Di, 14. August 2018

Krebsbehandlung

28.05.2018 13:52

Es geht ums Überleben

Eine aktuelle Umfrage beschäftigt sich mit der Einstellung der Österreicher zu Wert und Nutzen von modernen Krebstherapien. Der Tenor ist positiv und zuversichtlich, es besteht aber Angst vor der Zwei-Klassen-Medizin und starker Informationsbedarf

Obwohl wir ständig von dem Thema umgeben sind, bleibt Krebs ein privates Tabu: Viele Betroffene wollen über ihre Diagnose nicht sprechen, verheimlichen die Krankheit am Arbeitsplatz oder sogar vor der Familie, haben Angst vor Jobverlust und finanzieller Bedrängnis. Dabei leben etwa 300.000 Menschen in Österreich mit einem Tumorleiden, weil die Behandlungsmöglichkeiten immer besser werden und die Überlebensrate steigt. Sogenannte Immun- und personalisierte Therapien erfordern aber auch spezialisierte Medikamentenentwicklung. Onkologe Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski, Vienna Cancer Center, bei einer Pressekonferenz in Wien: „Die Lehrbücher werden gerade umgeschrieben. Es gibt nicht nur den einen oder den organbezogenen Krebs, Therapiemaßnahmen werden individueller. Der Patient steht im Mittelpunkt all unserer Bemühungen. Es muss aber auch klar sein, dass dies etwas kostet und wir ohne Forschung und Wissenschaft keine Erfolge erzielen können.“ Wissenschaft wird derzeit so gut wie allein aus privater Hand, v.a. von der Pharmaindustrie bestritten, weil es keine öffentliche Finanzierung vom Staat gibt.

Präsentiert wurde nun eine Umfrage des Spectra Marktforschungsinstituts im Auftrag der Pharmig zum Thema Wert und Nutzen moderner Krebsbehandlungen. Befragt wurden Patienten und Angehörige, aber auch Vertreter von Gesundheitsberufen, aus Politik und Administration. Allen gemeinsam war die Einschätzung, dass Aufklärung und Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung besonders wichtig sind. So fühlen sich nur 36 % der Erkrankten und 26 % der Angehörigen sehr gut/gut über Krebstherapien informiert. Etwa jeder Zweite ist der Meinung, dass forschende Ärzte und Universitätskrankenhäuser wichtige Beiträge zur Entwicklung beitragen. Die Priorität für Patienten ist, wenig verwunderlich, der individuelle Nutzen (71 %), dass Krebstherapien für jeden zugänglich sein müssen (71 %) und ausreichendem Ressourcen für die onkologische Forschung zur Verfügung gestellt werden sollen. In der Anwendung sieht die Mehrheit längere Überlebenschance und bessere (verbleibende) Lebensqualität als Hauptwunsch. Krankenhausaufenthalte, Nebenwirkungen und ein geringeres Sicherheitsprofil eines Medikamentes halten die wenigsten für wichtig.

„Was dabei oft übersehen wird, ist, dass dafür auch klinische Studien notwendig sind und es der Zusammenarbeit verschiedener Institutionen bedarf. Sparen am falschen Platz wäre hier eine Katastrophe“, weiß Mona Knotek-Roggenbauer von Europa Donna Austria, Netzwerk Brustkrebs Österreich, aus eigener Erfahrung. Innovative, auf den Patienten zugeschnittene Therapien sind eine Investition in die Gesellschaft, auch wenn das zunächst einmal ein Kostenfaktor ist. Werden die Patienten aber geheilt, können sie zurück in den Beruf und selbstbestimmt leben, rechnen sich die Ausgaben nicht nur im menschlichen, sondern auch im wirtschaftlichen Sinn. Derzeit werden 6,5 Prozent der Gesundheitsausgaben für Krebsbehandlungen ausgegeben, allein die Hälfte davon im Spitalsbereich.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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