Mo, 17. Dezember 2018

Chronische Schmerzen

10.08.2018 06:00

Die Seele leidet mit

Schmerzen sind nicht nur auf körperliche Vorgänge beschränkt. Denken und Empfindungen prägen das Erleben der Beschwerden mit - und umgekehrt.

Entzündete Gelenke senden ständig Signale des Schmerzgeschehens an das Gehirn, die Ort und Stärke einer möglichen Gewebeschädigung „angeben“. Das ist der körperliche Anteil des Schmerzgeschehens. Bei akuten Beschwerden steht die Warnfunktion im Vordergrund. „Eine ebenso wichtige Rolle spielen die emotionellen Anteile, die sowohl das Verhalten als auch das allgemeine Befinden bestimmen. Wie wir Schmerzen wahrnehmen, hängt nicht nur von körperlichen, sondern in hohem Ausmaß auch von psychischen Faktoren ab. Bei chronischen Beschwerden tritt die Reizleitung meist in den Hintergrund, die emotionalen Anteile überwiegen“, erklärt Prim. Assoc. Prof. PD Dr. Martin Aigner, Abteilung für Erwachsenenpsychiatrie, Universitätsklinikum Tulln (NÖ), Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften.

Oft neigen Leidgeplagte zu dauerhaftem Schonverhalten und ziehen sich sozial zurück. Wer dadurch depressiv ist, wird gegenüber Schmerzreizen empfindlicher, weil es im Gehirn zu einer Funktionsänderung von Nervenbahnen kommt, welche die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin enthalten. Zusammen mit den sogenannten Endorphinen sind diese Botenstoffe, die auch unsere Stimmung wesentlich beeinflussen, im Rückenmark für die Dämpfung von Schmerzsignalen im Körper zuständig. Geraten diese aus dem Gleichgewicht, landen die Schmerzreize ungebremst im Gehirn.

Umgekehrt können chronische Schmerzen die Entstehung von Depressionen begünstigen. Wenn die Gedanken dann ständig um die Beschwerden kreisen, werden Angst und Hilflosigkeit übermächtig. Diese Gefühle aktivieren bestimmte Hirnregionen, und der Schmerz „gräbt“ sich gleichsam ein. Im schlimmsten Fall genügt bereits ein leichter Reiz, um sämtliche Schmerzzentren im Kopf in Alarm zu versetzen. Deshalb ist es sehr wichtig, im Rahmen der Schmerztherapie auch die Psyche mit zu berücksichtigen und gegebenenfalls zu behandeln, um die körperlichen Beschwerden erfolgreich bekämpfen zu können.

Eva Rohrer, Kronen Zeitung

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