Er war ein genialer Übertreibungskünstler und der verlässlichste Provokateur der Republik: Thomas Bernhard wäre morgen, Montag, 95 Jahre alt. Ein Geburtstag für einen Autor, der Feiern verachtete – und dennoch allgegenwärtig geblieben ist. Ab April 2026 widmet ihm die Österreichische Nationalbibliothek eine große Sonderschau.
Thomas Bernhard (1931-1989) liegt zwar in Wien-Grinzing begraben, gelebt – und geschrieben – hat er jedoch vor allem im oberösterreichischen Ohlsdorf. Hier entstanden viele seiner unerreichten Werke: gnadenlose Tiraden gegen das Kleinbürgertum, gegen die Selbstgefälligkeit der Kunstszene, gegen Österreich als geistigen Zustand. Texte, die bis heute als Zumutung gelten – und genau darin ihre Kraft entfalten.
In Ohlsdorf nahe Gmunden befindet sich auch das „Bernhard Haus“, ein Museum und „eingefrorenes Denkmal“. Ambiente und Mobiliar wirken nahezu unangetastet, als wäre der Dichter nur kurz hinausgegangen, um gleich wieder zurückzukehren – zum nächsten Satz, zur nächsten Abrechnung. Diese zentrale Bernhard-Gedenkstätte ist von April bis September zugänglich.
Als Schriftsteller große Präsenz
Seine Literatur aber ist immer zugänglich und alles andere als museal. Bernhard zählt weiterhin zu den meistgespielten deutschsprachigen Dramatikern. Aktuell steht u.a. „Der Theatermacher“ im Theater in der Josefstadt in Wien auf dem Spielplan, mit Herbert Föttinger als Egomanen von Weltformat (Termine bis Juni).
Der unbekannte Bernhard: Einblick in den Nachlass
Am Tiroler Landestheater wird „Heldenplatz“ gezeigt, ergänzt um neue Texte von Elias Hirschl (Termine bis April). Und Nicholas Ofczarek bringt gemeinsam mit der Musicbanda Franui Bernhards Prosamonolog „Holzfällen“ auf die Bühne des Linzer Musiktheaters (14. Februar) – ein Abend, der 2024 bereits bei den Festwochen Gmunden für Aufmerksamkeit sorgte, aber ungebrochen ein Publikumsmagnet ist.
Vor drei Jahren erwarb die Österreichische Nationalbibliothek Bernhards Nachlass. Ab 30. April 2026 (bis 21. Februar 2027) öffnet die Ausstellung „Dem Stumpfsinn die Geisteskappe aufsetzen“ diesen Bestand: unbekannte Texte, überraschende Korrespondenzen, bislang ungesehene Fundstücke. Sie zeigen einen Autor, der sich auch posthum zu Wort meldet.
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