Sa, 24. Februar 2018

Marokko-Wand

24.09.2008 17:12

Glanzputz mit Suchtfaktor!

Marokko ist aufgrund seines besonderen Flairs und Lebensstils zurzeit eine der Top-Destinationen für Künstler, Promis und Geldadel. Doch auch in unseren bescheidenen heimischen Wänden kann marokkanischer Glanz Einzug halten. „Tadelakt“ ist ein antiker Kalkputz aus dem marokkanischen Raum, der in Kombination mit speziellen Verarbeitungstechniken für außergewöhnliche Ergebnisse sorgt.

Natur ist angesagt – je natürlicher, je unverfälschter, je reiner, umso besser. Das gilt nicht nur für Möbel und Co, sondern auch bei der Gestaltung unserer Wände. Mit gutem Grund, denn die „alten" Materialien unserer Vorfahren konnten eine ganze Menge und schön anzusehen waren sie auch.

Bei unseren deutschen Nachbarn ist daher die Wandgestaltung mit Lehmedel- und Kalkputzen schon längst Standard geworden und nun schwappt dieser „Edel-Öko-Trend“ auch auf uns über. Forciert werden diese Materialien überdies kräftig von Umweltberatungsstellen, da sowohl Lehm als auch Kalk ganz besondere Eigenschaften in Bezug auf das Raumklima haben. So sind sie z.B. feuchtigkeitsregulierend, beugen Schimmelpilzen vor, absorbieren schlechte Gerüche und wirken besonders luftreinigend.

Welche faszinierend schönen Gestaltungsmöglichkeiten sie darüber hinaus bieten – durchaus auch dem etwas geschickteren Heimwerker! –, beweist „Tadelakt“.

Was ist „Tadelakt“?
Tadelakt (gesprochen: Tade-lakt) stammt aus dem antiken Raum des heutigen Marokkos. Entwickelt wurde Tadelakt nach mündlicher Überlieferung von den Berbern bereits vor mehreren tausend Jahren zur Abdichtung von Zisternen. Später wurde er für die islamischen Dampfbäder, die Hamams, zum hochwertigen und besonders robusten Glanzputz weiterentwickelt und anschließend auch für Paläste verwendet.

Unter dem Begriff „Tadelakt“, der auf den marokkanischen bzw. berberischen Ausdruck für „kneten, drücken“ zurückgeht, werden gleich mehrere Bereiche zusammengefasst. Zum einen ist damit das Material selbst gemeint. Ursprünglich handelt es sich dabei um einen natürlichen, hochhydraulischen Muschelkalk aus der Region um Marrakesch. Zum anderen gibt es neben dem Material selbst aber auch eine ganz eigene Verarbeitungstechnik. Dabei wird ein spezieller Kalk mit der Kelle als Putz aufgetragen, etwa mit Holzbrettchen dann geglättet, mit Steinen (empfohlen wird der Achat) verdichtet, poliert und so auf Glanz gebracht. 

Schimmernde Wände
Von Profi-Anwendern wird „Tadelakt“ als etwas „Unmittelbares, etwas Ursprüngliches“ beschrieben. Durch die besondere Art der Verarbeitung entsteht eine faszinierende, leicht wellige und natürlich glänzende Oberfläche. Die Farbwirkung entsteht durch Beimengung von natürlichen, kalkechten Pigmenten und ist nicht gleichmäßig wie bei bereits eingefärbten Putzen. Sie ist abhängig von der Verarbeitung: Da, wo das Material stärker verdichtet wird, entsteht ein dunklerer, tiefer Farbton. Das Besondere an dieser Wandgestaltung: Bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen wirkt die Farbe einer Tadelakt-Oberfläche jedes Mal ganz anders.

Eine Frage der Technik…
Mittlerweile findet man „Tadelakt“-Produkte auch im guten Fachhandel. Naturgemäß ist daher um Qualität und Verarbeitungstechnik eine Diskussion entstanden. Einen direkt aus Marrakesch stammenden Kalkputz gibt es nur selten bis gar nicht. Die meisten Produkte mit diesem Namen orientieren sich nach den ganz speziellen Eigenschaften/Zusammensetzung der Ursprungssubstanz.

Bezüglich der Verarbeitung selbst empfehlen viele Anwender, die Oberfläche abschließend noch mehrmals mit schwarzer Olivenöl-Seife (Mischung!) zu behandeln, um die Oberfläche wasserundurchlässig zu machen, wie es auch in Marokko gemacht wird.

Auch für Fußböden, Badewannen und Tische
Mit Tadelakt kann aber nicht nur „1001-Nacht-Glanz“ auf unsere Wände gezaubert werden, sondern auch Fußböden, Badewannen, Waschbecken und Tische veredelt werden. Das Grundprinzip der Technik bleibt hier gleich, besonders wichtig ist das sorgfältige Polieren mit einem Achat- oder Keramikstein.

So richtig bekannt gemacht hat das deutsche Unternehmen „Kreidezeit“ diese alte Technik im deutschsprachigen Raum. Dabei brachte „Kreidezeit“ auch die altüberlieferten und bewährten Tricks, Tipps und Kunstkniffe der Technik aus Marokko mit und veranstaltet mit großem Erfolg Seminare für alle, die die praktische Anwendung dieser Technik lernen wollen. Für Interessierte gibt es jetzt auch das Buch „Tadelakt“ von Gert Ziesemann & Martin Krampfer mit Gestaltungsbeispielen - am besten gleich online bestellen (siehe Infobox)!

Fazit: Klingt kompliziert – und ist es auch! Laut Tadelakt-Profi  „Kreidezeit“ kann es zwar jeder Begeisterte einmal ausprobieren, richtig tolle Ergebnisse verlangen aber eine etwas ausführlichere Befassung mit Material und Methode. Heimwerker mit Vorliebe für „außergewöhnliche Wandgestaltung“ werden den zusätzlichen Aufwand aber gerne auf sich nehmen, um mehr über Technik und Anwendungsmöglichkeiten in Erfahrung zu bringen. Denn – so Tadelakt-Kenner – die Arbeit selbst und die Ergebnisse sollen geradezu süchtig nach „mehr“ machen.  

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