Nach Tottenhams Abstiegskampf ist vor der WM – Kevin Danso über Rassismus, das Duell mit Messi und Deutsch-Probleme im Team.
„Krone“: Kevin, ihr habt mit Tottenham erst in der letzten Runde den Abstieg aus der Premier League verhindert – wie groß ist die Erleichterung?
Kevin Danso: Riesig, Tottenham gehört da unten nicht hin, das darf im Normalfall nicht sein. Wir konnten gar nicht glauben, dass wir absteigen könnten. Aber wir haben die Situation angenommen, dem Druck standgehalten.
Letzte Saison habt ihr noch die Europa League gewonnen, was ist jetzt passiert …
Es sind viele kleine Dinge, man kann im Fußball nicht alles erklären. Aber wenn man einmal in so einem Negativstrudel drinnen ist, wird es schwierig.
Du wurdest nach einem Fehler beim 2:2 gegen Brighton in den sozialen Medien rassistisch beleidigt – diesmal hast du es öffentlich gemacht. Warum?
Beim ersten Mal habe ich nichts gesagt. Ich kann das schon ausblenden, stecke das weg. Aber es tut weh, ich wollte damit auch für alle anderen ein Zeichen setzen. Das hat nicht nur im Fußball, das hat in unserer Welt nichts verloren. Fehler passieren, aber es ist immer noch nur Fußball.
Du warst lange in der Saison „nur“ der dritte Innenverteidiger, Joker von der Bank, aber in den letzten Wochen als Stammspieler ein wichtiger Faktor für die Spurs – was nimmst du Positives mit?
Es war wichtig für mich, allen im Verein zu zeigen, dass ich für jede Situation bereit bin. Ich habe in der härtesten Liga der Welt eine schwierige Situation gemeistert, das bringt mich weiter, wird mir jetzt auch bei der WM helfen. Da will ich eine wichtige Rolle spielen.
Nur vier Tage nach dem Abstiegsfinale bist du im Team-Camp eingerückt, ohne Urlaub – wie bereit bist du auch mental für die WM?
Die Frage stellt sich nicht, es geht um die WM. Ich brauche keinen Urlaub, bin sowas von bereit.
Inwiefern ist es für dich aber eine Umstellung?
(lacht): Nur bei der Sprache. Ich bin in England aufgewachsen, lebe in London, denke und spreche nur Englisch. Mir fehlen dann beim Nationalteam manchmal die Wörter auf Deutsch. Auch auf dem Spielfeld bei den Kommandos. Aber das kommt schnell wieder.
Was bedeutet dir die WM?
Alles. Für mich geht ein Kindheitstraum in Erfüllung. Ich werde beim ersten Spiel sicher kurz innehalten, einfach Danke sagen.
Was sind deine ersten WM-Erinnerungen?
Das Finale 2006, der Kopfstoß von Zidane. Nachher ist Cannavaro mit dem Pokal auf der Latte gesessen, das fand ich cool. Damals war ich noch ein Stürmer, da hätte mir schon klar sein müssen, dass Verteidiger eher zu mir passt.
Hast du dich bereits mit den Gegnern beschäftigt?
Ich habe mit Cristian Romero (Anm. Argentiniens Kapitän, ebenfalls Innenverteidiger bei Tottenham) gescherzt, dass wir uns nicht foulen werden. Aber das spielt’s nicht, es wird keiner zurückziehen. Von Algerien kenne ich ein paar Spieler noch aus Frankreich.
Und Messi?
Ich habe schon mit Lens gegen ihn gespielt, als er bei PSG war. Viele haben versucht, ihn zu stoppen, keiner hat es hinbekommen. Aber solange wir ein Tor mehr machen, ist es okay für mich. Wir müssen 90 Minuten hoch konzentriert sein, er kann alleine den Unterschied ausmachen.
Was traust du euch jetzt bei der WM zu?
Viel, aber wir denken von Spiel zu Spiel. Zuerst die Gruppe überstehen, dann ist viel möglich. Wir wollen lange in den USA bleiben.
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