Mo, 20. August 2018

Einstündige Audienz

05.02.2018 12:47

Erdogan zu Gast beim Papst

Papst Franziskus hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Montag zu einem Gespräch im Vatikan empfangen. Es war der erste Vatikan-Besuch eines türkischen Präsidenten seit 59 Jahren. Die Audienz in Rom dauerte eine volle Stunde, was als ungewöhnlich lange gilt. Der Papst brachte auch die Militäroffensive der Türkei gegen die Kurden im syrischen Afrin zur Sprache und schenkte seinem Gesprächspartner eine Medialle mit einem Friedensengel, "um den Dämon des Krieges zu besiegen". Erdogan wiederum dankte Franziskus dafür, dass dieser die Entscheidung der USA zur Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt kritisiert hatte. 

Der Besuch - Erdogan reiste in einem Konvoi bestehend aus 30 Autos sowie einer großen türkischen Motorradeskorte an - fand unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt: Die italienischen Behörden verhängten ein 24-stündiges Demonstrationsverbot bis Montagabend. Sie stellten rund 3500 Polizisten zur Sicherung des Besuchs ab. Bei Erdogans Eintreffen stand der Petersplatz unter starkem Polizeischutz.

Festnahmen bei Kurdendemonstrationen in Rom
Kurdenverbände in Italien hatten zuvor Erdogans Besuch scharf kritisiert. Die türkische Offensive sei "ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit", hieß es in einer Erklärung. Auch Erdogans Visite selbst wurde von Protesten und Kurdendemonstrationen unweit der Engelsburg überschattet. Bei Zusammenstößen mit der Polizei gab es Verletzte und zwei Festnahmen.

Erdogan gilt als frommer Muslim
Papst Franziskus ist ein ausdrücklicher Befürworter des interreligiösen Dialogs. 2014 hatte er die Türkei besucht und dort auch Präsident Erdogan, der sich als frommer Muslim gibt, getroffen. Der Papst hatte damals vor antimuslimischen Vorurteilen und einem Terror-Generalverdacht gegen den Islam gewarnt.

Im Juni 2016 handelte sich Franziskus scharfe Kritik aus der Türkei ein, als er bei einem Besuch in Armenien die Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg als Völkermord bezeichnete. Aus Sicht der Türkei, des Nachfolgestaats des Osmanischen Reichs, handelte es sich bei den Ereignissen in den Jahren 1915 bis 1917 um einen Bürgerkrieg zwischen Türken und Armeniern, in dem beide Seiten zahlreiche Opfer zu beklagen hatten.

Erdogan traf auch italienische Staatsspitze
Nach dem Treffen mit dem Papst traf Erdogan seinen italienischen Kollegen Sergio Mattarella sowie Ministerpräsident Paolo Gentiloni. Themen waren dabei die Flüchtlingspolitik sowie das Verhältnis der Türkei zur EU. Der Chef der rechtspopulistischen Partei Lega Nord, Matteo Salvini, kritisierte Mattarella und Gentiloni. "Ich schäme mich, dass Italien den Vertreter eines extremistischen und gewalttätigen Regimes empfängt, eines de facto islamischen Landes, wo die Religion den Staat beherrscht." 

Erdogans Besuch wurde auch von der mit der Lega verbündeten rechtsextremen Partei "Brüder Italiens" kritisiert. "Wir sind gegen den EU-Beitritt der Türkei und gegen die Islamisierung Europas."

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