Di, 14. August 2018

Renault-Motoren

01.06.2018 19:57

Milliardenstrafen für Daimler wegen Abgasbetrugs?

Daimler wird immer weiter in den Diesel-Skandal-Sog gerissen. Mittlerweile ist von einem möglichen Ordnungsgeld von fast vier Milliarden Euro die Rede- sollte sich bewahrheiten, dass die Stuttgarter bei Abgaswerten geschummelt haben. Laut einem „Spiegel“-Bericht soll der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer bei einem Treffen mit Konzernchef Dieter Zetsche den Verdacht geäußert haben, dass in 750.000 Fahrzeugen von Mercedes ein unzulässiges Abgasreinigungssystem eingebaut sei. Pro Fahrzeug könne er bis zu 5.000 Euro berechnen.

Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hatte vorige Woche erstmals einen amtlichen Rückruf von fast 5000 Mercedes-Transportern vom Typ Vito angeordnet, weil darin eine unzulässige Abschalteinrichtung festgestellt wurde. Diese erkennt, ob sich ein Auto auf einem Prüfstand befindet und reguliert nur dann den Stickoxidausstoß. Auf der Straße sind die Abgaswerte sehr viel höher. Den Volkswagen-Konzern kostete die Verwendung solcher Einrichtungen (bzw. die Wiedergutmachung des Abgasskandals) mittlerweile insgesamt bisher mehr als 25 Milliarden Euro.

Motoren von Renault zugeliefert
Bei Daimler untersucht die Zulassungsbehörde nun, ob die beim Vito entdeckte Software - oder Varianten - auch in anderen Modellen von Mercedes eingebaut sind. Nach „Spiegel“-Informationen sind die Untersuchungen an Diesel-Modellen der C-Klasse weit fortgeschritten, die Indizien aus Sicht der Verkehrsbehörden erdrückend. Dabei gehe es um mindestens 80.000 Autos, denen kurzfristig ebenfalls ein Rückruf drohe.

Die Motoren, um die es geht, sind allerdings keine Daimler-Eigenkonstruktionen, sondern wurden von Renault zugeliefert. Noch ist unklar, wer die Software programmiert hat. Doch selbst wenn dies auf Renault-Seite passiert ist, wird man in Stuttgart dafür geradestehen müssen - schließlich hat Mercedes die Typengenehmigung beantragt und ist damit haftbar, wenn gegen Gesetze verstoßen wird.

Ausländische Hersteller aus dem Schneider
Wo deutsche Hersteller nicht aus dem Fadenkreuz kommen, können sich Hersteller, die ihre Typengenehmigungen im Ausland bekommen haben, geradezu zurücklehnen. Selbst wenn ihren Motoren alles andere als sauber sein sollten. Renault und Fiat stehen schon länger unter Verdacht, aber die deutschen Behörden sind machtlos und die zuständigen im jeweiligen Heimatland reißen sich nicht gerade darum, gegen die heimische Autoindustrie vorzugehen.

Im Fall von Renault etwa wurde von der französischen Antibetrugsbehörde DGCCRF ermittelt, dass bereits seit 25 Jahren in Sachen Abgas betrogen wird, doch die Justiz bleibt bisher untätig. Statt eines verpflichtenden Rückrufs gab es lediglich eine Zusage seitens des Konzerns, mit freiwilligen Software-Updates für sauberere Abgase zu sorgen, doch - wie kürzlich bekannt wurde - sind bisher erst fünf Prozent der betroffenen Fahrzeuge tatsächlich bearbeitet worden.

Es gibt da eben auch Interessenkonflikte: Der französische Staat ist zu 20 Prozent an Renault und zu 13,7 Prozent an PSA (Peugeot-Citroen-Opel) beteiligt. Im Fall von Fiat bzw. des FCA-Konzerns (Fiat-Chrysler) hat die US-Regierung kein sonderliches Interesse daran, einem Unternehmen (Chrysler), das sie 2009 mit Milliardenunterstützung vor der Pleite bewahrt hat, zu schaden.

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