Nicht nur Maulwürfe

Wer im Garten die Hügel aufschüttet

Klima
17.03.2026 13:45

Die „geheimen Gartenarbeiter“ unter unserer Wiese sind wichtig, um den Boden gesund zu halten. Doch nicht nur Maulwürfe tummeln sich unter der Erde...

Ein frischer Erdhügel im Garten sorgt oft für Stirnrunzeln. War hier der Maulwurf am Werk? Oder doch eine Wühlmaus? Tatsächlich gehört nicht jeder Erdhaufen dem gleichen Baumeister. Wer genau hinsieht, kann schon an der Form erkennen, welches Tier hier unter der Erde seine Tunnel zieht.

Unter unseren Wiesen, Gärten und Feldern verbirgt sich eine erstaunliche Welt: ein verzweigtes Labyrinth aus Gängen, Kammern und Vorratsräumen. Zahlreiche Tiere leben dort verborgen – und hinterlassen ihre Spuren in Form charakteristischer Hügel.

Der Klassiker: Maulwurf mit perfekter Bauordnung
Der wohl bekannteste Tunnelgräber Österreichs ist der Europäische Maulwurf (Talpa europaea). Der kleine Insektenfresser lebt in Wiesen, Gärten, Mischwäldern oder Magerrasen – überall dort, wo der Boden locker genug ist. Seine Hügel sind unverwechselbar: meist hoch, rund bis kegelförmig und aus sehr feiner Erde aufgeschoben. Mit seinen kräftigen, schaufelartigen Vorderbeinen arbeitet sich der Maulwurf durch den Boden und häuft die Erde in erstaunlich gleichmäßigen Abständen auf – manchmal sogar in einer geraden Linie.

Der unterirdische Jäger ist dabei keineswegs ein Gartenschädling. Auf seinem Speiseplan stehen vor allem Regenwürmer und Insektenlarven – darunter auch ungeliebte Gäste wie Engerlinge von Maikäfern. Manchmal findet man sogar Reste von Insektenpanzern auf den Hügeln – stille Zeugen seiner Mahlzeiten. Maulwurfshügel entstehen übrigens das ganze Jahr über. Besonders im Winter können sie auffallen, wenn große Haufen sogar durch die Schneedecke ragen.

Wühlmaushügel sind meist flacher, länglicher und insgesamt unregelmäßiger geformt. Die in den ...
Wühlmaushügel sind meist flacher, länglicher und insgesamt unregelmäßiger geformt. Die in den Boden gegrabenen Gänge enden meist in nur wenigen größeren Hügeln, daneben werden zahlreiche kleinere Haufen gebildet.(Bild: Naturschutzbund)

Wühlmäuse: Die diskreteren Bauarbeiter
Ganz anders arbeitet die Große Wühlmaus (Arvicola terrestris) oder ihre Verwandte, die Ostschermaus (Arvicola amphibius). Diese Tiere graben ebenfalls weit verzweigte Tunnelsysteme, doch ihre Hügel verraten sofort einen anderen Baustil.

Die Erdhaufen sind flacher, länglicher und deutlich unregelmäßiger als jene des Maulwurfs. Oft entstehen nur wenige größere Hügel, dafür aber viele kleine Nebenhaufen. Die Erde wirkt gröber und ist häufig mit Wurzelstücken oder Gras vermischt.

Auch die Umgebung verrät die Bewohner: Pflanzen wirken manchmal welk, Stängel sind abgefressen oder die Vegetation zeigt kleine Lücken. Kein Wunder – Wühlmäuse ernähren sich überwiegend pflanzlich und knabbern an Wurzeln, Samen und Grünpflanzen. Neue Hügel entstehen vor allem zwischen Sommer und Herbst. Im Winter bleibt es unter der Erde meist ruhiger.

Die seltene Baumeisterin: Ährenmaus
Noch ungewöhnlicher sind die Hügel der Ährenmaus (Mus spicilegus). Diese seltene Mausart lebt vor allem in strukturreichen Landschaften mit Hecken, Feldrändern und extensiv genutzten Feldern. In Gärten taucht sie daher nur gelegentlich auf.

Ihr Bau ist ein Gemeinschaftsprojekt. Mehrere Tiere arbeiten gemeinsam an einem großen Hügel, der gleichzeitig Vorratslager und Winterquartier ist. Der Bau beginnt meist im Spätsommer und kann mehrere Wochen dauern.

Im Inneren stapeln die Mäuse Samen, Getreidekörner und Fruchtstände. Darüber folgen Schichten aus trockenem Gras, Laub und schließlich Erde. Je größer die Baugruppe, desto imposanter der Hügel.

Bei der Ährenmaus arbeiten mehrere Tiere gemeinsam an einem großen Hügel, der gleichzeitig als ...
Bei der Ährenmaus arbeiten mehrere Tiere gemeinsam an einem großen Hügel, der gleichzeitig als Vorratslager und Winterquartier dient.(Bild: Naturschutzbund)

Hügel als Motor für gesunde Böden
So ärgerlich die Erdhaufen im gepflegten Rasen wirken mögen: Für den Boden sind sie meist ein Segen. Die unterirdischen Tunnel lockern die Erde, bringen Luft in tiefere Schichten und verbessern den Wasserabfluss.

Naturschützer empfehlen daher, im Garten zumindest eine „wilde Ecke“ zu belassen, in der die tierischen Baumeister ungestört arbeiten dürfen. Dort entstehen nicht nur gesündere Böden, sondern auch Rückzugsräume für Insekten, Amphibien, Würmer oder Vögel. Denn manchmal beginnt ein kleines Naturwunder direkt vor der eigenen Haustür – nur wenige Zentimeter unter unseren Füßen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.

krone.tv

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung