24.05.2019 08:30 |

Im Sicherheitszentrum

Blinde und Sehbehinderte dürfen mit Auto fahren

Autofahren für Blinde? Ernsthaft? Ja. Ab und zu gönnt der steirische Blinden- und Sehbehindertenverband sich und seinen Mitgliedern diesen Spaß. Am Dienstag ist es wieder so weit - da bieten der ARBÖ und die Fahrschule Galileo im Gleisdorfer Fahrsicherheitszentrum einen Spezialkurs. Angst muss niemand haben.

Vom Beifahrer- auf den Fahrersitz. Das ist nicht nur der Traum vieler Jugendlicher. Auch Menschen mit Beeinträchtigung träumen hin und wieder vom Gefühl, nicht nur Passagier zu sein.

Am kommenden Dienstag übernehmen rund 15 sehbehinderte und blinde Steirer das Steuer. Beim Fahrsicherheitszentrum in Ludersdorf bei Gleisdorf kann man im Fahrschulauto, begleitet und beschützt von einem Instruktor auf dem Nebensitz, einige Runden drehen.

Ganze fünf Euro kostet der Spaß. Angst haben müsse niemand, beruhigt ARBÖ-Vertriebsleiter Marcus Fauszt: „Wir haben dort viel Platz mit viel Wiese rundherum. Beim letzten Termin vor zwei Jahren musste niemand eingreifen.“

Am Ende lachen alle
Fauszt zeigt sich beeindruckt davon, wie gut manche Blinde im Auto zurechtkommen. „Einige nutzen das Geräusch der Kanaldeckel, um sich zu orientieren. Deshalb gibt es vor der Fahrt auch die Möglichkeit, den Platz zu inspizieren.“ Dass alle Teilnehmer nach ihrer - durch Aqua-Planing-Simulationen noch verschärften - Ausfahrt mit einem lachenden Gesicht wieder aus dem Auto klettern, bestärkt Fauszt darin, die Aktion regelmäßig anzubieten.

Zum zweiten Mal dabei ist heuer Hermine Dornauer (70), eine gebürtige Kapfenbergerin, die seit 40 Jahren in Graz lebt. Die pensionierte Wirtschaftskammer-Mitarbeiterin verlor vor zehn Jahren wegen eines Melanoms ein Auge; das zweite Auge ist durch einen Tumor stark angegriffen.

„Ich weiß, dass mir nichts passieren kann“
„Einen Führerschein würde ich mit meinem Sehvermögen nie und nimmer bekommen“, sagt die Steirerin, die auch vor ihrer Augenerkrankung nie einen „Schein“ gemacht hatte. Umso mehr Spaß bedeutet es ihr, einmal selbst die Kontrolle zu übernehmen. „Vor allem, weil ich weiß, dass mir nichts passieren kann.“

Ob sie sich schon auf die Zeit des selbstfahrenden Auto freut? „Nein, mein Vertrauen in die Technik ist endenwollend. Ich komme mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zurecht.“

Matthias Wagner
Matthias Wagner
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