04.10.2019 09:37 |

Schnelle Hilfe

SOS-Tipps gegen Migräne: Das können Sie selbst tun

Johann Wolfgang von Goethe hatte sie, auch „Superhirn“ Albert Einstein war davon betroffen: Die Rede ist von mysteriösen pochenden, stechenden und pulsierenden Kopfschmerzen, die vielen das Leben zur Hölle machen. Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit kämpfen mit Migräne und damit verbundenen schweren, zumeist einseitigen Kopfschmerzen, Einschränkungen der kognitiven Leistungsfähigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Schlafproblemen, Schwindelanfällen sowie erhöhter Empfindlichkeit auf Licht, Geräusche und Berührungen. Und obwohl Migräne eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen ist, wird sie oft unterschätzt und bleibt ebenso oft nicht oder nur mangelhaft behandelt.

Migränepatienten wirken, wenn sie keine Attacken haben, auf andere völlig gesund. Doch kann ein Migräneanfall so heftig ausfallen, dass Betroffene ihren Alltag nicht mehr bewältigen, geschweige denn arbeiten können. „In Österreich leiden rund 17 Prozent der Frauen und sechs Prozent der Männer an Migräne unterschiedlicher Ausprägung“, betonte Eugen Trinka (Christian Doppler Universitätskliniken, Salzburg), Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) gegenüber der APA. „Zudem weiß man, dass Migränepatienten ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall, Herzerkrankungen, Epilepsie, Depression sowie für chronische Schmerzen haben.“

Großteil der Patienten wird ungenügend behandelt
Eine Studie hat ermittelt, dass die jährlichen Kosten für die Migränebehandlung in Europa mit rund 4,1 Milliarden Euro pro Jahr zwar relativ gering sind, die durch die Erkrankung bedingten Arbeitsausfälle jedoch Kosten von 18,4 Milliarden verursachen. Das lässt den Schluss zu, dass ein Großteil der Patienten nicht oder nur ungenügend behandelt wird. Oft wird bloß zur Selbstmedikation gegriffen, was auch Komplikationen mit sich bringen kann.

Auch Bianca Leppert, Autorin von „Ich hab Migräne - und was ist deine Superkraft?“ ist eine Betroffene, hat seit 20 Jahren Migräneattacken. Für sie sind Menschen, die an dieser Erkrankung leiden, Superhelden - weil sie ihren Alltag trotz der häufigen Schmerzen bewältigen: „Ja, Migräne ist ein Arschloch. Zweifelsohne. Sie kann einem wirklich viele Tage verhageln. Vor allem wenn sie in Form der chronischen Migräne oft über 15 Tage pro Monat aus dem Kalender streicht“, so Leppert.

Migräne ist keine Ausrede
Sie kritisiert auch, dass Migräne allzu oft als Ausrede bzw. Vorwand benutzt wird - etwa, um sich krankzumelden: „Für Menschen, die wirklich unter Migräneattacken leiden, ist dieses miese Image eine zusätzliche Belastung. Wenn man sich wegen eines Anfalls krankmelden muss - was man nicht gern tut und deshalb stundenlang abgewogen hat -, glaubt einem oft nicht mal jemand. Stattdessen erntet man ein: ‘Äh, ja, alles klar, ich verstehe schon.‘“, so Leppert. Sie will ein besseres Verständnis für die Krankheit schaffen.

Welche Auslöser begünstigen Migräne?
Auslösende Faktoren werden als Trigger bezeichnet. Dabei kann es sich etwa um zu viel oder zu wenig Schlaf, Alkohol, unregelmäßigen Kaffeekonsum, ausgelassene Mahlzeiten, sportliche Überanstrengung, lange Autofahrten, bewältigte Höhenmeter, grelles oder flackerndes Licht, Wetterumschwünge und Temperaturunterschiede, Hormone (Pille), positiven oder negativer Stress, bestimmte Nahrungsmittel, starke Sonneneinstrahlung auf das Gesicht oder die Luft in abgestandenen Räumen handeln. Eine Migräneattacke kann wenige Stunden dauern, sich aber auch über mehrere Tage hinziehen.

Leppert hat auch viele Tipps für Betroffene parat, gibt aber gleich eingangs zu bedenken, dass ein Migränehirn in fast allen Fällen „nun mal ein Migränehirn“ bleibt. Trotzdem können Patienten viel selbst tun, um ihre Beschwerden etwas zu lindern: „Migräne gehört zu den chronischen Erkrankungen wie Asthma, Epilepsie und Co. Das, was man gemeinhin unter Heilung versteht, ist derzeit nicht im Angebot. Also nie mehr im Leben einen Migräneanfall haben, ist nicht“, so die Journalistin.

“Nie mehr im Leben einen Migräneanfall haben? Ist nicht!“
“Das richtige Mindset kann helfen, besser mit der Migräne zu leben. Es geht darum, zu akzeptieren, dass man den ungebetenen Gast nicht so schnell los wird. Sich nicht auf die Migräne zu reduzieren, sondern sich auch die positiven Seiten in seinem Leben bewusst zu machen. Selbst die Initiative zu ergreifen und sich nicht darauf zu verlassen, dass der Arzt irgendwann ein Patentrezept in der Hand hält“, so Leppert.

  • Die 10/20-Regel
    „Maximal an zehn Tagen im Monat soll man Schmerzmittel einnehmen, an mindestens 20 Tagen keine ... Weil sonst ein sogenannter medikamenteninduzierter Kopfschmerz entstehen kann“, so Leppert. Sie empfiehlt außerdem, ein Kopfschmerztagebuch zu führen.
  • Medikamente
    ... gegen Übelkeit und Erbrechen, bei leichten bis mittleren und mittelschweren bis starken Attacken:
    Leppert helfen aus eigener Erfahrung Antiemetika bei “den ersten Anzeichen von Übelkeit“: „Sie wirken nicht nur gegen das flaue Gefühl im Bauch, sondern können auch die Wirkung des Schmerzmedikaments verbessern, das man im Anschluss nimmt.“ Bei leichten bis mittelschweren Attacken kommen oft Schmerzmittel zum Einsatz. Bei mittelschweren bis schweren Migräneattacken helfen Leppert so genannte Triptane, spezielle Migränemedikamente. 
    Bei allen Medikamenten aber gilt: Fragen Sie Ihren Apotheker bzw. Ihren Arzt vor der Einnahme!

Praxistipps

  1. Medikamente früh genug einnehmen
  2. Richtig dosieren (in Absprache mit dem Arzt!)
  3. Sich Ruhe gönnen
  4. Ein Notfall-Kit bereithalten, indem sich etwa Kühlpacks, Schlafmaske, Sonnenbrille, Ohrenstöpsel, eine Flasche Wasser, etc. befinden

Schnelle SOS-Tipps ohne Medikamente
Bahnt sich eine Migräneattacke an, helfen Leppert manchmal Ingwer (nicht in der Schwangerschaft), Koffein (Espresso mit Zucker!), Magnesiumgranulat oder frische Luft.

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