21.03.2020 22:00 |

Lost in Isolation

„Schatz, schau, was da wieder im Facebook steht“

Im Zeichen der reduzierten Sozialkontakte flüchten sich viele Menschen in die virtuelle Welt und suchen dort nach Kommunikation - und nach Antworten.

So auch mein Verlobter (wir planen, im Juli zu heiraten - bitte Daumen drücken!). An sich ist er sein eigener Chef in einem Ein-Personen-Unternehmen (EPU) im Event- und Sportbereich, doch wegen der zahlreichen Absagen hat er momentan viel Zeit. Auf seine Anfang der Woche abgeschickten Bewerbungen bei einigen Lebensmittelkonzernen kam bis jetzt keine Antwort, die Landwirtschaftskammer hat seine Bewerbung als Erntehelfer immerhin registriert.

Kurzum: Der Mann ist zu Hause und ihm ist fad. Und wenn die Wäsche gewaschen, die Wohnung gesaugt und der Geschirrspüler eingeräumt ist (ja, ich habe das Privileg, dass mein Lebenspartner das Prinzip Halbe-Halbe verstanden und verinnerlicht hat), dann hängt er halt gerne am Smartphone und schaut, was es so Neues in der Welt gibt. Und dann geht‘s los: Denn was derzeit in den sozialen Netzwerken dieser Welt abgeht, das macht selbst mir, die ich mich mit 15 Jahren Berufserfahrung täglich durch den Nachrichtendschungel schlage, Kopfweh.

Fangen wir mal mit - wie ich es nenne - „Nachrichten zweifelhaften Ursprungs“ an: Da liegt Wuhan plötzlich mitten in den USA, in Österreich gibt es bereits 300 Corona-Tote, das Haustier kann einen mit Blicken anstecken und - mein persönlicher Favorit in Sachen Fake News - Kokain ist das Wundermittel gegen Covid-19, weshalb mexikanische Drogenkartelle das Virus in die Welt gesetzt haben sollen. Was einer geeichten Journalistin sofort absurd vorkommt, erscheint manch einem in Zeiten steigender Unsicherheit aber durchaus plausibel.

Mein Verlobter ist mittlerweile zwar medientechnisch in Grundzügen geschult, hin und wieder sitzt aber selbst er dem wild ins Netz geschossenen Müll auf. Das merkt man daran, dass er plötzlich wild mit dem Smartphone fuchtelnd vor einem steht und meint: „Schatz, schau mal, was da schon wieder im Facebook steht. Kann das sein oder ist das Fake News?“ Für alle, die sich ebenfalls mehrmals am Tag bei dieser Frage ertappen, hier ein paar Tipps:

1. Hausverstand einschalten - so simpel und doch manchmal so schwierig. Verunsicherung macht uns alle anfälliger für die absurdesten Theorien, besonders wenn sie uns vermeintliche Antworten und Erklärungen für etwas liefern, das wir gerade nicht verstehen können oder wollen. Manchmal hilft es schon, durchzuatmen und zweimal über etwas nachzudenken - schon bemerkt man, dass man hier aufs virtuelle Glatteis geführt wird.

2. Quellen überprüfen: Nur weil jemand etwas in einem YouTube-Video sagt, entspricht es noch lange nicht der Wahrheit. Hinterfragen Sie, woher die Information stammt. Suchen Sie auf Websites nach dem Impressum und überprüfen Sie, wer dahintersteckt. Meistens sind einschlägige Seiten ohnedies bereits Thema diverser Blogs, die Fake News entlarven. Informieren Sie sich auf offiziellen Nachrichtenkanälen und seriösen Websites. Denn in den Nachrichtenredaktionen dieses Landes - und selbstverständlich auch bei krone.at - arbeiten ganze Teams rund um die Uhr, um Ihnen korrekte und gut recherchierte Informationen zu liefern.

3. Fake-News-Aufdecker: Es gibt bereits zahlreiche Blogs und Websites, die sich auf die Aufdeckung von Fake News, Internetphänomenen und viralen Themen spezialisiert haben. Der österreichische Verein Mimikama etwa: Dieser ist spendenfinanziert und hat es sich um Ziel gesetzt, Internetmissbrauch, Internetbetrug und Falschmeldungen entgegenzuwirken und zu bekämpfen.

4. Einfach mal Pause machen
Eine Sache noch zum Abschluss. Emotionen und Empörung haben in Zeiten wie diesen Hochkonjunktur, und soziale Netzwerke geraten da oft zur Projektionsfläche. Deswegen ein weiterer Tipp: Wenn Sie etwas kommentieren, überlegen Sie sich, ob Sie dieses Posting Ihrem Kind oder Enkelkind so vorlesen würden. Lautet die Antwort auf diese Frage „Nein, eher nicht“, dann empfiehlt es sich, einmal durchzuatmen und kurz das Handy wegzulegen oder vom PC aufzustehen.

Aber zurück zu meinem Verlobten. Auch er hat inzwischen meine Empfehlung umgesetzt und gönnt sich eine Social-Media-Pause. Am Handy hängt er trotzdem noch. Aber er hat jetzt eine Sudoku-App. Damit die grauen Zellen nicht einrosten. In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund und schauen Sie auf sich!

Lost in isolation: Der Großteil unserer Redaktion befindet sich derzeit zu Hause und muss sich - wie alle im Land - in einem völlig neuen Alltag zurechtfinden. Die Herausforderung, Job, Familie und Privatleben unter einen Hut zu bringen, hat eine neue Dimension erreicht. Unsere Erfahrungen und Gedanken zu dieser neuen Realität wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten: krone.at lost in isolation. Alle Artikel unserer Serie finden Sie hier!

Michaela Braune
Michaela Braune
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