Für „mehr Stabilität“

Aus der Schaltsekunde für Uhren beschlossen

Ausland
16.10.2026 09:31
Porträt von krone.at
Von krone.at

Seit Jahrzehnten gleicht die Schaltsekunde Unterschiede zwischen Atomuhren und Erdrotation aus. Jetzt soll sie abgeschafft werden. Die Entscheidung könnte weitreichende Folgen für die Zeitmessung haben.

Die Schaltsekunde wird abgeschafft. Die Generalkonferenz für Maß und Gewicht (CGPM) hat in Versailles bei Paris entschieden, dass ab dem 20. Mai 2027 eine fortlaufende Koordinierte Weltzeit (UTC) gelten soll. Bisher wurde immer wieder mal eine Schaltsekunde eingefügt, um unsere Uhren mit der astronomischen Zeit in Einklang zu halten. Mit der Entscheidung will die CGPM für mehr Stabilität sorgen. Bei der Zeitmessung gibt es zwei verschiedene Grundlagen.

Zeit durch Erdrotation bestimmt
Die UTC basiert auf der Messung von Atomuhren. Die astronomische Zeit (UT1, Universalzeit) wird durch die Erdrotation bestimmt. Die Atomuhren liefern eine konstante Zeit. Die Rotationsgeschwindigkeit der Erde hingegen schwankt geringfügig, von Tag zu Tag, von Jahreszeit zu Jahreszeit und von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Das wiederum bedeutet, dass die beiden Zeitskalen leicht voneinander abweichen.

Künftig soll die Koordinierte Weltzeit nach Entscheidung der Generalkonferenz bis zu 3600 ...
Künftig soll die Koordinierte Weltzeit nach Entscheidung der Generalkonferenz bis zu 3600 Sekunden – also eine ganze Stunde – von der astronomischen Zeit abweichen dürfen. Die Fachleute hoffen, dass die Zeiterfassung so für mehrere Jahrhunderte nicht angepasst werden muss.(Bild: APA/dpa/Federico Gambarini)
  • Um die Zeiten möglichst gleich zu halten, galt bisher, dass UTC und UT1 maximal 0,9 Sekunden voneinander abweichen dürfen.
  • War die Differenz erreicht, wurde eine Schaltsekunde eingefügt. Das ist seit der Einführung des Verfahrens 1972 genau 27-mal geschehen, entschieden vom Internationalen Erdrotations- und Referenzsystemdienst (IERS).
  • Zuletzt wurde Ende 2016 eine Schaltsekunde eingefügt.
  • Die zusätzliche Sekunde wurde in der Vergangenheit entweder am Ende des 30. Juni oder des 31. Dezember eingeschoben. Diese eine Minute hatte dann 61 statt der üblichen 60 Sekunden.

Gefahr der Minus-Schaltsekunde trieb Entscheidung
Schon in der Vergangenheit war über ein Aus der Schaltsekunde diskutiert worden. Dass die CGPM sich nun schon früher als einst angedacht für diesen Schritt entschied, liegt daran, wie die Erdrotation sich zuletzt verändert hat. Über sehr lange Zeiträume wird diese durch Gezeitenkräfte von Mond und Sonne gebremst. In den vergangenen Jahren allerdings hat sich die Erdrotation laut CGPM leicht beschleunigt.

Laut Fachleuten bestand dadurch die Möglichkeit, dass erstmals eine Sekunde abgezogen und nicht hinzugefügt werden müsste, um UTC und UT1 wieder anzugleichen. Diese Situation gab es noch nie, und ob der Abzug der Sekunde störungsfrei umgesetzt werden könnte, war unklar.

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