Mo, 20. August 2018

Crystal River

24.01.2018 09:30

Florida - Im Reich der Meerjungfrauen

Florida einmal anders: Statt Disneys kleiner Meerjungfrau Arielle echte Meerjungfrauen namens Manatis. Die sind mit rund einer halben Tonne zwar keine Leichtgewichte, dafür kann man gemütlich mit ihnen schwimmen.

Crystal River, fast schon am Golf von Mexico, ist die Welthauptstadt der Manatis. Die Seekühe verdanken ihren Namen „Meerjungfrauen“ den Seeleuten, die zu Christoph Columbus’ Zeiten die Meere entdeckten. Sie glaubten beim Anblick der rundlichen, sanften Giganten, Meerjungfrauen gesehen zu haben.Heute sind die wenigen überlebenden Exemplare streng geschützt. Bevor wir mit dem Boot auf Entdeckungstour dürfen, gibt es genaue Einweisungen von Kapitän Miles. Ohne Ganzkörperanzug geht gar nichts, Berühren der Tiere ist verboten, und schwimmen soll man wie ein Manati mit seinen Vorderflossen: Langsam und ohne hektische Bewegungen.

In der Kings Bay treibt sich dann gut ein Dutzend Schnorchler herum. Plötzlich ist ein heller Schatten zu sehen. Der Manati grast friedlich am Grund, lässt sich langsam in die Höhe treiben. Glubschäugig und knubbelig taucht er mitten zwischen den Schnorchlern auf, holt tief Luft und verschwindet wieder.

Dann kommt eine Manati-Mama mit ihrem Baby vorbei, das auch schon an die hundert Kilo wiegen dürfte. Tauchermasken und Schnorchel verhindern begeistertes Quietschen bei den Menschen. Dafür ist ein leises Fiepen zu hören: Mutter und Kind unterhalten sich offenbar angeregt.Sie sind schon sehr seltsame Tiere, diese Manatis. „Graue Riesen des Meeres“, erklärt Käpt’n Miles. „Sie haben dieselben Vorfahren wie die Elefanten. An einer bestimmten Entwicklungsstufe sind die Elefanten an Land gegangen und die Manatis zurück ins Wasser.“

Manatis leben zwar im Meer, brauchen zum Trinken aber Süßwasser und schätzen in der kühleren Jahreszeit warme Quellen. Die gibt es rund um Crystal River genug. Die märchenhaften „Three Sisters“ etwa, mit ihrem türkisfarbenen, kristallklaren Wasser, wo sich zwischen November und April Dutzende Manatis tummeln.

Tummeln ist ja vielleicht ein wenig zu viel gesagt. Vom Temperament her eher sehr bedächtig, verbringen sie ihre Tage mit Fressen und Ruhen. Selbst gerangelt wird im Zeitlupentempo, als ein paar Tiere im Homosassa Spring Wildlife Park auf ihr nachmittägliches Salatbuffet warten.

Ist das Wasser klar, lassen sich die Meerjungfrauen gut vom Kanu aus beobachten. Allerdings sind die friedfertigen Manatis nicht die einzigen Tiere rund um Crystal River. Beim Paddeln am Chassahowitzka River schreckt uns plötzlich ein lautes Platschen auf: Ein ziemlich großer Alligator ergriff die Flucht.

Denn Florida ist ein Land der wilden Tiere, auch wenn man dies angesichts der kommerziellen Freizeitparks leicht vergisst. Im „Gatorland“ in Kissimmee können die Alligatoren aus nächster Nähe besichtigt werden. Tierpfleger Brandon nimmt uns mit, und plötzlich sehen wir uns Aug in Aug mit dem „Dog Eater“ Chester wieder. „Chester ist die Stimme von Smaug, dem Drachen aus ,Herr der Ringe‘“, erzählt Brandon und ärgert den großen Alligator, bis der sein dumpfes, grollendes Pfauchen ertönen lässt.

Mutige können auch an einer Zip Line über die Krokodile hinweg sausen. Zip Lines sind in Florida die Outdoor-Attraktionen. Die anspruchsvollste führt in Ocala in Zentralflorida über neun Sektionen und zwei Seilbrücken.

Unter Pferdefreunden genießt Ocala einen ganz besonderen Ruf: Es gilt als die Welthauptstadt – darunter machen es die Amerikaner nicht – der Pferdezucht. Mehrere hundert Gestüte liegen in der Umgebung, die man mit der Kutsche entdecken kann.

Am Atlantik liegt das kleine Städtchen New Smyrna Beach. Die Wellen brechen weißschäumend – ein Paradies für Surfer. New Smyrna gehört noch zur Region Daytona Beach: Hier darf man mit den Autos an den Strand fahren. Im nahen Naturschutzgebiet Canaveral National Seashore gelten andere Regeln: Hier sieht man fast nur Radfahrer. Hauptattraktion ist aber die Flagler Ave, Shopping- und Ausgehmeile in einem, mit kleinen, charmanten Häusern und sogar dem einen oder anderen Café im Freien – schließlich wollen auch klimaanlagengestählte Beachgirls und -boys sehen und gesehen werden.

Waltraud Dengel, Kronen Zeitung

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