„Extreme Situation“

Was macht jetzt eigentlich die Wett-Branche?

Sydney FC gegen Perth, Chiba Jets gegen Link Tochigi Brex oder Armadale SC gegen Bayswater City - es sind ungewöhnliche Spiele aus teils ungewöhnlichen Sportarten, die dem österreichischen Wett-Fan dieser Tage prominent angeboten werden. Corona-bedingt ist dieser Tage auch in der Sportwetten-Branche alles anders. „Starke Umsatz-Rückgänge“ werden erwartet, von einer „extremen Herausforderung“ ist die Rede.

Philipp Newald wirkt besonnen. Der Tonlage CEO von tipp3 ist im Telefongespräch mit krone.at nicht zu entnehmen, in welch Ausnahmesituation sich seine Branche derzeit befindet. Fast sämtliche Zugpferde von der Champions League abwärts weilen derzeit im Corona-Zwangsurlaub. tipp3 hat vorgesorgt. Newald spricht von einem „perfekt funktionierenden Krisenszenario“.

Aufrechtes Programm
Außerdem gebe es derzeit ein aufrechtes Wettprogramm. Ein reichlich exotisch anmutendes, freilich. Wer am frühen Samstagvormittag auf via tipp3 auf einen Sieg von Manly United FC gegen Sydney United setzte, durfte den 2,8-fachen Gewinn einstreifen. Interwetten etwa versuchte, dem österreichischen Sport-Fan asiatischen Basketball schmackhaft zu machen. Osaka Evessa wurde im Spiel gegen Shimane Susanoo Magic als Favorit gesehen und entsprechend prominent platziert. Zum „Schlager“ auf sämtlichen Portalen mutierte die Partie Konyaspor gegen Fenerbahce in der türkischen Liga.

Europacup, österreichische und deutsche Bundesliga, Premier League, Serie A, spanische Liga - alle Topligen des internationalen Kicks haben geschlossen. In der Wettbranche ist Kreativität gefragt. Zumal auch noch mit der Absage der EURO gerechnet wird. „Das wird uns bei der Planung vor extreme Herausforderungen stellen“, sagt Newald von tipp3. Eine (folgerichtige?) Absage der Olympischen Spiele nach der EM fiele dagegen kaum ins Gewicht.

„Starke Rückgänge“
Man müsse die Lage jeden Tag neu bewerten, heißt es. Zahlen hinsichtlich der Umsatzeinbußen können und wollen die Wettbüros derzeit noch nicht veröffentlichen. „Aber natürlich ist mit einem starken Rückgang zu rechnen“, sagt Newald. Aktuell versuchen die Anbieter sich mit eher ungewöhnlichen Angeboten über Wasser zu halten. Aber wie lange noch? In Italien etwa haben sämtliche Wettbüros bis April geschlossen. Gegenüber „Bildplus“ erklärt etwa der professionelle „Zocker“ Joachim Marnitz, er habe seine Arbeit für diese Saison eingestellt. „Einzelne Spieler und irgendwann ganze Mannschaften werden durch die Corona-Situation verunsichert. Das wird hier und da zu Motivationsproblemen führen und macht systematisches Wetten schwer bis unmöglich“, sagte Wett-Profi Marnitz - allerdings zu einem Zeitpunkt, an dem die deutsche Bundesliga noch am Plan festhielt, den Meisterschaftsbetrieb via Geisterspiele durchzuziehen.

Inzwischen hat auch die deutsche Liga die Rollbalken heruntergelassen. Das verschärft freilich auch die Situation in Österreich. Und doch gibt‘s Hoffnung. „Ich bin positiver Dinge, dass der Sport-Kalender in etwa zwei Monaten neu sortiert wird und auch die Wett-Branche neu durchstarten können wird“, sagt tipp3-Boss Newald. Wenn die EURO zumindest nur auf 2021 verschoben und nicht gänzlich abgesagt wird, sei das durchaus verkraftbar. Stellenabbau ist derzeit jedenfalls kein Thema. „Wichtig ist, dass bald abschätzbar ist, wie es weitergeht. Dann können wir die Planung fortsetzen.“

Michael Fally
Michael Fally
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Sonntag, 12. Juli 2020
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