Für die engsten Angehörigen sind es Erinnerungen an ein Familienfest, doch Historiker können durch alte Filme und Fotos erfahren, wie man Generationen zuvor lebte – wenn die Daten abgespielt werden können.
„Familie“ stand auf der VHS-Kassette, doch niemand wird jemals erfahren, was darauf zu sehen war, denn die Bänder waren verklebt und konnten nicht mehr repariert werden. Neben solchen traurigen Momenten erlebt Daniel Strassnig vor allem erhebende, denn zahlreiche Film-, Foto- und Tonmedien kann er retten, den Inhalt sichern, digitalisieren, für die Zukunft erhalten. Seit beinahe 25 Jahren erhält er solche Aufnahmen, die mit ihren Geschichten aus der Geschichte erzählen, was für künftige Generationen noch spannender wird als für uns.
„Oft gelingt die Rettung! Ein Kunde hatte versucht, vier VHS-Kassetten selbst zu digitalisieren. Dabei beschädigte sein Videorekorder eine Kassette nach der anderen. Die Bänder waren schließlich völlig verwickelt. Mit viel Mühe, Reparaturarbeit und etwas Bastelgeschick konnte ich die Aufnahmen doch noch retten. So blieben die Kindheitserinnerungen einer Familie erhalten“, freut sich Strassnig, der noch passende Geräte zum Abspielen und eventuell notwendige Ersatzteile besitzt.
Aus dem Hobby des Reparierens und Digitalisierens hat der Wolfsberger mittlerweile eine Arbeit gemacht: Seit 2019 bietet er seine Dienste gewerblich an und konnte schon Hunderten Menschen helfen, ihre Erinnerungen zu bewahren.
Am 27. Oktober macht der UNESCO-Welttag des audiovisuellen Erbes auf die Bedeutung und den Erhalt von Filmen, Tonaufnahmen und anderen audiovisuellen Dokumenten aufmerksam. Das betrifft auch private Aufnahmen, die häufig nur ein einziges Mal existieren.
UNESCO steht für „United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisation“, die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Sie ist eine eigenständige Organisation der Vereinten Nationen. 194 Mitgliedstaaten sind in der UNESCO vertreten; Österreich seit 1948.
UNESCO-Welttage und Gedenktage sollen an wichtige Leistungen der Völkergemeinschaft erinnern, zum Nachdenken über Probleme anregen und zu gesellschaftlichem Engagement motivieren.
Was war einst üblich? Wie lebten die Leute?
Private Filme sind für Historiker und andere Forscher der Zukunft wichtig, denn sie halten oft mehr fest als die ursprünglich beabsichtigten Erinnerungen an Urlaube und Familienfeiern. Jahrzehnte später erfährt man aus solchen Aufnahmen, wie Menschen gelebt haben und welche gesellschaftlichen Gepflogenheiten damals üblich waren.
Abenteuer Alltag in 2000 gefilmten Stunden
Vor zwei Jahren hat das kärnten museum mit dem Filmarchiv Austria nach privaten Filmaufnahmen von Amateurfilmern aus Kärnten gesucht, um diese zu digitalisieren und damit Leben und Alltag in den vergangenen Jahrzehnten dokumentieren zu können. Rund 20.000 historische, analog aufgenommene Amateurfilme wurden gesammelt und archiviert.
Eine Amateurfilmsammlung befindet sich im Wiener Filmmuseum, das die Streifen, die ab den 1920er Jahren gedreht wurden, immer wieder in Forschungsprojekten und Vermittlungsformaten öffentlich zugänglich macht.
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