Primärversorgungseinheiten boomen. Sie sollen die Wiener Spitäler entlasten und die Versorgung sichern. Doch es fehlen Räume und Personal: Mediziner berichten aus der Praxis
Lange Wartezeiten in Ambulanzen, erschöpftes Personal in den Kliniken: Viele Mitarbeiter in Wiens Spitäler arbeiten hart an ihren Belastungsgrenzen. Im Vorjahr haben die Krankenhäuser über fünf Millionen Mal Patienten medizinisch versorgt – ein neuer Höchststand.
Als Lösung gegen die Überlastung werden die sogenannten Primärversorgungseinheiten (PVEs) angepriesen – also Ärztezentren, in denen Hausärzte gemeinsam mit anderen Gesundheits- und Sozialberufen unter einem Dach zusammenarbeiten. In Wien gibt es aktuell 41, bis 2030 soll die Zahl auf 94 steigen. Doch während das Angebot wächst, stehen die Einrichtungen vor großen Herausforderungen.
Personal wird zum Engpass
Vor allem der Personalmangel bereitet Sorgen. „Wenn wir mehr Patienten versorgen oder unsere Öffnungszeiten weiter ausbauen wollen, brauchen wir zusätzliche Ärzte. Genau hier stoßen wir aber an Grenzen“, sagt Dr. Wörther. Die Medizinerin betreibt seit Oktober 2025 gemeinsam mit Dr. Schattauer und Dr. Wurz ein Primärversorgungszentrum im Karmeliterviertel.
Auch geeignete Räume fehlen
Für den Standort mussten die Ärzte zweieinhalb Jahre suchen. Denn geeignete Räume sind eine weitere große Hürde, vor der die Ärzte stehen. PVEs brauchen wegen der größeren Teams deutlich mehr Platz als Einzelordinationen und müssen zusätzlich barrierefrei und gut erreichbar sein.
Die Vorteile der Primärversorgungseinheiten
Dennoch ist der Ausbau des Modells wichtig, vor allem um die Wiener Kliniken zu entlasten. Denn sobald der eigene Hausarzt nicht erreichbar ist, gehen viele Menschen direkt ins Spital. Dabei könnten die Beschwerden oft allgemeinmedizinisch abgeklärt werden. Hier setzen die Primärversorgungszentren an. Sie haben im Gegensatz zu klassischen Arztpraxen deutlich längere Öffnungszeiten und Patienten mit akuten Beschwerden können auch ohne Termin vorbeikommen.
Der andere große Vorteil der PVEs liegt in der Größe des Teams. In der Ordination von Frau Dr. Wörther arbeiten beispielsweise neben mehreren Allgemeinmedizinern eine diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen, eine Diätologin und eine klinische Psychologin. „So können wir Patienten gezielter weiterleiten, medizinische Anliegen breiter abdecken und mehr Zeit für unsere Kernkompetenzen schaffen“, sagt die Medizinerin.
Auch Gerald Timmel, Geschäftsführer der Plattform „DocFinder“ sieht in PVEs einen wichtigen Baustein: „Wenn es gelingt, Bekanntheit, personelle Rahmenbedingungen und Infrastruktur gemeinsam weiterzuentwickeln, können Primärversorgungseinheiten einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Patienten schneller zur passenden Versorgung zu bringen und das Gesundheitssystem gezielt zu entlasten.“ Auf dem Gesundheitsportal können Patienten gezielt nach einem PVE in ihrer Nähe suchen.
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