07.02.2020 11:10 |

#Metoo zeigt Wirkung

Serie von Skandalen erschüttert Frankreichs Sport

Vom Eiskunstlauf zum Fußball: Frankreich schlittert derzeit von einem Sportskandal in den nächsten. Im Mittelpunkt: Eine Eiskunstlauf-WM-Bronzemedaillenträgerin und ihre tragische Geschichte. Dabei geht es immer um Macht und sexuelle Gewalt. Und jetzt schaltet sich auch die Politik ein. 

Die französische Sportwelt wird derzeit von sexuellen Skandalen erschüttert, die in einer solchen Häufigkeit in den letzten Jahren nicht vorkamen. Oder zumindest waren sie nicht publik. Denn, das interessanteste am Metoo-Effekt ist, wenn ein Mensch damit anfängt, ziehen andere nach. So geschehen innerhalb kurzester Zeit in Frankreichs Kunst- und Literaturszene und auch ein Kardinal wurde aus ähnlichen Gründen aus der Kirche entfernt. Nun ist auch der Sport betroffen.

Das Eis brennt
Da wäre an erster Stelle der Skandal im Eislaufsport. Im Mittelpunkt steht die 44-jährige Französin Sarah Abitbol (oben und ganz oben im Bild). Ihres Zeichens WM-Dritte und zehnfache Meisterin in Frankreich. Sie soll mit 15 von ihrem damals 49-jährigen Trainer vergewaltigt worden sein. Es war im Trainingslager, als eines Nachts plötzlich ihr Coach auf ihrem Bett saß. Er roch nach Alkohol, beugte sich über sie und, so erzählt sie heute, vergewaltigte sie. Und es blieb nicht bei diesem einzigen Mal.

Der Trainer, Gilles Beyer (oben im Bild im Jahr 1999), soll sich noch an weiteren Athletinnen vergangen haben. Und der Verband, allem voran der Verbandspräsident Didier Gailhaguet (unten im Bild), tat nichts gegen ihn. Beyer schreckte auch vor Erpressung nicht zurück. Sabina Mahamoud, die Mutter der 20-jährigen Juniorenmeisterin Nadjma Mahamoud erzählte: Beyer versprach ihr, ihre Tochter berühmt zu machen, wenn sie (die Mutter) mit ihm schläft.

Fußball keine Ausnahme
Auch im Fußball gingen die Wogen hoch. Der SCO Angers war bis vor kurzem noch der große Konkurrent des PSG in der Meisterschaft. Derzeit ist man in Westfrankreich aber mit anderen Sachen beschäftigt. Zum Beispiel mit dem Klubpräsidenten Said Chabane (54). Besagter Herr wurde am Mittwoch verhaftet. Es soll zu mehreren schweren sexuellen Übergriffen von ihm gegenüber Angestellten des Klubs gekommen sein. Die französische Justiz reagiert ganz besonders scharf auf den Umstand, dass bei den Übergriffen Macht eine Rolle spielte.

Auch im Motorsport
Und jetzt auch der Motorsport: Der Anwalt einer Pilotin namens Marie erzählte dem Internet-Portal „Mediapart“, dass der FFM (Frankreichs Motorsportverband) ihre Klientin einfach ignorierte, als sie sich hilfesuchend an sie wandte und erzählte, dass sie von ihrem Moto-Cross Trainer, dem inzwischen wegen Vergewaltigungen zu acht Jahren verurteilten Michel Merel, sexuell missbraucht wurde. 

Offener Brief
Frankreich Sport und Politik reagiert jetzt. Welt-Rekord-Judoka und Olympiasieger Teddy Riner und 55 andere Sportler wollen mit einem offenen Brief ein Zeichen gegen sexuellen Missbrauch setzen. Zudem schaltet sich auch die Politik ein. Präsidentengattin Brigitte Macron traf die Eiskunstläuferin Sarah Abitbol im Elysees-Palast und Sportministerin Roxana Maracineanu forderte den umstrittenen Eislauf-Präsidenten Didier Gailhaguet zum Rücktritt auf.

krone Sport
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