27.07.2003 17:54 |

Tour de France

Das große Radeln ist entschieden

Da darf's sogar ein Glaserl Sekt auf dem Radl sein: Kance Armstrong hat die Tour de France gewonnen. Das Duell zwischen ihm und Jan Ullrich hat die Jubiläums-Tour zu einer Hitchcock-Rundfahrt gemacht, die die Sportwelt 23 Tage lang in Atem hielt. Bei seinem fünften Erfolg hintereinander musste der 31-jährige Amerikaner so viel Widerstand brechen wie noch nie seit Beginn seiner Siegesserie 1999.
Herausforderer Ullrich, trotz ungünstigerVoraussetzungen so stark wie seit seinem Erfolgsjahr 1997 nichtmehr, wurde bei seiner sechsten Teilnahme zum fünften MalZweiter. Nach 3427,5 km trennten den Olympiasieger am Sonntagzum Ende der 100. Großen Schleife nur 1:16 Minuten von Armstrong,der als fünfter Fahrer in die Reihe der Fünffach-Gewinnerder Tour de France aufstieg.
 
Die drei Österreicher, die noch im Rennenwaren, rollten im Feld über die Linie. Georg Totschnig erreichtemit einem Rückstand von 21:47 Minuten den zwölften Platzund erzielte damit sein bestes Tour-Resultat. Auf Rang 13 folgt Peter Luttenberger (22:31), der mit seinem dänischen CSC-Rennstallals Sieger der Teamwertung geehrt wurde. Gerrit Glomser belegteRang 64, Rene Haselbacher hatte aufgegeben, weil er sich bei einemSturz verletzt hatte.
 
Zur größten Überraschung neben Ullrich,der Armstrong für 2004 mit den Worten "jetzt erst recht"Revanche ankündigte, wurde sein ehemaliger Team-Kollege AlexanderWinokurow. Der Olympia-Zweite aus Kasachstan wurde hinter denbeiden Tour-Giganten am Sonntag auf den Pariser Champs ElyseesDritter mit 4:29 Minuten Rückstand. Der Amerikaner TylerHamilton fuhr mit einem Haarriss im Schlüsselbein, den ersich beim Massensturz auf der ersten Etappe zugezogen hatte, aufRang vier.
 
Fast so spannend wie der Kampf um das Gelbe Trikotwar das Gerangel um das Grüne Trikot des besten Sprinters.Der Australier Baden Cooke, der am Sonntag nach 152 km beim Tour-Finaleauf den Champs Elysees den zweiten Platz hinter Tagessieger Jean-PatrickNazon aus Frankreich belegte, holte sich erstmals den Sieg inder Punktwertung vor seinem Landsmann Robbie McEwen. Zum erstenMal seit 1995 ging der deutsche Meister Erik Zabel (Unna) beider Tour völlig leer aus. Ein Etappensieg blieb ihm versagt,in der Punktwertung blieb dem gebürtigen Berliner, der inLyon schwer stürzte, nur Rang drei. Auf der letzten Etappevon Ville d'Avray am Stadtrand von Paris auf den von hunderttausendenMenschen gesäumten Prachtboulevard spurtete der zwölffacheEtappensieger der Tour auf den siebten Platz.
 
Sein ehemaliger Team-Kollege Ullrich gewann eineEtappe, doch am Samstag beim entscheidenden Zeitfahren über49 Kilometer von Pornic nach Nantes war der Wahl-Schweizer vomPech verfolgt. 13 km vor dem Ziel der vom Schotten David Millargewonnenen Etappe stürzte Ullrich bei wolkenbruchartigemRegen und musste seinen Traum endgültig begraben, doch nocheinmal ins Gelbe Trikot zu fahren.
 
Sein Zeitfahrsieg in Cap Découverte in Indurain-Manierhatte den Thron Armstrongs erheblich ins Wanken gebracht. Aberder alte und neue Tour-Patron, der mit Jacques Anquetil, EddyMerckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain gleichzog, fiel nicht.Ein Sturz auf der zweiten Pyrenäen-Etappe war für ihnnach einer Schrecksekunde das entscheidende Signal zur Wende.Er stand auf und startete auf dem Weg nach Luz Ardiden eine Attacke,die Ullrich nicht kontern konnte und die die Basis für seinenfünften Sieg in Folge schaffte.
 
Dabei profitierte Armstrong auch von der FairnessUllrichs, der nach dem Unfall in seinem Elan kurz eingehaltenhatte, um den Texaner wieder an die Spitzengruppe herankommenzu lassen. Genauso hatte sich Armstrong vor zwei Jahren beim SturzUllrichs verhalten - mit dem Unterschied, dass sein Vorsprungdamals schon sehr komfortabel war und ihm die Geste entsprechendleichter fiel. Auch für das kommende Jahr prophezeite ArmstrongUllrich, der am Sonntag seine Lebenspartnerin Gaby und seine vierTage vor Tour-Beginn geborene Tochter Sarah Maria in die Armeschließen konnte, die Verfolgerrolle: "Ich komme zurück- nicht, um Zweiter zu werden."
 
Die 90. Tour war in jeder Beziehung eine Rundfahrtder Superlative. Armstrong, der im kommenden Jahr erster sechsfacherSieger werden könnte, fuhr ein Stundenmittel wie bisher keinerin der 100-jährigen Tour-Geschichte. An den Straßenin Frankreich sollen nach Zeitungsangaben in 23 Tour-Tagen zusammenrund 20 Millionen Menschen gestanden haben. Am Fernseher verfolgtenin Deutschland in der Spitze bis zu neun Millionen Zuschauer dieTour de France, und damit mehr als in den Vorjahren.
 
Passend zu den Feierlichkeiten gab es - bis Samstag- trotz weiter gesteigerter Kontrollen keine Doping-Unruhe. AmSonntag mussten die Tour-Veranstalter allerdings einen möglichenEPO-Fall bestätigen, ohne Team oder Nationalität desErtappten zu nennen.
Donnerstag, 06. Mai 2021
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