Mo, 25. Juni 2018

Doppel-Olympiasieger

18.02.2018 13:04

Mental am Limit! Hirscher zählt schon die Tage

Nach der Übersiedlung vom Skigebiet in Jeongseon in jenes in Yongpyong hat sich Marcel Hirscher kurz wie um Jahre zurückversetzt gefühlt. Trotz ungewohnten Gedränges auf der Trainingspiste gelang es dem Salzburger aber mit Unterstützung seines Teams, ein perfektes Material-Set-up für den Riesentorlauf auszutesten, sodass sich der 28-Jährige nun Doppel-Olympiasieger nennen darf.

"Wenn ich nicht so viel Erfahrung hätte, hätte ich durchgedreht in den letzten drei Tagen", brachte es Hirscher auf den Punkt. "Es ist so arg, das bist du nicht gewöhnt. Es sind 25 Leute auf dem Kurs, die Strecke ist super, aber das hilft dir nichts, wenn es nicht so hergerichtet ist wie die Rennstrecke." Die Piste sei alsbald einmal ramponiert gewesen, nach sechs Durchgängen war man da bei Startnummer 150 angelangt. "Wie will man da Skitesten anfangen? Das war eine Challenge. Es ist für alle gleich, aber das geht so weit weg von meinem normalen Programm. Aber Gott sei Dank bin ich seit ein paar Jahren dabei."

Hirscher ist es gewöhnt, die Test- und Trainingspisten für sich allein zu haben. Keine Spuren anderer im Schnee, nur seine eigenen, keine gefährlichen Schläge und damit ein verringertes Risiko. Beim freien Fahren auf der Rennstrecke am Samstag sei aber alles gut gelaufen und das perfekte Set-up für die speziellen Schneebedingungen gefunden worden. "Ich habe gespürt, der Rennski pfeift, das funktioniert, das passt", sagte Hirscher.

Nach dem ersten Durchgang sei er mega-erleichtert gewesen. Aufkeimende Gedanken blockte er in der Pause ab. "Ich dachte mir, ich kann nicht mehr als Skifahren. Meine Leute reißen sich den Arsch auf, dass ich das beste Zeugs, die besten Infos habe. Mehr können wir alle nicht tun, wir können nicht zaubern."

Klingt aber schon etwas danach, wenn wie schon vor der Kombifahrt eine Last-Minute-Material-Aktion in die richtige Richtung losgeht? "Unter Druck funktionieren wir alle am besten, so schaut es aus", antwortete Hirscher. "Ich habe ein großartiges Team um mich, großartige Techniker, Serviceleute, Trainer. Wir sind am Höhepunkt. Je älter wir werden, desto besser sind wir. Es wird ein Wendepunkt kommen, sicher, aber die Erfahrung hilft mir sehr viel in dieser Saison."

Hirscher weiß schon jetzt, dass vor dem Slalom am Donnerstag die Erwartungshaltung an ihn wieder enorm sein und in der Heimat alles nach der dritten Goldmedaille rufen wird. In der Alpingeschichte der Herren bei Olympia haben bisher nur Toni Sailer (1956) und Jean-Claude Killy (1968) jeweils drei Goldmedaillen geschafft. "Ich bin dankbar, dass ich zwei Goldene habe", sagte Hirscher. "Es ist mir bewusst, dass ich eine höher Ebene erreicht habe. Und in der Erfolgsleiter nach oben geklettert bin. Es ist eine Genugtuung für mich, das hilft und nimmt den Druck ordentlich raus."

Er fühle aber auch, dass er langsam müde werde. "Ich bin schon lange hier, es ist kalt. Ich zähle schon die Tage. Und sorry, Freunde Asiens, aber ich kann keinen Reis mehr sehen. Zweieinhalb Wochen mit Reis ist für einen Europäer viel." Was die Belastung betrifft, merke er es körperlich und mental. "Man bekommt den Kopf nicht mehr frei. Es rattert permanent durch."

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