Fr, 21. September 2018

Kleine Diabetiker

06.09.2018 06:00

Schulstress für zuckerkranke Kinder

Derzeit besuchen 1600 Kinder mit Diabetes Typ 1 die Schule. Immer mehr Pädagogen zeigen sich mit der Krankheit konfrontiert. Sie sind gesetzlich abgesichert, wenn sie die Kids medizinisch unterstützen, brauchen aber weitere Informationen.

„Es geht für die Lehrer nicht um Tätigkeiten, die nur vom Fachpersonal zu bewältigen sind, sondern um Rücksicht auf Blutzuckermessungen, Hilfe bei einfachen Rechenvorgängen der Insulinpumpe und vor allem um Verständnis“, erklärt Kinderärztin Prof. Sabine Hofer, MedUni Innsbruck. Auch das Mittagessen in den Ganztagesschulen oder während der Nachmittagsbetreuung stellt alle vor neue Herausforderungen, denn die Kinder müssen Blutzucker kontrollieren und Insulin spritzen. Auch bei der Technik (Insulinpumpe, Sensor) brauchen die Kleinen oft Beistand. 

Ein zentraler Aspekt ist das Miteinander in der Schule. Wenn ein kleiner Patient zum Insulinspritzen vom Lehrer aus der Klasse geschickt wird, kann er sich dadurch aus der Gruppe ausgeschlossen fühlen. Ob eine Messung bzw. Medikamentengabe im Klassenzimmer stattfindet oder das Kind dies lieber in einem intimeren Rahmen durchführt, sollte deshalb seine Entscheidung sein. An Schulen, wo dieser Raum gegeben wird, ist die psychische und physische Verfassung der Sprösslinge besser, als dort, wo diese Form der Inklusion nicht stattfindet.

Für die optimale Betreuung braucht es fünf Säulen beziehungsweise fünf Personengruppen, die gut informiert und abgestimmt interagieren sollten: Die Sprösslinge selbst, die man mit altersgerechten Schulungen, idealerweise in Diabetes-Zentren, sehr gut stärken kann, damit Sie selbst kompetente Entscheidungen treffen können. Die Eltern, welche durch klare Kommunikation an Kinder und Lehrer Unterstützung geben. Zum Beispiel sollten Infos über typische Unterzuckerungssymptome oder eindeutige Angaben über erlaubte Nahrung gemacht werden. Beschreibungen und Handlungsanweisungen, am besten schriftlich, schaffen Klarheit und geben Sicherheit. Weiters braucht es die Pädagogen, auf deren Seite es jedoch noch Informationsmängel rund um das Thema gibt. Um diese Lücken zu schließen, wird demnächst ein spezielles Fortbildungsmodul gemeinsam von ÖDG (Österr. Diabetesgesellschaft) und ÖDV (Österr. Diabetikervereinigung) angeboten. Schulärzte können bei der Vermittlung medizinischer Themen ebenfalls wertvolle Unterstützung liefern. Und zuletzt eine sehr wichtige, aber kaum bekannte Säule: die Diabetes-Nannys. Diese Berater kommen in die Lehranstalt, begleiten und schulen dort das Personal im Umgang mit Typ-1-Diabetikern.

Eva Greil-Schähs, Kronenzeitung

 krone.at
krone.at

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.