Di, 11. Dezember 2018

„Positive Bilanz“

25.07.2018 10:37

Sturm verspürt keinen Transfer-Leidensdruck mehr

Hinter Günter Kreissl liegen intensive Arbeitstage. Für den Geschäftsführer Sport von Sturm Graz ist die Amsterdam-Reise zum Qualifikationsspiel für die Champions League gegen Ajax Belohnung und Auszeit vom Alltagsjob als Kadermanager. Seine Schlüsselspieler will er künftig deutlich teurer verkaufen - dafür ist aber ein erster Schritt notwendig. Spielmacher Peter Zulj bietet sich dafür an.

„Ein Verein hat natürlich einen gewissen Leidensdruck, auch Geld über Transfers zu machen“, sagte Kreissl, während sein Team in der „Johan Cruijff Arena“ das Abschlusstraining für das Spiel des Jahres am (heutigen) Mittwoch (20.30 Uhr) absolvierte. Sturms sportlicher Leiter verspürt derzeit keinen Transferdruck. „Unsere Transferbilanz ist extrem positiv“, so Kreissl und zählt die jüngeren Verkäufe von Uros Matic (Kopenhagen), Bright Edomwonyi (Rizespor) oder Thorsten Röcher (Ingolstadt) auf.

Diese haben knapp über fünf Millionen Euro - für Sturmverhältnisse viel Geld - in die Clubkassa gespült. „Sie haben geholfen, Rücklagen zu schaffen, die uns nicht reich machen, aber einfach in die komfortable Situation bringen, keine Spieler verkaufen zu müssen.“

Zumindest nicht zu jedem Preis. Angesichts der horrenden Inflation am Transfermarkt und Verkäufen der Ligakonkurrenten, wie Salzburgs Duje Caleta-Car, der um kolportierte 17 bis 19 Millionen Euro nach Marseille wechselte, wollen die Steirer künftig ebenfalls höhere Preissegmente für ihre Spieler erschließen. Drei Millionen waren bisher das Maximum.

Zulj könnte Schlüssel werden
Spielmacher Peter Zulj, der sich mit starken Vorstellungen in das ÖFB-Team und die internationale Auslage gespielt hat, könnte Kreissls Königstransfer werden. „Peter kann der Schlüssel sein, diesen Schritt zu machen, aber ich will ihn nicht dafür benutzen“, meinte Kreissl. Der Linksfuß war im Sommer 2017 ablösefrei von Absteiger SV Ried zu Sturm gewechselt.

Ein konkretes Angebot für den Mittelfeldspieler, dessen Vertrag ohne Ausstiegsklausel bis Sommer 2020 läuft, liege bisher nicht vor. Kreissl ist vorgewarnt, das Transferkarussell könnte jetzt, nach der WM in Russland, noch einmal richtig durchstarten. Zudem sei das von Medien in die Welt getragene Preisschild von sechs bis acht Millionen einem Verkauf von Zulj weniger zuträglich. Zahlreiche Spielerberater hätten sich für eine mögliche Transfer-Abwicklung angeboten. „Es herrscht eine mediale Aufregung, die eher abschreckt als Mut macht“, sagte Kreissl.

Dabei will Sturm den Rising Star, dessen Vorsaison nach zehn Toren und 19 Assists mit dem Titel als Bundesligaspieler des Jahres gekrönt wurde, eigentlich ganz gerne behalten. „Sportlicher Wert ist heutzutage gleich Geldwert“, betonte Kreissl. „Wie schätze ich den finanziellen Wert einer Euroleague-Gruppenphase ein? Und macht es Sinn, einen Spieler, der ein wesentlicher Faktor für sportlichen Erfolg ist, vorher ziehen zu lassen?“ Zulj soll mit seiner Leistung die Tür zu Sturms erstmaligen Einzug in eine europäische Gruppenphase seit 2011/12 (Europa-League) öffnen. Das Startgeld allein beträgt etwa drei Millionen Euro.

Sein Schützling absolvierte inzwischen gut gelaunt seine Aufwärmübungen. Die Zuschauerränge der Amsterdamer Arena sind leer, am heutigen Mittwoch werden sie 54.000 Menschen fassen - eine Kulisse, vor der Zulj künftig öfter spielen will. „Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich den nächsten Schritt nicht gerne machen würde“, erklärte er vor dem Abflug in die Niederlande.

Noch kein passender Verein
Ein passender Verein hat sich bisher nicht gefunden. „Dieser Druck zu glauben, jetzt gleich etwas aus einer guten Saison zu machen, ist etwas, wovor ich Peter auch immer warnen muss. Wenn er in eine große Liga geht, muss er mindestens auf diesem Level weiter performen, damit es Sinn macht“, erklärte Kreissl. Um ein One-Hit-Wonder auszuschließen, würden manche Vereine auf eine bestätigende Saison warten.

Zulj treibt es gedanklich bereits jetzt in eine der großen Fußballligen - England, Spanien oder Deutschland, wie sein Bruder Robert. „Ich weiß, dass meine Kapazität noch nicht bei 100 Prozent liegt“, meinte der gebürtige Oberösterreicher. In einer großen Liga würde er mehr gefordert werden. „Dort werde ich mich sicherlich körperlich und mental noch steigern.“ Auch Kreissl sagte: „Ich glaube nach wie vor, dass Peter so gut ist, dass er seinen Vertrag bei Sturm Graz nicht erfüllt. Das heißt, dass er früher wechseln wird.“

Vorerst lebt Zulj mit den Grazern den „Traum“ von der Königsklasse. „Es gibt nichts Schöneres, als mit Sturm in der Champions League spielen zu können.“ Für die Gruppenphase muss mit Ajax Amsterdam das erste von drei europäischen Schwergewichten aus dem Weg geräumt werden. „Ich konzentriere mich darauf, der Mannschaft mit meiner Klasse zu helfen“, sagte Zulj.

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