Trotz der jüngsten Niederschläge sinkt der Wasserstand des Attersees immer weiter. Jetzt könnte die Situation auch für die Industrie kritisch werden. Die Lenzing AG sieht sich zwar gerüstet, Landesrat Stefan Kaineder (Grüne) warnt aber vor Produktionsausfällen und Gefahren für die Umwelt.
Das bisschen Regen konnte die Situation nicht entschärfen: Seit Monaten sinkt der Pegel des Attersees kontinuierlich. Am Freitag waren es bei der Messstelle Kammer nur noch 79 Zentimeter. Zum Vergleich: Auf den Tag genau vor einem Jahr betrug der Wasserstand an derselben Stelle noch 140 Zentimeter. Der Pegel liegt damit um 61 Zentimeter niedriger als im Vorjahr.
Ab 59 Zentimetern wird es kritisch
Experten des Landes haben jetzt errechnet, wann es wirklich kritisch wird. Konkret ist das ab einem Pegel von 59 Zentimetern. Bis zu dieser Marke sieht der Eingriff der Landesregierung in die Wehrbetriebsordnung eine Wasserabgabe von 4,5 Kubikmetern pro Sekunde vor. Sinkt der Wasserstand weiter, wird die Abflussmenge auf 2,2 Kubikmeter pro Sekunde gedrosselt.
Und dann könnte es ernst werden, wie der zuständige Landesrat Stefan Kaineder (Grüne) warnt: „Im schlimmsten Fall drohen nicht nur schwere ökologische Schäden bis hin zum Fischsterben. Wenn die Wasserversorgung für die Kühlung eines Industriebetriebs nicht mehr ausreichend gewährleistet werden kann, stehen auch Produktionsausfälle und Arbeitsplätze auf dem Spiel.“
Wir befinden uns in einer Situation, in der wir zwischen dem Schutz des Attersees und der Ager abwägen müssen.

Landesrat Stefan Kaineder, Grüne
Bild: FOTOKERSCHI / WERNER KERSCHBAUMM
Lenzing AG sieht sich gerüstet
Konkret meint Kaineder die Lenzing AG, deren Werk auf das Wasser der Ager angewiesen ist. Der Konzern spricht auf „Krone“-Anfrage von einer anspruchsvollen, „aber durch Anpassungen gut handhabbaren Situation“.
Das Werk nutzt das Wasser der Ager als Kühl- und Prozesswasser. Nachdem dieses in biologischen Abwasserreinigungsanlagen behandelt wird, fließen laut Unternehmen 97 Prozent wieder zurück in den Fluss.
Für eine weitere Verschärfung der Situation sieht sich der Konzern jedenfalls gerüstet: „Die Lenzing AG verfügt über verschiedene Maßnahmen, um auf eine eingeschränkte Wasserverfügbarkeit reagieren zu können. Dazu zählen etwa betriebliche Anpassungen oder auch das Vorziehen von geplanten Wartungsmaßnahmen.“
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