18.11.2018 08:42 |

Schranz wird 80

Karl, bist du immer noch der „einsame Wolf“?

Karl Schranz war 1969 Österreichs erster Weltcup-Gesamtsieger und nach dem Ausschluss von Olympia in Sapporo 1972 auch Volksheld. Heute feiert der „einsame Wolf vom Arlberg“ seinen 80. Geburtstag.

„Krone“: Was sagt dir die Zahl 80?
Karl Schranz: Dass ich dankbar sein kann. 80 und relativ gut beinand, das ist schön. Im vergangenen Winter bin ich beim Skifahren einmal gestürzt, die Leute wollten mir aufhelfen. Aber geh, hab ich gesagt - das kann ich schon selber.

Gesundheitliche Probleme bremsen dich nicht?
Gar nicht. Ich hatte einen leichten Schlaganfall, aber das ist gut ausgegangen. Ich kann alles tun. Auch Skifahren, wenn’s Wetter passt.

Du warst ja immer kerngesund
Na ja, als Bub nicht. Ich war 3, 4 Jahre alt, da hatte ich eine Lungenentzündung. 42 Fieber. Der Arzt hat mich abgeschrieben, die Großmutter gerettet. Sie hat überall Topfen gesammelt und mich voll eingepackt.

Denkt man mit 80 auch zurück?
Tu ich nicht gern. Ich habe immer schon gern nach vorne geschaut. Weil da ist noch Luft.

Aber an den Heldenplatz denkst …
… da war ich nie. Den habe ich 1972 abgelehnt. Ich wusste, dass da einmal etwas anderes war. Wir waren am Ballhausplatz. Vor weit über 100.000 Menschen.

Und daran denkst du noch?
Wenn ich in Wien bin, fällt’s mir manchmal ein. Ein gutes Gefühl.

Und das Gefühl als Held?
Das war ich nie. Vielleicht für andere, aber ich habe mich nie so gefühlt. Ein Held ist für mich ein Arzt, der ein Leben rettet.

1972 von Olympia ausgeschlossen - heute ist Olympia der Inbegriff von Kommerz.
Ich wollte, dass man als Olympia-Athlet auch Geld verdient. Damals musste man vorher Millionär sein, damit man sich ein Sportler-Dasein leisten konnte. Inzwischen ist Olympia auf einem eigenen Weg.

Fehlt dir Olympia-Gold?
Ich hatte es ja. Eineinhalb Stunden lang. 1968 in Grenoble. Dann wurde ich wegen eines angeblichen Torfehlers im Slalom disqualifiziert. Aber so bin ich halt der kürzeste Olympiasieger der Geschichte.

Bist du immer noch der„einsame Wolf“?
Das hat der Heinz Prüller erfunden. Und es stimmte: Ich war beim Sport lieber allein. Aber das ist Geschichte: Ich bin verheiratet, habe drei erwachsene Töchter. Und bin auch in St. Anton gern überall dabei.

Und heute ruft Wladimir Putin an und gratuliert dir?
Es könnte sein. Bislang war’s immer so. Schau ma. Ich fahre jedenfalls nach wie vor öfter nach Russland und besuche Putin.

Georg Fraisl, Kronen Zeitung

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