Kindertheater Linz

Ein Stadtmensch trifft ein neugieriges Monster

Oberösterreich
22.02.2026 18:30

Ein Wald, unbekannt und unerforscht, wird zum Zufluchtsort für einen jungen Forscher. Nicht ganz freiwillig: Vinzent Gebesmair begeistert das junge Publikum im Bühnensolo „Die Reise zum Mittelpunkt des Waldes“, das im Vestibül der Kammerspiele zu sehen ist.

Er ist ein Forscher, wie man ihn sich vorstellt: Karo-Pullunder, Hemd und Labberhose, dazu eine fette Brille im Gesicht. Nur das Schmetterlingsnetz fehlt noch, aber das braucht er gar nicht. Michael will nämlich einen Räuber treffen – oder besser: einen „Reuber“. Doch das grimmige Monster, das breiten Dialekt spricht, findet vielmehr ihn, als er im Wald giftige Pilze essen möchte.

Nele Neitzke inszeniert im Vestibül der Kammerspiele „Die Reise zum Mittelpunkt des Waldes“ von Finn-Ole Heinrich. Was eigentlich ein Crash der Lebensweisen sein könnte – ein kindlicher Forscher verlässt die Komfortzone und trifft auf einen geerdeten Überlebenskünstler – wird in der Linzer Inszenierung leider nicht so deutlich herausgearbeitet.

Auch wenn Forschen im Vordergrund steht, wird der Wald meist als ungemütlich, bedrohlich dargestellt, was besonders in Zeiten des „Natur-Defizits“ (Nature-deficit disorder) der jungen Generation unpassend ist.

Zu einseitige Darstellung
Dass es Giftpflanzen gibt, ist Fakt. Aber es gibt auch Essbares, was im Stück nicht vorkommt. Wie man da vorgehen sollte, hätte ja wirklich einen Wert. Der Forscher Markus M. jammert oft, dass hier nur die Käfer krabbeln, dass es regnet und so weiter. Man hat nie den Eindruck, dass der Stadtmensch auch mal einen Moment genießt, etwa die gute Luft oder dass man keinen Autolärm hört. Und vom „Reuber“, dem Survival-Experten, könnte er auch etwas lernen, das ihm in der Seele gut tut.

(Bild: Petra Moser)

Spannungsbogen nicht eindeutig
Zudem kommen viele erwachsenentypische Aussagen vor. So muss er u.a. dem „Reuber“ Geschichten von der Welt der Handys (samt Cyberwar) erzählen, was ihn am Schluss dann nervt. Die „Survival-Tipps“ kommen eher naiv rüber. Die Anbiederung ans junge Publikum mit Mikrophon und Rap-Musik wäre verzichtbar.

Sehenswert macht das Stück ab 6 Jahren allerdings das intensive, temporeiche Spiel von Vinzent Gebesmair. Das Bühnenbild von Karin Waltenberger ist grandios schön mit dem Gläserwagen, den Gummibäumen, dem Overheadprojektor und gestricktem Moos. Auch die Illustrationen sind wirklich genial, sehr stimmungsvoll. Also, ja, doch anschauen.

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