Sa, 23. Juni 2018

Shooter im Test

26.03.2018 12:55

„Far Cry 5“: Spaßiger Glaubenskrieg in Hope County

Hope County, Montana – das perfekte Idyll? Der Schein trügt: Eine fanatische Sekte, angeführt von ihrem Propheten Joseph Seed alias „Der Vater“, hat es sich hier, zwischen Missouri River und Rocky Mountains, gemütlich gemacht und einen eigenen Staat im Staat errichtet, dem entgegenzustellen sich bislang noch keiner getraut hat. Diese Aufgabe fällt Gamern als junger Hilfssheriff in Ubisofts „Far Cry 5“ zuteil. Auftakt zu einem Glaubenskrieg der unterhaltsamen Sorte.

Vor vier Jahren durften sich Gamer in „Far Cry 4“ zuletzt als Widerstandskämpfer behaupten. Austragungsort damals: der fiktive asiatische Staat Kyrat. Dass Teil fünf nun ausgerechnet in den USA spielt, schmeckte dort ansässigen Fans der Shooter-Serie bereits im Vorfeld der Veröffentlichung gar nicht. Zu antiamerikanisch, so ihr Vorwurf, sei die Story um den Weltuntergangskult.

Tatsächlich greift „Far Cry 5“ gleich mehrere – allerdings nicht nur in den USA - aktuelle und teils unbequeme Themen auf, vom religiösen Fanatismus bis zum Leugnen staatlicher Autoritäten (Stichwort: „Reichsbürger“). Als politisches Statement wirklich ernstzunehmen ist „Far Cry 5“ trotz manch wahren Kerns aber nicht. Zu hanebüchen, übertrieben und auch konstruiert wirkt mitunter die Handlung.

Von Anfang an offene Spielwelt
Spaß kann man ungeachtet dessen trotzdem reichlich in Hope County haben. Nach den ersten Missionen, die als Tutorial dienen, lädt die bislang größte Spielwelt in der Geschichte der Serie zum Entdecken ein. Etwaige Türme müssen nicht mehr bestiegen mehr, um neue Gebiete offenzulegen, stattdessen kann auf Anhieb jeder Fleck bereist werden. Wie gehabt stehen dafür allerlei Vehikel zur Auswahl, zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

Mit der Öffnung der Spielwelt fällt auch der Zwang zur Linearität. Stattdessen können nach Belieben Haupt- und Nebenquests absolviert werden. Das übergeordnete Ziel bleibt jedoch: Wer dem Sektenoberhaupt gegenübertreten möchte, muss sich zuerst seiner drei Handlanger entledigen, die jeweils mit strenger Hand über eine eigene Region wachen.


Menschliche und tierische Unterstützung
Vor der Konfrontation mit ihnen muss wiederum zuerst der nötige Widerstand organisiert werden: Sektenaußenposten müssen erobert, ihre Infrastruktur und Versorgungskonvois zerstört werden. Daneben gilt es Geiseln zu befreien und andere noch nicht Verblendete für die eigene Sache zu gewinnen. Sie können anschließend – auch das ist neu – angeheuert werden, um uns im Kampf tatkräftig zur Seiten zu stehen. Je größer der Widerstand gegen die Sekte jedoch wird, desto größer wird der Widerstand, mit der diese zurückschlägt.

Darüber hinaus bietet jede der drei Regionen drei Spezialisten sowohl menschlicher als auch tierischer Natur, die sich im Verlauf freispielen lassen und uns mit ihren individuellen Talenten unterstützen. So kann etwa Hund „Boomer“ nicht nur feindliche Wachen ausspähen, sondern auch so manche Waffe apportieren. Wer sich übrigens lieber von einem menschlichen Mitspieler anstelle der KI helfen lassen möchte – kein Problem: „Far Cry 5“ ist komplett zu zweit im Koop spielbar.

Erstmals Charaktereditor
Ob mit oder ohne Hilfe: Am Ende entscheiden vor allem die eigene Ausrüstung und Erfahrung über Erfolg oder Misserfolg einer Mission. In gewohnter Manier stehen dem erstmals per Editor optisch individuell anpassbarem Helden zahlreiche Nah- und Fernkampfwaffen zur Auswahl, die sich ihrerseits gegen virtuelle Münze optimieren lassen – vom Schalldämpfer über größere Magazine bis zum Zielfernrohr. Besonders designte „Prestige“-Items stehen dagegen nur gegen bare Münze, sprich per Mikrotransaktion zur Verfügung.

Gecraftet werden darf erwartungsgemäß auch wieder fleißig: Aus überall im Spiel zu findenden Komponenten lassen sich etwa Sprengsätze und Granaten fertigen, aus diversen Pflanzen und Kräutern dagegen Heilmittelchen, die kurzzeitig positive Effekte auf die eigene Konstitution haben und den Helden etwa schneller sprinten lassen.

Rücksäcke und Taschen müssen dagegen nicht mehr aus den Häuten und Fellen der tierischen Bewohner von Hope County gefertigt werden. Wer mehr Platz für Munition, Erste-Hilfe-Kits & Co. benötigt, kann sich zusätzlichen Stauraum mittels erspielter Belohnungspunkte freischalten. Das Perk-System von „Far Cry 5“ bietet insgesamt 50 verschiedene Fertigkeiten aus fünf Kategorien. Sie steigern unter anderem die Waffeneffizienz, verbessern die Stealth-Fähigkeiten und Führungsqualitäten (wichtig für den Umgang mit Spezialisten) oder schalten Extras wie den Greifhaken oder den Wing-Suit frei.

Angeln zur Entspannung
Der Jagd auf virtuelle Tiere wird dennoch auch in „Far Cry 5“ ein nicht unbedeutender Teil des Spiels eingeräumt, sind Felle von Bär, Puma, Elch und Co. doch ein wichtiges Handelsgut, mit dem sich schnell Gewinn machen lässt. An Flüssen und Seen darf zudem gefischt werden. Ubisoft implementiert zu diesem Zweck ein eigenes Angel-Mini-Game. Abwechslung vom gewalttätigen Treiben bieten außerdem die sogenannten Prepper-Quests, bei denen in Bunkern und anderen unzugänglichen Verstecken nach wichtigen Vorräten gesucht werden darf. Um an diese zu gelangen, müssen oftmals kleinere Puzzles gelöst werden.

Maps-Editor für zusätzlichen Spaß
Wem das noch immer nicht genügt, der kann sich im sogenannten Far Cry Arcade Editor seine eigenen Solo- bzw. Koop- sowie Multiplayer-Maps erstellen, diese teilen und natürlich auch spielen. Während alleine bzw. im Koop etwa feindliche Außenposten erobert, alle oder bestimmte Feinde auf der Karte eliminiert werden müssen, dürfen sich Multiplayer-Fans online in (Team-)Deathmatches mit bis zu zwölf Spielern messen. Über 9000 Objekte aus bekannten Ubisoft-Titeln wie „Assassin’s Creed: Black Flag“, „Watch_Dogs“ oder „Far Cry Primal“ im Editor sorgen dafür, dass die Maps nicht zu eintönig werden.

Fazit
Eines muss man Ubisoft lassen: Dem Publisher gelingt es immer wieder, bereits Bekanntes neu zu verpacken. So auch in „Far Cry 5“, dass sich abgesehen von seiner Story und ihren Protagonisten nur noch marginal etwa von „Ghost Recon: Wildlands“ unterscheidet. Unterhaltsam ist der Ausflug nach Hope County dennoch, präsentiert sich die Spielwelt doch einmal mehr als gigantischer und grandios aussehender Spielplatz, auf dem man sich nach Herzenslust austoben kann, und das dank offener Quest-Struktur wie es gerade beliebt. Charakter-Editor, Spezialisten, Prepper-Quests und das neue Perk-System können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich auch in den Weiten Montanas mit der Zeit bestimmte Aufgaben ähneln und wiederholen. Bis dahin vergehen allerdings zahlreiche und unterhaltsame Spielstunden.

Plattform: PS4 (getestet), Xbox One, PC
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 8/10

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle

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