Di, 25. September 2018

Neuregelung kommt

26.08.2018 20:03

Regierung schafft Lehre für Asylwerber ab

Trotz prominenter Fürsprache vom Bundespräsidenten bis hin zu Topmanagern aus der Wirtschaft wird die türkis-blaue Regierung die Möglichkeit einer Lehre für Asylwerber abschaffen. Regierungssprecher Peter Launsky-Tieffenthal richtete am Sonntag aus, dass die Debatte nun beendet sei und man bereits an einer Neuregelung arbeite.

„Das Asylrecht soll künftig nicht mehr mit einer Lehre umgangen werden können.“ Gleichzeitig sollen ein eigener Aufenthaltstitel für Lehrlinge geschaffen und die Rot-Weiß-Rot-Karte attraktiviert werden, „um den Bedürfnissen der Wirtschaft zu entsprechen“, so Launsky-Tieffenthal. Seit 2012 war die Lehrlingsausbildung für Asylwerber bis 25 Jahren in Mangelberufen erlaubt. Diesen Erlass bekämpfte vor allem die FPÖ vehement.

NEOS: „Das ist realitätsfremd und zynisch“
Völliges Unverständnis herrscht bei NEOS-Wirtschaftssprecher Sepp Schellhorn: „Das ist völlig realitätsfremd und zynisch.“ Die Regierung setze das Spalten der Gesellschaft munter fort. Die Bedürfnisse der Unternehmer seien Türkis-Blau aber offenbar egal. „Außerdem tritt die Bundesregierung mit solchen Maßnahmen die Integrationswilligen in diesem Land mit Füßen“, ärgerte sich Schellhorn.

SPÖ: „Probleme werden vergrößert statt gelöst“
Empört reagierte auch die SPÖ auf die Pläne von Türkis-Blau. „Asylwerbern eine Lehre in gesuchten Berufen zu verunmöglichen und gleichzeitig über die Regionalisierung der Mangelberufsliste vermehrt Arbeitskräfte aus Drittstaaten zu holen, ist so unsinnig wie bösartig. ÖVP und FPÖ vergrößern damit die Probleme, die sie vorgeben zu lösen. Wir haben in Österreich bereits heute die Situation, dass es mehr freie Lehrstellen als Lehrstellensuchende gibt. Die Politik der Regierung schadet unserer Wirtschaft und ist völlig widersinnig“, sagte SPÖ-Chef Christian Kern in einer Stellungnahme.

Bis zuletzt hatte der grüne Integrationslandesrat von Oberösterreich, Rudi Anschober, an Bundeskanzler Sebastian Kurz appelliert, nicht zuzulassen, dass der Zugang für Asylwerber zu Lehrstellen abgeschafft wird. „Der Bundeskanzler muss die Causa Lehrausbildung für Asylwerber generell zur Chefsache machen, die Zerstörung dieser letzten Integrationschance abwenden und Gespräche für eine Lösung der Vernunft gegen die drohenden Abschiebungen Hunderter Lehrlinge und für eine grundsätzliche Lösung ermöglichen“, forderte Anschober.

Prominente und Wirtschaft wollen Lehrlings-Abschiebung verhindern
Der Grünen-Politiker hat bereits mehr als 60.000 Unterschriften sammeln können, die allesamt von Personen stammen, die genauso wie Anschober die Abschiebung von Asylsuchenden mit einer Lehranstellung verhindern wollen. An der Spitze dieser Initiative stehen zahlreiche Prominente - unter anderem Ex-Skistar Hermann Maier, der EU-Abgeordnete Othmar Karas (ÖVP), Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky, Spar-Chef Gerhard Drexel, Industriellen-Präsident Georg Kapsch sowie Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

Was passiert mit bereits begonnenen Lehrlingen?
Für die derzeit etwa 1000 jungen Flüchtlinge, die schon eine Lehre begonnen haben, wird dem Vernehmen nach an einer Lösung gearbeitet. Die Hälfte dieser Lehrlinge hat allerdings einen negativen Asylbescheid. Für diese Personen könnte eine Lösung schwierig werden. Für die andere Hälfte sind die Aussichten jetzt deutlich besser.

Kronen Zeitung/krone.at

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