Durch die Causa Weißmann in eine Krise gestürzt, kommt der ORF seit Wochen nicht aus den negativen Schlagzeilen. Jetzt gehen die Mitarbeiter auf die Barrikaden. Unter dem Motto „Nicht mit uns“ protestieren sie gegen Machtmissbrauch, Täterschutz und parteipolitischen Zugriff.
„Machtmissbrauch im ORF? #nichtmituns“ ist einer der Slogans, mit denen die Belegschaft gegen die Zustände im öffentlich-rechtlichen Sender protestiert. Auch gegen „Täterschutz statt Opferschutz“, „Politische Besetzungen“ und „Parteipolitik im Stiftungsrat“ setzen ORF-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf ihren Social-Media-Kanälen ein Zeichen.
„Haben uns fassungslos gemacht“
„Kollegen und Kolleginnen aus verschiedenen Abteilungen haben diese Social-Media-Aktion ins Leben gerufen“, erklärt Dieter Bornemann, Vorsitzender des Redakteursbeirats. Hunderte Mitarbeiter nähmen bereits teil, und die Aktion werde „noch weiter wachsen“. Gesammelt werden die Beiträge auf der Website nichtmituns.net. „Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben uns fassungslos gemacht. Wir wollen uns nicht für Skandale und Missstände rechtfertigen müssen, mit denen wir nichts zu tun haben“, heißt es dort zum Anlass für den Protest.
Neben vielen anderen protestiert auch „ZiB 2“-Moderator Martin Thür:
Die Causa Weißmann
Ihren Ausgang nahm die Krise im ORF Anfang März mit der Causa Weißmann, der eine wochenlange Schlammschlacht folgte, die noch andauernd. Eine ORF-Mitarbeiterin wirft Generaldirektor Roland Weißmann sexuelle Belästigung vor. Sie legte Stiftungsräten entsprechende Chatnachrichten vor. Konfrontiert mit einem Ultimatum, trat Weißmann zurück. Der ORF sprach dann selbst die Kündigung aus. Dabei blieb es nicht. Weißmann ging selbst in die Offensive, bestritt in einem „Krone“-Interview die Vorwürfe und geht juristisch gegen die Mitarbeiterin vor.
Der Bericht der Compliance-Kommission war zuvor zum Schluss gekommen, dass bei den Handlungen Weißmanns keine sexuelle Belästigung vorliege, was eine Rüge der Gleichbehandlungsanwaltschaft nach sich zog. Trotzdem sprach der ORF von unangemessenem Verhalten und blieb bei der Kündigung. Vergangene Woche veröffentlichte der „Falter“ zum Teil die Chatnachrichten zwischen Weißmann und der ORF-Mitarbeiterin, laut denen er immer wieder Annäherungsversuche unternahm, die aber abgeblockt wurden. Demnach soll er auch explizite Fotos verschickt haben. Der Ex-ORF-Chef droht wegen Veröffentlichung der Chats mit Klage.
Thurnher mit schwerer Bürde
Die langjährige ORF-Moderatorin und -Managerin Ingrid Thurnher übernahm zunächst interimistisch, vom Stiftungsrat wurde sie kürzlich mit großer Mehrheit bis Ende des Jahres ins Amt der Generaldirektorin gewählt. Thurnher untermauerte nach ihrer Wahl, dass das Verhalten, das ihr Vorgänger Roland Weißmann gegenüber einer ORF-Mitarbeiterin an den Tag gelegt habe, „falsch und für eine Führungskraft inakzeptabel“ gewesen sei. Die Chats bezeichnete sie als „verstörend“. Daher seien klare Konsequenzen in Form einer Kündigung gezogen worden. All jene im ORF, die Übergriffe erleben, sollen sich melden. „Wir werden sie unterstützen“, versicherte sie.
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