Baggerarbeiten auf einer Gletscherzunge – in Zeiten des Klimawandels ein irritierendes Vorgehen, das vor allem auf Social-Media-Plattformen für einen Sturm der Entrüstung sorgt. Während die Pitztaler Gletscherbahnen von notwendige Instandhaltungsmaßnahmen sprechen, fordert die Umweltorganisation WWF einmal mehr einen strengeren Schutz.
„Die Gletscher schmelzen, die Baustellen wachsen. Tirol muss diesen Teufelskreis durchbrechen und seine letzten Gletscherlandschaften besser schützen“, betont Maximilian Frey vom WWF Tirol.
Strengeren Gletscherschutz gefordert
Angesichts der aufsehenerregenden Baggerarbeiten am Pitztaler Gletscher fordert der WWF eine „deutliche Einschränkung der Ausnahmen vom Gletscherschutz“ sowie „ein Ende neuer Skigebietserschließungen in unberührten Gletscherlandschaften.“ Dass die aktuellen Arbeiten laut Land Tirol ohne gesonderte naturschutzrechtliche Bewilligung zulässig sind, zeige aus Sicht des WWF „grundlegende Schwächen“ beim Gletscherschutz.
Tirol braucht klare Ausbaugrenzen und eine Tourismusstrategie, die den Schutz der Natur in den Mittelpunkt stellt.

Maximilian Frey vom WWF Tirol
Bild: WWF Österreich
Die Umweltorganisation warnt vor einer „Spirale aus Gletscherschwund, technischen Anpassungen und zusätzlichen Eingriffen in die Natur.“ Damit würden immer größere Teile des Hochgebirges für die Aufrechterhaltung des Skibetriebs beansprucht, heißt es. „Tirol braucht klare Ausbaugrenzen und eine Tourismusstrategie, die den Schutz der Natur in den Mittelpunkt stellt.“
„Notwendige Instandhaltungsmaßnahmen“
Ein Bagger auf dem Eis, Arbeiten im hochalpinen Gelände: Bilder einer Webcam am Pitztaler Gletscher haben insbesondere in sozialen Medien viele teils heftige Reaktionen ausgelöst. Wie der ORF Tirol berichtet, sei die Baumaschine seit Montag an der Zunge des Mittelbergferners zu sehen.
Die Pitztaler Gletscherbahnen erklärten gegenüber dem ORF, dass es sich um notwendige Instandhaltungsmaßnahmen handeln würde. Konkret gehe es darum, einen Notweg innerhalb des Skigebiets zu sichern. Aufgrund des fortschreitenden Gletscherrückgangs sei die Maßnahme notwendig, um den Betrieb aufrechterhalten zu können.
Keine gesonderte Bewilligung nötig
Auch das Land Tirol bestätigte laut ORF, dass die Arbeiten dazu dienen, die Verbindung der Wegtrasse zwischen dem Gletschereis und dem bereits eisfreien Gelände wiederherzustellen. Eine gesonderte naturschutzrechtliche Bewilligung sei für diesen Eingriff nicht erforderlich.
Die Bilder sorgten aber nicht nur in den sozialen Medien für Diskussionen. Auch etwa der Alpenverein beschäftige sich inzwischen mit dem Fall. Zudem seien mittlerweile Beschwerden bei der Landesumweltanwaltschaft und der Bezirkshauptmannschaft Imst eingebracht worden.
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