Debütalbum: „Farben“

Kane: Newcomer mit Stimmgewalt statt Autotune

Musik
24.02.2026 05:00

Der Berliner Künstler Kane legt mit seinem Debütalbum „Farben“ nach — und macht damit endgültig klar, welches Potenzial in ihm steckt. Bereits mit seiner ersten EP „Waldbrand“ zog er Aufmerksamkeit auf sich. Wir haben in das neue Werk des charismatischen Künstlers mit der sanften Soul-Stimme hineingehört.

kmm

Seine Stimme ist purer Soul, seine Texte gehen in die Tiefe. Kane zählt aktuell zu den spannendsten Newcomern aus Berlin. Nach seiner erfolgreichen Debüt-EP „Waldbrand“ legt der talentierte Sänger nun mit seinem ersten Album „Farben“ nach — und positioniert sich damit selbstbewusst in der deutschen Musiklandschaft. 
Schon mit Songs wie „Narben“ oder „Weiße Weste“ zeigte der Kreuzberger, dass in ihm viel Soul und R&B steckt. Genau diese Mischung prägt auch sein Debüt. Kane bringt alles mit, was man von einem modernen Hood-Künstler erwartet: raues Auftreten, klare Straßenreferenzen — und dazu eine überraschend sanfte, fast engelsgleiche Stimme. Dieser Kontrast ist wohl sein größtes Kapital.

Poppige Lovesongs sowie Themen wie Verlust und Schmerz, getragen von Soul-Einflüssen, bilden das Fundament von „Farben“. Passend zum Release spielte Kane am 16. Februar seine erste eigene Berlin-Show, die nach wenigen Stunden ausverkauft war. Ein starker Startpunkt für ein Debüt, das klarmacht, wo er herkommt und wo er hin will. Das Album umfasst 16 Tracks bei rund 44 Minuten Laufzeit. Schon das Cover deutet das Konzept an: Der Berliner zeigt sich umgeben von verschiedenen Farben — ein visuelles Statement dafür, dass seine Musik mehr als nur eine Gefühlslage kennt.

Kane: Viel Soul, viel Gefühl — und noch viel Potenzial. Sein Album spricht direkt aus der Seele.
Kane: Viel Soul, viel Gefühl — und noch viel Potenzial. Sein Album spricht direkt aus der Seele.(Bild: Sony Music)

Seine eigene Welt retten
Gleich zu Beginn zieht „Odysee“ tief hinein in Kanes Klangwelt. Die Stimme steht fast nackt im Raum, getragen von einer melancholischen, filmischen Produktion. Es wirkt wie ein Prolog — ruhig, aber eindringlich. Diese Stimmung zieht sich auch durch das folgende „Lifestyle“, in dem Kane seine Herkunft reflektiert und zwischen Straßenrealität und Sehnsucht nach Ausbruch pendelt. Musikalisch bleibt alles im soulig-balladesken Bereich. Immer wieder zeigt er, wie stark er im melodischen Fach ist. „Wir beide“ entfaltet seinen Reiz vor allem über die Stimme, die stellenweise fast nur noch ein Hauch ist und trotzdem trägt. Mit dem Titelsong „Eintausend Farben“ öffnet sich das Soundbild etwas: mehr Tempo, Trap-Einflüsse, eine Hook mit klarer Ohrwurm-Qualität. Hier blitzt deutlich sein Pop-Gespür auf.

Zu den prominentesten Momenten gehört die Zusammenarbeit mit Sido auf „Welt retten“. Gleich zu Beginn stellt Kane die zentrale Frage: „Kannst du meine Welt retten? Danach gehör ich dir.“ Der Song greift motivisch Tim Bendzkos Hit von 2011 „Nur  kurz die Welt retten“ auf, übersetzt die Grundidee aber in ein deutlich düsteres, moderneres Gewand. Sido zeigt einmal mehr, warum er seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den prägenden Stimmen des Deutschrap zählt: technisch souverän, mit klarem Flow und der gewohnt rauen Präsenz. Egal, wie viel Zeit zwischen seinen Releases liegt — seine Parts sitzen. Während der Rapper routiniert durch seinen Verse gleitet, hält Kane die emotionale Klammer zusammen. Für einen Debüt-Act ist dieses Feature ein starkes Ausrufezeichen.

Wenn Harmonie, die Melancholie schlägt
Auch in der Album-Mitte bleibt Kane thematisch nah bei sich. In Songs wie „Frieden“ oder „Benzin“ arbeitet er viel mit offenen Bildern und Andeutungen. „Frieden“, geschrieben von Tekin Kanecan und Xavier Naidoo, trägt diese Handschrift besonders deutlich. Mit Zeilen wie „Ich suche nach Frieden, ich brauche deine Liebe“ bringt Kane seine innere Zerrissenheit auf den Punkt. Der Song lebt von seiner verletzlichen Stimmung und der spürbaren Suche nach innerem Halt. Nicht jede Zeile erklärt sich sofort — genau darin liegt aber auch der Reiz. Seine Musik erzählt zwar klar aus seinem Leben, funktioniert aber stärker über Stimmung und Bilder als über klassisch durcherzählte Geschichten.

Besonders stark wird die Platte immer dann, wenn große Emotionen auf hochwertige Produktion trifft. Ein Paradebeispiel ist „2 Gesichter“. Hier zeigt sich auch die Klasse von Produzent Berky, der seit Jahren zu den gefragtesten Hitlieferanten im deutschsprachigen Pop, Rap und R&B-Kosmos zählt. Berky arbeitete bereits für Acts wie Ayliva, Apache oder Ski Aggu. Die Streicher sitzen punktgenau, der Aufbau trägt die Vocals perfekt — ein Moment, in dem der Vollblutmusiker sein stimmliches Potenzial voll ausschöpft. 

Der Track „Harmonie“ schlägt in eine ähnliche Kerbe und versprüht warme 2000er-Vibes, ohne altbacken zu wirken. Der Song trägt eine spürbare Leichtigkeit in sich, die an klassische Soul-Pop-Momente erinnert — stellenweise fühlt man sich an die Wärme und Lockerheit von Lionel Richies „All Night Long“ erinnert, auch wenn der Song ursprünglich aus den 80ern stammt. Dieser positive, fast sommerliche Groove hebt den Track wohltuend aus der sonst eher melancholischen Grundstimmung des Albums heraus. Kanes Stimme vibriert hier spürbar, klingt weich und gleichzeitig selbstbewusst. Spätestens an diesem Punkt wird klar: Der Sänger versteht es, Emotion zugänglich zu machen, ohne ins Kitschige zu kippen.

Emotionales Finale
Mit Zackavelli holt er sich gegen Ende noch einmal deutliche Rap-Energie auf die Platte. Der Feature-Part auf „Freunde > Feinde“ bringt eine lässige Straßenkante hinein, die gut mit Kanes melodischem Ansatz kontrastiert.
Den emotionalen Schlusspunkt setzt jedoch „Fluch“. Der Song wirkt wie ein sehr persönliches Outro, in dem der Künstler Verlust, Druck und innere Konflikte verarbeitet. Besonders die Passage über seinen verstorbenen Vater gehört zu den eindringlichsten Momenten des Albums und verleiht dem Finale echtes Gewicht. Hier hätte man sich allerdings mehr gewünscht — mit gerade einmal 1:30 Minuten fällt das emotionale Outro spürbar zu kurz aus.

Fazit: Mit „Farben“ liefert Kane ein geschlossenes Debüt zwischen Soul, R&B und modernem Deutschrap. Seine größte Stärke bleibt die charismatische Stimme: warm, klar und erstaunlich kraftvoll und das ganz ohne übermäßigen Autotune. Noch ist nicht jeder Moment voll ausgereift, doch das Potenzial ist unüberhörbar. Er schafft Atmosphäre, erzählt über Stimmungen statt über plakative Hooks und hebt sich durch seinen markanten Kontrast aus der Masse hervor. Ein Newcomer, den man besser im Blick behalten sollte.

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