30.07.2020 10:00 |

Ein Klangwunder?

Airpods-Rivale Teufel Airy True Wireless im Test

Ein Blick in Bus oder Bahn genügt, um festzustellen: Gänzlich kabellose Einzel-In-Ears werden immer beliebter. Ursprünglich ein Apple-Unikum, buhlen daher mittlerweile etliche etablierte Audio-Spezialisten mit solchen Ohrhörern um die Gunst der Kundschaft. So auch die Berliner Firma Teufel mit ihren neuen In-Ears Airy True Wireless. Wir haben probegehört - und finden Teufels verkabelte In-Ears besser.

Über die Vor- und Nachteile gänzlich kabelloser In-Ears ließe es sich ja vortrefflich streiten. Dem Wegfall des Kabelsalats steht nämlich die neue Möglichkeit gegenüber, die In-Ears einzeln zu verlieren und auch bei der Akkulaufzeit haben einzelne In-Ears das Nachsehen gegenüber Modellen, die mit einem Kabel verbunden sind. Probleme, die sich durch die beigelegten Lade-Etuis relativieren, aber manche User trotzdem zweifeln lassen.

So oder so: True-Wireless-Kopfhörer sind ein nicht zu übersehender Trend und erleben reißenden Absatz. Kein Wunder also, dass nun auch Teufel mit den Airy True Wireless ein Set solcher Ohrstöpsel auf den Markt gebracht hat. Für 150 Euro erhält man In-Ears nach dem Airpods-Rezept mit kleinen „Stängeln“ dran. Dankenswerterweise sorgen Silikonstöpsel für besseren Sitz, bei Apple gibt es die erst bei den rund 270 Euro teuren Airpods Pro.

Guter Tragekomfort, bombenfester Sitz
Teufel legt seinen In-Ears drei Größen Silikonstöpsel bei, von denen bei uns die größte Variante am besten passte. Mit der sitzen die Stöpsel bombenfest im Ohr und sollten auch beim Sport drin bleiben. Die Konstruktion mit dem den Schwerpunkt nach unten verlegenden „Stängel“ und der Umstand, dass die In-Ears im Ohr aufliegen, machen sich hier offenbar bezahlt. Die weichen Silikonstöpsel sind dabei auch längere Zeit angenehm zu tragen.

Laufzeit für Pendler und Sportler ausreichend
Viele Stunden wird man die Airy True Wireless ohnehin nicht am Stück tragen: Mit fünf, sechs Stunden Akkulaufzeit bei 50 Prozent Lautstärke beziehungsweise auch weniger, wenn man höhere Pegel anlegt, handelt es sich eher um Pendler- und Sportlerkopfhörer.

Für einen Langstreckenflug sind sie nicht geeignet, auch wenn man in der Transportschale einen Akku untergebracht hat, der die In-Ears rund viermal auflädt, bevor man wieder ein Ladegerät braucht. Geladen wird über microUSB, nicht über den moderneren USB-C-Standard.

Keine Geräuschunterdrückung, geringe Lautstärke
Gegen einen Langstreckenflug mit den Airy True Wireless sprechen neben der Laufzeit noch andere Dinge. Zum einen bieten die 150-Euro-In-Ears keine aktive Geräuschunterdrückung, wie sie manch teurerer Rivale hat. Und zum anderen haben sie eine eher geringe Maximallautstärke.

Selbst, wenn man den Regler am Handy auf Anschlag dreht, entspricht die Lautstärke lediglich dem, was manch anderer In-Ear schon bei 80 Prozent ausgibt. Lautstärkereserven fehlen dadurch ein wenig: In lauter Umgebung betreibt man den Airy True Wireless schnell am Anschlag.

Präziser Klang, aber wenig druckvoller Bass
Überhaupt waren wir im Test nicht restlos begeistert von den klanglichen Qualitäten der Einzel-In-Ears mit Linear-HD-Neodym-Treiber. Der Klang wird zwar auch bei hohem Pegel präzise und im hohen, mittleren und tiefen Frequenzbereich schön ausdifferenziert ausgegeben. Im Bassbereich ist er aber nicht allzu druckvoll, Mitten und Höhen treffen die Stöpsel für unseren Geschmack besser.

Wer gern bassbetonte Musik hört und das auch einmal lauter tun will, sollte daher unserer Einschätzung nach lieber zu Teufels anderem kabellosen In-Ear greifen: dem Move BT. Der klingt im Direktvergleich insbesondere im Tieftonbereich besser, kostet weniger und hält mit einer Akkuladung länger durch. Dafür sind die Stöpsel des Move BT halt mit einem Kabel verbunden, das am Nacken nicht weiter stört.

Fummelige Bedienung, stabile Bluetooth-Verbindung
Licht und Schatten gibt es bei den Zusatz-Features des Airy True Wireless. Die Bedienung über Wischgesten direkt am Ohrstöpsel hat uns nicht überzeugt: Wie auch bei anderen Geräten dieser Produktklasse kommt es auf der winzigen Touch-Oberfläche schnell zu Fehleingaben, weshalb man im Endeffekt die meisten Dinge lieber direkt am Handy steuert.

Hinweis: Bei unserem Testmuster handelte es sich um ein Exemplar aus der ersten Massenproduktion, die Teufel laut eigenen Angaben aufgrund eines Bauteil-Mangels abbrechen musste. Probleme beim Bluetooth-Pairing und die deutlich zu hohe Empfindlichkeit des Touch-Buttons sollen in der finalen Version behoben worden sein.

Einen guten Eindruck hat die im Test stabile Bluetooth-5.0-Verbindung gemacht und auch die Sprachqualität der integrierten Mikrofone beim Telefonieren ist überzeugend. Der Ladestand wird dem Zuspiel-Smartphone zuverlässig mitgeteilt und von diesem angezeigt. Dass die Airy True Wireless spritzwasserfest sind und das matte Plastikchassis - verfügbar in Weiß, Schwarz und Blau - solide verarbeitet ist, sei ebenfalls lobend erwähnt.

Fazit: Tragekomfort und Halt im Ohr passen, die Bluetooth-Verbindung ist stabil, die Verarbeitung sauber, die Laufzeit geht in dieser Produktkategorie in Ordnung: Teufels Airy True Wireless machen vieles richtig, aber der Klang konnte uns nicht hundertprozentig überzeugen. Vor allem die überschaubare Lautstärke und die nicht allzu druckvollen Bässe der Airy True Wireless veranlassen uns zum Ratschlag, lieber zum Teufel Move BT zu greifen, wenn es nicht um jeden Preis ein In-Ear ganz ohne Kabel sein muss.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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