Do, 20. September 2018

Nach bitterem WM-Aus

03.07.2018 11:52

Picobello! Die Japaner putzen ihre Kabine selbst

Normalerweise ist man es ja gewohnt, dass Mannschaftskabinen nach Fußballspielen aussehen, als ob gerade eine Bombe eingeschlagen hätte. Da liegen die verschwitzten Trikots irgendwo herum und die Erdpatzen der Schuhe verteilen sich auf dem gesamten Fußboden. Wahrlich kein schöner Anblick. Die japanische Nationalmannschaft zeigte am Montagabend aber, dass es auch anders geht. Ihre Kabine sah nach der bitteren 2:3-Niederlage im WM-Achtelfinale gegen Belgien (siehe Video oben) blitzblank aus, dass man sogar vom Fußboden hätte essen können. Jeder einzelne Spieler legte selbst Hand an. Die Trophäe für das vorbildhafteste Nationalteam während der Fußball-WM ist den Japanern damit sicher!

Das muss man sich einmal vorstellen: Da führt man als krasser Außenseiter mit 2:0 und verliert in letzter Sekunde in einem dramatischen Spiel doch noch mit 2:3. Jede andere Mannschaft würde womöglich mit dem Schiedsrichter hadern und ihren Frust freien Lauf lassen. Nicht so die Japaner, die die Niederlage sportlich fair und mit Respekt annahmen. Und nicht nur das: Bevor sie das Stadion in Rostow verließen, bedankten sie sich artig bei der Stadion-Crew und hinterließen auf einem Blatt Papier eine Botschaft mit der Aufschrift „Danke“. In der wohl bittesten Niederlage in ihrer WM-Historie so einen würdevollen Abgang hinlegen - Respekt! 

Auch Fans räumten im Stadion auf
Auch die Fans der Japaner im Stadion verhielten sich fair und trugen die Niederlage mit Fassung. Nach dem Spiel sammelten sie sogar ihren eigenen Müll auf und verließen einen sauberen Block. Dafür gebührt ihnen ebenfalls ein großes Lob. Ähnlich tolle Bilder gab es schon zuvor von den Fans aus Senegal und Kolumbien. Man sieht: Fußball geht auch anders, selbst nach bitteren Niederlagen. 

Mit leerem Blick und stockender Stimme rang Japans Makoto Hasebe nach dem brutalen WM-Aus um Worte. „Ich bin sehr traurig und kann gar nicht sagen, was in mir vorgeht. Das ist zu schwierig“, sagte der Musterprofi vom DFB-Pokalsieger Eintracht Frankfurt. 94 Minuten hatten die Blauen Samurai dem Favoriten einen heroischen Kampf geliefert, doch am Ende mussten sie die vorzeitige Heimreise antreten. „Wir haben gezeigt, dass wir sehr gut Fußball spielen können. Aber leider hat das Ergebnis nicht gestimmt“, stellte Hasebe frustriert fest.

Japan-Trainer nach WM-Aus: „Ich gebe mir die Schuld“
Auch im dritten Anlauf wurde es nichts mit dem erstmaligen Einzug in ein WM-Viertelfinale. „Die Spieler sind nicht die Schuldigen“, sagte Trainer Akira Nishino. „Ich gebe mir die Schuld und zweifle an meiner Taktik. Es fühlt sich wie eine Tragödie an. Ich bin sehr enttäuscht und niedergeschlagen.“ Das empfanden seine Schützlinge genauso. „Ein Moment hat uns gekillt“, sagte Abwehrspieler Maya Yoshida. „Es ist schwer, das zu akzeptieren.“ Nishino hofft nun darauf, dass die Zeit die seelischen Wunden heilt. „Die Spieler haben das Beste aus sich herausgeholt. Aber ich kann das Ergebnis deswegen nicht als Erfolg bezeichnen“, sagte der 63-Jährige. „Aber wenn wir beim nächsten Turnier in vier Jahren zurückblicken, können wir es vielleicht als Erfolg bezeichnen.“

Routinier Honda: „War meine letzte WM“
Routinier Keisuke Honda deutete das Ende seiner internationalen Karriere angedeutet. „Das war meine letzte WM. Ich kann für mich nicht noch einmal vier Jahre weiter denken“, sagte der 32-Jährige. Ob er noch einmal für Japans Nationalmannschaft auflaufen wird, oder seine internationale Karriere sofort beendet, ließ Honda offen.

Der Profi vom mexikanischen Club CF Pachuca ist seit dieser WM der erste Japaner, der bei drei verschiedenen Weltturnieren getroffen hat. Mit insgesamt vier Toren ist er zudem der beste asiatische WM-Torschütze. Nebenbei ist er mit seinem Familienunternehmen „Honda Estilo“ Hauptgeldgeber beim niederösterreichischen Zweitliga-Club SV Horn. Mit den Waldviertlern wollte Honda 2015 den Angriff auf die Königsklasse wagen. Davon träumt im Waldviertel längst niemand mehr, Honda fuhr sein finanzielles Engagement deutlich zurück.

Franz Hollauf
Franz Hollauf

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Tabellen
Gruppe A
Gruppe B
Gruppe C
Gruppe D
Gruppe E
Gruppe F
Gruppe G
Gruppe H
#MannschaftSp.TorePkt
1Uruguay35:09
2Russland38:46
3Saudi Arabien32:73
4Ägypten32:60
#MannschaftSp.TorePkt
1Spanien36:55
2Portugal35:45
3Iran32:24
4Marokko32:41
#MannschaftSp.TorePkt
1Frankreich33:17
2Dänemark32:15
3Peru32:23
4Australien32:51
#MannschaftSp.TorePkt
1Kroatien37:19
2Argentinien33:54
3Nigeria33:43
4Island32:51
#MannschaftSp.TorePkt
1Brasilien35:17
2Schweiz35:45
3Serbien32:43
4Costa Rica32:51
#MannschaftSp.TorePkt
1Schweden35:26
2Mexiko33:46
3Republik Korea33:33
4Deutschland32:43
#MannschaftSp.TorePkt
1Belgien39:29
2England38:36
3Tunesien35:83
4Panama32:110
#MannschaftSp.TorePkt
1Kolumbien35:26
2Japan34:44
3Senegal34:44
4Polen32:53
Spielplan
Gruppenphase
Achtelfinale
Viertelfinale
Halbfinale - Finale
Russland
GRUPPE A | 14.06.
5:0 (2:0)
Saudi Arabien
Ägypten
GRUPPE A | 15.06.
0:1 (0:0)
Uruguay
Marokko
GRUPPE B | 15.06.
0:1 (0:0)
Iran
Portugal
GRUPPE B | 15.06.
3:3 (2:1)
Spanien
Frankreich
GRUPPE C | 16.06.
2:1 (0:0)
Australien
Argentinien
GRUPPE D | 16.06.
1:1 (1:1)
Island
Peru
GRUPPE C | 16.06.
0:1 (0:0)
Dänemark
Kroatien
GRUPPE D | 16.06.
2:0 (1:0)
Nigeria
Costa Rica
GRUPPE E | 17.06.
0:1 (0:0)
Serbien
Deutschland
GRUPPE F | 17.06.
0:1 (0:1)
Mexiko
Brasilien
GRUPPE E | 17.06.
1:1 (1:0)
Schweiz
Schweden
GRUPPE F | 18.06.
1:0 (0:0)
Republik Korea
Belgien
GRUPPE G | 18.06.
3:0 (0:0)
Panama
Tunesien
GRUPPE G | 18.06.
1:2 (1:1)
England
Kolumbien
GRUPPE H | 19.06.
1:2 (1:1)
Japan
Polen
GRUPPE H | 19.06.
1:2 (0:1)
Senegal
Russland
GRUPPE A | 19.06.
3:1 (0:0)
Ägypten
Portugal
GRUPPE B | 20.06.
1:0 (1:0)
Marokko
Uruguay
GRUPPE A | 20.06.
1:0 (1:0)
Saudi Arabien
Iran
GRUPPE B | 20.06.
0:1 (0:0)
Spanien
Dänemark
GRUPPE C | 21.06.
1:1 (1:1)
Australien
Frankreich
GRUPPE C | 21.06.
1:0 (1:0)
Peru
Argentinien
GRUPPE D | 21.06.
0:3 (0:0)
Kroatien
Brasilien
GRUPPE E | 22.06.
2:0 (0:0)
Costa Rica
Nigeria
GRUPPE D | 22.06.
2:0 (0:0)
Island
Serbien
GRUPPE E | 22.06.
1:2 (1:0)
Schweiz
Belgien
GRUPPE G | 23.06.
5:2 (3:1)
Tunesien
Republik Korea
GRUPPE F | 23.06.
1:2 (0:1)
Mexiko
Deutschland
GRUPPE F | 23.06.
2:1 (0:1)
Schweden
England
GRUPPE G | 24.06.
6:1 (5:0)
Panama
Japan
GRUPPE H | 24.06.
2:2 (1:1)
Senegal
Polen
GRUPPE H | 24.06.
0:3 (0:1)
Kolumbien
Uruguay
GRUPPE A | 25.06.
3:0 (2:0)
Russland
Saudi Arabien
GRUPPE A | 25.06.
2:1 (1:1)
Ägypten
Iran
GRUPPE B | 25.06.
1:1 (0:1)
Portugal
Spanien
GRUPPE B | 25.06.
2:2 (1:1)
Marokko
Dänemark
GRUPPE C | 26.06.
0:0 (0:0)
Frankreich
Australien
GRUPPE C | 26.06.
0:2 (0:1)
Peru
Nigeria
GRUPPE D | 26.06.
1:2 (0:1)
Argentinien
Island
GRUPPE D | 26.06.
1:2 (0:0)
Kroatien
Republik Korea
GRUPPE F | 27.06.
2:0 (0:0)
Deutschland
Mexiko
GRUPPE F | 27.06.
0:3 (0:0)
Schweden
Serbien
GRUPPE E | 27.06.
0:2 (0:1)
Brasilien
Schweiz
GRUPPE E | 27.06.
2:2 (1:0)
Costa Rica
Japan
GRUPPE H | 28.06.
0:1 (0:0)
Polen
Senegal
GRUPPE H | 28.06.
0:1 (0:0)
Kolumbien
England
GRUPPE G | 28.06.
0:1 (0:0)
Belgien
Panama
GRUPPE G | 28.06.
1:2 (1:0)
Tunesien

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