Schon seit Monaten kursieren gravierende Vorwürfe gegen einen Tischtennistrainer durch Österreich. Es geht um den gravierenden Vorwurf der Belästigung minderjähriger Spielerinnen. Jetzt erreichte der Fall eine neue Dimension. Es wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft eingeschaltet ist, gegen die betreffende Person ermittelt.
Die Vorwürfe waren in Tischtenniskreisen schon länger bekannt. Ein Trainer soll sich minderjährigen Spielerinnen gegenüber ungebührlich verhalten, sie mit verstörenden Textnachrichten belästigt haben. In letzteren sei es keinesfalls um Sportliches gegangen, vielmehr hätten ihn private Sachen, etwa ihre Kleiderlänge interessiert.
Immer mehr Mädchen hatten von widerlichen Vorkommnissen berichtet. Etwa vom gemeinsamen Besuch einer Infrarot-Kabine oder, dass er sich mit ihnen die Website eines Sexshops angesehen hatte. Manche erzählen sogar davon, dass er sich bei Jugendturnieren zu ihnen ins Bett gelegt hätte!
Doch nicht nur auf Spielerinnen hatte er unheilvollen Einfluss. So erzählen mehrere Tischtennis-Insider von einem Vorfall, als der beschuldigte Trainer einem jungen Spieler das Bild eines jungen Mädchens geschickt haben soll, das nur mit Top und kurzer Hose bekleidet war, seine Hände auf seinen Brüsten hatte. „Da hättest du die Hände auch gern, oder?“, schrieb er dazu.
Erst nach einiger Zeit hatten mehrere Mädchen die Kraft, ihre Eltern zu verständigen, dann auch Vertrauenspersonen in ihren Vereinen. Es ging weiter zur Vertrauensstelle „100 % Sport“, die eine Handlungsempfehlung an den Österreichischen Tischtennisverband ÖTTV aussprach.
Noch immer Nachwuchstrainer beim Verein
Dieser beschäftigte den bewussten Trainer seither nicht mehr, sein Verein hatte keine solchen Skrupel. Als die „Krone“ dort im Herbst erstmals nachfragte, berief sich dessen Obmann darauf, dass „noch nichts bewiesen sei. Wir haben aber eine Strafregisterbescheinigung eingeholt.“ Doch völlig unverständlich ist, dass der Trainer dort sogar nach wie vor als Nachwuchstrainer angeführt wird...
Doch mittlerweile liegt der Ball bei der Staatsanwaltschaft. Österreichs Verband erstattete, wie nun bekannt wurde, im November Strafanzeige. Warum so spät, wenn die Vorwürfe teilweise zumindest seit Sommer 2024 bekannt waren? ÖTTV-Präsident Wolfgang Gotschke bedauert, dass er selbst lange kaum Fakten erhalten hätte. Mehrfach hätte er sich auch an „100 % Sport“ gewandt, aber deren Material nicht erhalten.
„Kindeswohl an erster Stelle“
Als er befand, genug in der Hand zu haben, ging er zum Staatsanwalt. „Wir sind natürlich an einer lückenlosen Aufklärung interessiert“, bekräftigt Gotschke. „Das Kindeswohl steht für uns an erster Stelle.“ Das sieht auch Spielervertreter Daniel Habesohn so: „Es ist wichtig, dass das Ganze endlich aufgearbeitet wird. Es geht vorrangig um das Wohl der jungen Spieler und Spielerinnen.“
Und die haben leider noch immer unfreiwillig Kontakt mit dem bewussten Trainer, für den die Unschuldsvermutung gilt. Bereits im vergangenen Jahr hatte es einen Aufreger gegeben, als eine der betroffenen Spielerinnen in einer Sporthalle plötzlich auf ihren ehemaligen Coach getroffen war.
„Die ärgste Zumutung“
Zuletzt saß dieser auch in einem Match gegen eine weitere Spielerin, die sich über Belästigung von seiner Seite beschwert hatte, auf der Bank. „Das ist die ärgste Zumutung“, ist darob auch ein anderer langjähriger Tischtennistrainer erbost. „Der Sport ist eh schon so ein Stress und dann begegnen die Mädchen jemandem, von dem sie Missbrauch erfahren haben. Das wirft ein zerstörendes Bild auf unseren Sport.“
Generell herrsche bei den betroffenen jungen Spielerinnen nun zumindest etwas Erleichterung, dass Bewegung in die Sache geraten ist. „Vor allem darüber, dass ihnen endlich jemand glaubt.“
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