08.12.2019 08:35 |

„Herzklopfen“

Buch lüftet Geheimnisse aus alten Briefen

Briefe und Karten stellten einst die einzige Möglichkeit dar, um selbst aus weiter Ferne Nachrichten zu übermitteln. Die Post wurde zumeist sehnsüchtig erwartet. In seinem jüngsten Buch „Herzklopfen“ widmet sich Karl Oswald aus dem südsteirischen Heimschuh Briefen aus den vergangenen 100 Jahren, die bei den Adressaten emotionale Stimmungen erzeugt haben.

Wie schmerzlich muss es sein, wenn kurz vor dem Heiligen Abend 1941 ein Uniformierter vor der Tür steht und die Nachricht im Gepäck hat, dass der Sohn und Bruder im Krieg gefallen ist? Drei Tage später langten die letzten Weihnachtswünsche des Eingerückten aus Russland ein.

„Liebe Mutter! Da es nun hier schon sehr kalt ist und alles weiß verschneit, denken wir schon sehr an Weihnachten. Ein Weihnachten, das wir diesmal wohl sehr einsam feiern werden, wie noch nie, aber wir werden im Geiste auch nie so bei euch sein wie diesmal, wenn wir in einer kleinen Russenhütte eng beisammen sitzen und frieren. So Gott es will, stehen wir dann am nächsten Weihnachtsfest zusammen unter dem Baum.“ Die Feldpost war langsamer als die Todesnachricht

Mathematiker löste Rätsel um Botschaft
In Oswalds Buch erzählen 26 Personen 52 Geschichten, die das Leben schrieb und die Herzklopfen ausgelöst haben. Der schönste Grund dafür war zweifelsohne die Liebe: „Es ist ein gutes Gefühl, wenn Schmetterlinge im Bauch zu fliegen beginnen, das Blut in Wallung gerät und sich der Herzschlag beschleunigt“, beschreibt der Südsteirer. Schachtelweise Briefe hat er durchstöbert. „Die Briefe - großteils in Kurrentschrift geschrieben - sind in einem sehr guten Zustand.“

Und es gibt sogar verschlüsselte Botschaften. So hat beispielsweise ein junges Paar eine Geheimschrift entwickelt, die aus Zahlen und Buchstaben bestand. Es dauerte fast 90 Jahre, ehe ein Mathematiker herausfand, welche heikle Nachricht die Susi ihrem Hiasl zukommen ließ. Nämlich dass sie in anderen Umständen, also schwanger, war

Karl Klampfer aus Eibiswald verrät, dass sich die Mutter über einen Brief für den Vater entschieden hat. Die Liebe hielt über die Kronjuwelen-Hochzeit hinaus. Besonders alte Briefe, etwa aus 1910 und 1926, hat Oswald in der Knittelfelder Gegend ausfindig gemacht. Alle Briefe sind in Reinschrift abgedruckt und in ihrer Ursprünglichkeit belassen, also nicht korrigiert.

Auch Post-, Ansichts- und Glückwunschkarten sind in dem 160 Seiten starken Buch dokumentiert. „Herzklopfen“ ist im Buchhandel erhältlich.

Josef Fürbass, Kronen Zeitung

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