05.11.2018 13:00 |

Großes Interview

„Notfall Schlaganfall“: Wenn jede Minute zählt

Er kommt plötzlich, manchmal sogar unbemerkt - aber immer mit einem Schlag. Je schneller reagiert wird, desto besser sind die Heilungschancen. Abgeklärt werden sollte aber jedes noch so kleine Symptom. Die „Krone“ stellte zehn Fragen zum Schlaganfall - Neurologe Stefan Kiechl, Präsident der österreichischen Schlaganfallgesellschaft, stand Rede und Antwort.

Was genau ist eigentlich ein Schlaganfall?
Grundsätzlich gibt es zwei Arten: Entweder es entsteht ein Gefäßverschluss und das Gehirn wird durch das Gerinnsel unterversorgt. Oder ein Gefäß reißt und die Blutung geht ins Gehirn.

Woran erkennt man ihn?
Klassisch sind Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen oder eine Sehbeeinträchtigung - bei diesen Symptomen sofort die Rettung rufen, auch wenn sie nur fünf Sekunden dauern. Dann kann es sich nämlich um ein „Schlagerl“ handeln, also einen Vorboten. Wird dieser behandelt, kann ein richtiger Schlaganfall meistens vermieden werden.

Kann ein Schlaganfall unbemerkt bleiben?
Ja, es gibt den stummen Schlaganfall, der kommt in der Nacht und der Betroffene verschläft ihn. Dann gibt es noch einen eher selteneren Typus - der betrifft nur die rechte Gehirnhälfte, und lässt den Patienten glauben, er sei gesund. Im Gehirn werden quasi jene Mechanismen ausgeschaltet, die normalerweise Alarm schlagen würden. Heißt: Es kann passieren, dass der Betroffene, den Arm nicht heben kann, aber nicht versteht, dass es etwas nicht stimmt.

Welche Rolle spielt Zeit?
Der Zeitfaktor ist ausschlaggebend. Mit jeder Viertelstunde, in der der Patient unbehandelt bleibt, sinkt die Heilungschance. In Tirol sind wir dahingehend sehr gut aufgestellt. Es gibt aktuell drei Schlaganfalleinheiten (Innsbruck, Kufstein sowie Lienz) und eine Einrichtung in Zams ist derzeit im Aufbau - dadurch können über 90 Prozent der Patienten innerhalb von 45 Minuten behandelt werden.

Wie verläuft die Behandlung danach?
Wichtig ist eine frühe Rehabilitation - innerhalb der ersten 24 Stunden. In weiterer Folge ist es abhängig von der Schwere des Anfalls - entweder der Patient kommt nach Hochzirl oder nach Münster, oder er wird ambulant zuhause behandelt. Dahingehend ist Tirol ein echter Vorreiter.

Wie hoch ist das Risiko, einen zweiten zu bekommen?
Wenn der erste ungenügend oder gar nicht behandelt wird, bekommt ein Viertel der Patienten innerhalb von fünf Jahren einen zweiten. Dieses Risiko kann durch die richtige Medikation um 90 Prozent gesenkt werden.

Was tut sich in der Medizin?
Es gibt keine bahnbrechenden, allerdings stetig gute Entwicklungen. In der Akutversorgung gibt es zwei Arten - entweder über ein Medikament oder einen Katheder; Zweiteres ist erst seit vier Jahren gesichert - beide Möglichkeiten bieten aber, wenn sie rasch ausgeführt werden, sehr gute Heilungschancen.

Gibt es Risikogruppen?
Ja, die Risikofaktoren sind etwa Bluthochdruck, Zucker, Cholesterin, Rauchen, zu wenig Bewegung und ungesunder Lebensstil.

Wie kann ein Schlaganfall vermieden werden?
Durch einen gesunden Lebensstil. Die Genetik spielt eine relativ geringe Rolle. Wichtig ist, gesunde Ernährung und viel Bewegung.

Wie ist die Lage in Tirol?
Jährlich gibt es 1400 Schlaganfall-Patienten. Das ist viel weniger, als etwa im Osten, da Bewegung in Tirol sehr groß geschrieben wird. Durch die Schlaganfalleinheiten und der ambulanten Versorgung sind wir bestens aufgestellt. Zudem feiert der Behandlungspfad heuer zehnjähriges Jubiläum. Das ist eine festgelegte Orientierung vom Notruf bis zur Reha, in dem eingeordnet ist, wer, wo, wie behandelt wird.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter
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