Weil das Geld oft nicht mal mehr für ein Öffi-Ticket reicht, geht „Der Soziale Greissler“ in Wiener Neustadt nun einen neuen Weg. Erstmals wird er am Samstag mit seinem Lieferwagen direkt zu den Leuten kommen. Denn die Nachfrage nach günstigen Lebensmitteln steigt laufend an.
Ein Sozialmarkt, der zu den Menschen fährt – das ist eher ungewöhnlich. Für Franz Lechner, Betreiber von „Der soziale Greissler“, aber eine notwendige Antwort auf eine Entwicklung, die ihn und seine 35 freiwilligen Helfer zunehmend beschäftigt. Rund 1000 Menschen kommen mittlerweile jede Woche in sein Geschäft, das ein wenig außerhalb des Zentrums liegt. Und viele davon aus umliegenden Regionen, obwohl es auch dort Sozialmärkte gibt. „Doch die Leute schämen sich, im eigenen Ort in den Sozialmarkt zu gehen“, erklärt Lechner die große Nachfrage.
Doch längst nicht alle, die Unterstützung brauchen, schaffen den Weg dorthin. „Die Leute können sich teilweise nicht einmal mehr die Öffis leisten“, erzählt Lechner.
Am Samstag, 10. Oktober, startet der erste Testlauf. Ein größerer Kastenwagen soll jeweils für rund eine Stunde an verschiedenen Standorten Halt machen – zunächst einmal um 8 Uhr am Flugfeld und um 9.15 Uhr im Kriegsspital. Weitere Stationen sollen noch folgen.
Momentan gibts ganz viel Schokolade
Lechners Greisslerei ist gleichzeitig auch ein Lebensmittelretter. Das heißt, Märkte stellen Waren zur Verfügung, die sonst weggeworfen würden. Dazu gehören Brot und Gebäck, Wurst und Käse, aber auch Süßigkeiten. „Derzeit bekommen wir viel Schokolade, weil sie selbst für ’Normalkunden’ schon zu teuer ist“, erklärt Lechner. Vor allem zu Ostern und zu Weihnachten werde er regelrecht überhäuft damit.
Die Waren werden nicht verschenkt, sondern gegen einen kleinen Unkostenbeitrag – meist etwa zwei Drittel des Normalpreises – weitergegeben. „Genug haben wir nie“, sagt Lechner. Deshalb wird auch B-Ware zugekauft oder Ware übernommen, deren Mindesthaltbarkeitsdatum knapp erreicht ist.
Eine Würstelhütte als Treffpunkt – gratis Essen jeden Samstag
Zum Angebot gehört inzwischen auch die soziale Würstelhütte am Gelände des Sozialmarktes in der Waldschulgasse 3. Jeden Samstag gibt es dort gratis Essen, solange der Vorrat reicht – etwa Leberkäse-, Schnitzel- oder Pommesportionen. Rund 60 bis 100 Portionen werden jedes Mal ausgegeben.
Nun soll auch das mobile Angebot wachsen. Lechner möchte dafür einen 3,5-Tonnen-Kastenwagen anschaffen. Förderansuchen laufen, gleichzeitig wird nach Möglichkeiten gesucht, das notwendige Fahrzeug zu finanzieren.
Denn die Hilferufe kommen längst nicht mehr nur aus Wiener Neustadt. Menschen aus dem gesamten südlichen Niederösterreich und dem Burgenland suchen Unterstützung. Denn das Traurige daran: Manche fahren sogar lieber weiter, weil sie sich schämen, in ihrem Heimatort einen Sozialmarkt aufzusuchen.
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