Der Filmstandort Wien schwächelte im zweiten Halbjahr 2025. Die Fördermittel wurden gekürzt. Der Branche stockt der Atem. Planen könne man nichts, erzählt eine Produzentin.
Hollywood-Stars wie Helena Bonham Carter oder Alexander Ludwig hätten durch die Wiener Straßen wandern können. Werden sie aber nicht. Denn die neue Staffel der Kultserie „The White Lotus“ wird doch nicht in der Stadt gedreht, stellte sich im Vorjahr heraus.
Österreich war in der engeren Auswahl, Frankreich ist es nun geworden. Das hatte im Vorjahr bei der Vienna Film Commission, die wichtigste Schnittstelle zwischen Politik und Filmbranche, für Furore gesorgt. Grund war der Antragsstopp aus dem Filmfördertopf „FISAplus“, der als Anreizmodell konzipiert ist.
Für das zweite Halbjahr 2025 sah es daher zappenduster aus, wie auch die Pressekonferenz der Vienna Film Commission am Mittwoch zeigte. Für die erste Jahreshälfte lag der Anstieg des Drehaufkommens bei 25 Prozent, für die zweite Jahreshälfte verzeichnete man ein Minus von 9 Prozent.
Gerade für kleinere Produktionsfirmen ist die Situation derzeit fatal.
Catrin Strasser, Produzentin MR-Film
„Es war schlicht kein Geld da“, erklärte Geschäftsführerin Marijana Stoisits. Rund 3.000 Drehtage gab es im Vorjahr insgesamt in der Stadt. Das sind sechs Prozent weniger als 2024.
Keine Planbarkeit für Firmen und Mitarbeiter
Die fehlende Verlässlichkeit sei es, die der Branche zu schaffen macht, sagt dazu Catrin Strasser von der Filmproduktionsfirma MR-Film. „Die Förderungen wurden massiv eingekürzt, aber die Wertschöpfung, die ein Film bringt, nicht mitbedacht“, sagt sie.
Nach wie vor fehle auch die Investitionsabgabe für Streamingdienste, für die sich Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) kürzlich bekannte. Damit wären Netflix, Amazon und Co. verpflichtet, in österreichische Projekte zu investieren.
Dass es das noch nicht gibt, lasse Produzenten hierzulande als „keine zuverlässigen Partner zurück“, sagt Strasser. Darunter leiden auch die Mitarbeiter. In Österreich werden etwa Kameraleute oder andere Set-Mitarbeiter projektbasiert angestellt.
Auch für diese fehle nun die Planungssicherheit, sagt sie. Zwar ist man knappe Budgets in der Branche schon gewohnt. Aber die Situation verschärfe sich, so Strasser.
Ein Aufatmen gibt es für heuer: Die Finanzierung für 2026 ist gesichert. Für 2027 schaut es anders aus. „Wir wissen nicht, was uns zur Verfügung stehen wird – womit wir wieder bei der fehlenden Planungssicherheit wären“, sagt sie. Für kleinere Produktionsfirmen sei die Situation aktuell „fatal“.
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