |

„Perfekt geschützt“

Krankenkassen geben Daten für Forschung frei

Österreichs Krankenkassen stellen dem Gesundheitsministerium pseudonymisierte Daten ihrer Versicherten für die Covid-19-Forschung zur Verfügung. Das hat die Konferenz der Sozialversicherungsträger einstimmig beschlossen, gab Peter Lehner, Chef des Kassen-Dachverbands, in einer Aussendung bekannt. Diese Daten, die dann Forschungseinrichtungen weitergegeben werden sollen, könnten Leben retten, betonte er.

„Das anonymisierte Zusammenführen der Daten der Heilmittelabrechnung der Sozialversicherung, der ELGA-Daten und der Forschungsdaten kann im Kampf gegen Covid-19 ein essenzieller Baustein sein“, sagte Lehner. Gleichzeitig werde man sicherstellen, dass die Versicherten „datenschutzrechtlich perfekt geschützt“ seien. „Rückschlüsse auf die Patienten sind unmöglich, da die Pseudonymisierung bei der Sozialversicherung selbst passiert“, erläuterte Lehner.

„Historisch einmalig“
Unterstützung kam von Lehners Co-Vorsitzender Ingrid Reischl: „Unterschiedliche Stakeholder haben unterschiedliche Daten über den Gesundheitszustand in der Bevölkerung - diese zusammenzubringen ist historisch einmalig. Wir erwarten uns, dass es dazu beiträgt, rasch neue Erkenntnisse für die Behandlung dieser neuen Viruserkrankung zu gewinnen.“

Mit den Heilmitteldaten der Sozialversicherung könnten umfassende Erkenntnisse über die Wirkung von Medikamenten gewonnen werden, meinte Reischl, beispielsweise darüber, welche einen positiven und welche einen negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben. „Als Sozialversicherung haben wir uns dazu entschlossen die Forschung zu unterstützen - unter Wahrung des Datenschutzes“, sagte sie.

NEOS kritisieren Umgang mit Gesundheitsdaten
Kritik am Umgang mit den Gesundheitsdaten kam von den NEOS. Obfrau Beate Meinl-Reisinger sieht den Zugriff durch den Staat „hochproblematisch“. „Wir werden Österreich jetzt nicht zum Überwachungsstaat machen“, meinte die NEOS-Chefin angesichts mehrerer Vorstöße der Regierung, Zugriff auf die Gesundheits- und Bewegungsdaten im Kampf gegen das Coronavirus zu erhalten. Als Beispiel nannte sie einen kurz vor der Nationalratssitzung vorgelegten Abänderungsantrag, der vorsieht, zum Zweck der Versorgung Daten Erkrankter an die Gemeinde zu melden.

Krankenkassen teilen Corona-Risikogruppen ein
Gesundheitsminister Rudolf Anschober hat unterdessen angekündigt, dass die Krankenkassen zukünftig die Einteilung in Corona-Risikogruppen vornehmen und der Arzt daraufhin über eine mögliche Dienstfreistellung entscheidet. Zu den Risikogruppen gehörten jedenfalls ältere Menschen in Pflege- und Pensionistenheimen sowie Personen, die eine „massiv reduzierte Immunabwehr haben“, etwa nach einer schweren Krebserkrankung, nach einer schweren Operation oder schwere Diabetiker, so Anschober am Donnerstag im Ö1-„Morgenjournal“.

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