Wenig Chancen wurden dem Mitmach-Supermarkt MILA in Wien-Meidling bei der Eröffnung eingeräumt. Zu naiv schien die Idee, dass alle Kunden Eigentümer sind. Vier Monate später hält die Gemeinschaft gegen die Übermacht großer Konzerne stand – und hat die Erfüllung exotischer Kundenwünsche als Kapital erkannt.
Knapp 1400 Kunden hat MILA in der Meidlinger Vivenotgasse inzwischen – und damit knapp 1400 Eigentümer, denn der Mitmach-Supermarkt ist eine Genossenschaft mit gleichen Rechten und Pflichten für alle Mitglieder: 180 Euro (bzw. 20 Euro Sozialtarif) Beitrittsgebühr und drei Stunden Mitarbeit pro Monat. Die gesparten Lohnkosten kommen als Preisvorteil zu den Kunden zurück. Außerdem gibt es dort immer mehr, das es sonst nirgends gibt.
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Zu den Rechten der Genossenschafter gehört auch, dass sie das Sortiment selbst bestimmen können. Was zu beschaffen ist, wird ausprobiert und allenfalls bei mangelndem Kundenecho wieder ausgelistet. Überrascht wurden die MILA-Gründer etwa von vielen Wünschen aus dem Asia-Bereich. Inzwischen ist man besser bestückt als so manches Spezialitätengeschäft, bis hin zu Katsuobushi: getrocknetem, geräuchertem und zu kleinen Flocken gehobeltem japanischem Fisch. Und die Leute kaufen es.
„Es war noch nichts dabei, das in einem Supermarkt nichts verloren hätte“, heißt es bei MILA zu den Kundenwünschen. Manchmal scheitert man jedoch am Vertrieb – einerseits etwa bei Wünschen nach Getreide von einem ganz bestimmten Bauern, der nicht nach Wien liefert, andererseits aber an Vertriebsstrukturen, die von Großkonzernen dominiert sind: Ganz gewöhnliche Vaseline konnte etwa nicht beschafft werden, weil der Lieferant sich nicht mit „kleinen Fischen“ wie MILA abgeben wollte.
Stolzer Verweis auf Preisvorteil
Von 2500 Artikeln bei der Eröffnung ist das Sortiment inzwischen auf 3800 angewachsen. Rund 85 Prozent sind – nach Möglichkeit regionale – Bio-Produkte, man will aber weiterhin alles für den Kompletteinkauf bieten, inklusive Markenartikeln. Nach eigener Einschätzung liegt man bei Bio-Obst und Bio-Gemüse ungefähr auf Diskonter-Preisniveau und bei Spezialitäten 20 bis 50 Prozent unter Fachgeschäften beziehungsweise Bio-Handelsketten.
Zuversicht, aber noch kein Oberwasser
Als ursprüngliches Ziel für die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit nannte die Genossenschaft 1500 Mitglieder. Nun wurde auf 2000 erhöht, weil die Kalkulation auf größerem Warenumsatz beruhte und unerwartet viele Mitglieder, die weiter weg wohnen, nur den großen Wochenendeinkauf dort erledigen. Die MILA-Leitung ist aber zuversichtlich, dass man das Ziel erreichen wird. Täglich gebe es rund zwei neue Mitglieder.
Aktuell hat die Genossenschaft 64 Prozent Vollzahler, 24 Prozent Mitglieder mit Sozialtarif und 12 Prozent fördernde Teilhaber, die freiwillig mehr zahlen. Alle müssen aber ihre drei Stunden pro Monat abarbeiten. Gibt es für 2000 Mitglieder überhaupt genug zu tun? Da werde man sich etwas überlegen müssen, gibt das Management zu, aber „dabei bleiben wir aus Überzeugung: Bei uns sind alle gleich und niemand soll sich freikaufen können.“
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