Wunder im Wasser

Ein haariger Frosch wie aus einer anderen Welt

Klima
20.03.2026 15:00

Mitten in Wien ist die Nachzucht des zentralafrikanischen Haarfrosches gelungen. Bisher war kaum etwas über den „wolfsähnlichen“ Frosch bekannt...

Mitten in Wien, verborgen hinter dicken Mauern und flimmernden Aquarien, ist gelungen, woran internationale Forschung jahrelang scheiterte: Im Haus des Meeres wurde erstmals weltweit der geheimnisvolle Haarfrosch erfolgreich nachgezüchtet.

Ein Tier, das wirkt wie aus einem Naturthriller – und doch real ist. Der zentralafrikanische Haarfrosch (Trichobatrachus robustus) trägt seinen Namen wegen haarähnlicher Hautauswüchse, die Männchen nur zur Paarungszeit entwickeln. Eine bizarre Anpassung an das Leben in wilden, sauerstoffreichen Waldbächen. Doch berühmt – oder besser: berüchtigt – ist der „Wolverine-Frosch“ für etwas anderes.

Noch hinter den Kulissen, werden Kaulquappen aufgezogen.
Noch hinter den Kulissen, werden Kaulquappen aufgezogen.(Bild: Haus des Meeres)

Wenn Knochen zu scharfen Waffen werden
In höchster Not greift dieses Tier zu einer Strategie, die selbst Biologen erschaudern lässt: Es bricht gezielt die Knochen seiner Zehen, drückt sie durch die Haut – und formt so krallenartige Waffen. Ein Überlebensmechanismus, der zeigt, wie brutal und zugleich genial Evolution sein kann. Gerade solche Arten sind es, die im Verborgenen verschwinden, bevor wir sie überhaupt verstehen.

Jahrelang wurde im Haus des Meeres getüftelt, gemessen, verworfen. Strömungen wurden simuliert, Wasserwerte feinjustiert, Regenzeiten künstlich nachgestellt. Erst als jedes Detail dem natürlichen Lebensraum glich – schnell fließende, klare Waldbäche Zentralafrikas – geschah das Unglaubliche: Die Tiere begannen sich fortzupflanzen.

„Amphibien sind mit 41 Prozent bedrohter Arten die am stärksten gefährdete Wirbeltiergruppe weltweit“, erklärt Robert Riener, Kurator und treibende Kraft hinter dem Projekt. „Umso wichtiger ist es, ihre Fortpflanzung zu verstehen.“

Es wirkt wie aus einer anderen Welt – doch der Haarfrosch kann während der Fortpflanzungszeit ...
Es wirkt wie aus einer anderen Welt – doch der Haarfrosch kann während der Fortpflanzungszeit Haare bilden.(Bild: Haus des Meeres)

Ein Hoffnungsschimmer für eine bedrohte Welt
Was hier gelungen ist, geht weit über eine zoologische Kuriosität hinaus. Es ist ein Signal. Ein Beweis, dass Artenschutz mehr sein kann als ein Schlagwort - wenn Wissen, Geduld und Leidenschaft zusammenkommen. Die Nachzucht soll kein Einzelfall bleiben: Ziel ist der Aufbau stabiler Reservepopulationen in Zoos weltweit. Eine Art Versicherung gegen das stille Aussterben.

Mit diesem Erfolg positioniert sich das Haus des Meeres einmal mehr als moderner Akteur im globalen Naturschutz. Nicht nur zeigen, sondern bewahren – das ist die neue Mission. Und während draußen der Verkehr durch Wien rauscht, wächst im Inneren ein kleines Wunder heran. Zerbrechlich. Fremdartig. Und vielleicht ein Schlüssel für das Überleben einer ganzen Tiergruppe.

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