Di, 21. November 2017

Versteckte Wanzen

08.05.2017 10:12

Lauschangriff auf Smartphones per Ultraschall

Es klingt nach "James Bond" und ist doch real: Wissenschaftler der TU Braunschweig haben über 230 Apps identifiziert, die ihre Nutzer per Ultraschall ausspioniert haben. Unter Umgehung der Sicherheitseinstellungen seien die Anwendungen so etwa an die Standortdaten gelangt, berichtet Prof. Dr. Konrad Rieck, Leiters des Instituts für Systemsicherheit.

Rieck und sein Team hatten demnach über 230 Android-Apps für den südasiatischen Markt entdeckt, die heimlich nach Ultraschall-Signalen lauschten. Die Technologie dahinter sei in Fachkreisen bereits seit Längerem bekannt: "Kleine Datensequenzen im Ultraschallbereich zwischen 18 und 20 Kilohertz werden von einer App über das Mikrofon des Smartphones empfangen. Die App sendet dann über das Internet Daten zurück. Auf diese Weise kann man beispielsweise den Standort bestimmen."

Genutzt worden sei die Technologie bislang etwa von Shopping-Apps, die dann standortbezogene Rabattangebote auf das Handy schickten. Versteckt in Fernsehwerbung oder Videos könnten aber auch Daten über Nutzergewohnheiten und Vorlieben abgefischt werden, erläutert der Wissenschaftler. Ob und wo diese Signale ausgestrahlt wurden, lasse sich nur schwer ermitteln: "In unserer Studie konnten wir keine verdächtigen Ultraschall-Signale in Fernsehsendungen aus sieben Ländern, darunter auch Deutschland, finden. Das Unternehmen hinter der Technologie, SilverPush, hat sich inzwischen zurückgezogen, sodass vermutlich keine Gefahr von den entdeckten Anwendungen mehr ausgeht."

Nutzer sollten dennoch vorsichtig sein und bei Smartphone-Anwendungen immer prüfen, welche Rechte sie diesen einräumen. "Die Aufnahme von Ultraschall-Signalen ist nur möglich, wenn die Anwendung Zugriff auf das Mikrofon bekommt. Hier sollte man als Nutzer kritisch hinterfragen, ob die angeforderten Rechte mit dem eigentlichen Zweck einer Anwendung übereinstimmen", so Rieck. Im Zweifelsfall sollte eine Anwendung besser nicht installiert und nach einer Alternative gesucht werden, denn "vermutlich schlummert noch eine ganze Reihe von Datenschutzproblemen in unseren Smartphones", ist Rieck überzeugt.

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Redaktion
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