Stadt und ÖBB mauern

Kampf um Grün statt Gleistrog bei Wien Mitte

Wien
10.02.2026 08:00

Anrainer des Gleisdreiecks beim Wiener Stadtpark sehen eine Jahrhundert-Chance für neuen innerstädtischen Grünraum durch den kommenden einjährigen S-Bahn-Umbau. Aber Rathaus und ÖBB schieben sich gegenseitig die Verantwortung dafür zu.

Der Bezirk Landstraße inklusive SPÖ-Vorsteher Erich Hohenberger ist dafür, die Wirtschaftskammer auch, und Anrainer sowieso – aber trotzdem beißen Befürworter einer Überplattung und Begrünung der S-Bahn-Gleise bei Wien Mitte bei Rathaus und ÖBB auf Granit: Infrastrukturstadträtin Ulli Sima (SPÖ) verweist auf die Bahn: Die habe „als Projektverantwortliche festgehalten, dass eine Überplattung nicht realisierbar ist. Daher stellt sich die Frage nicht.“

Argumente mit Widersprüchen
Die ÖBB spielen den Ball zurück und erklären erstens (durchaus zu Recht), dass Klimaschutz und Stadtplanung nicht ihre Aufgaben seien und dass das Vorhaben zweitens technisch unmöglich sei. Nur: Einerseits ist eine Überplattung ein paar Meter weiter bei der Universität für Musik und Darstellende Kunst problemlos gelungen, und andererseits gaben die ÖBB selbst vor Jahren für den Bereich bei der Ungarbrücke grünes Licht für ein Projekt einer privaten Baufirma – angeblich ein Hotel – über den Gleisen, das letztlich nie umgesetzt wurde.

Die S-Bahn-Trasse jetzt ...
... und wie sie aussehen könnte

Ideengeber ringen zumindest um Teillösung
Dass eine komplette Überplattung des S-Bahn-Schachts bis hinunter zum Rennweg schwierig wäre, räumen auch die technisch versierten Ideengeber Bernhard Eichinger und August Sarnitz ein. Das wäre wegen der Niveau-Unterschiede, aber auch aus Sicherheitsgründen (Stichwort Tunnel-Evakuierung) kaum zu stemmen – von den nötigen Geldmitteln in der derzeit angespannten Budgetlage der Stadt ganz zu schweigen.

Bernhard Eichinger (links) und August Sarnitz bei der Präsentation ihrer Vision einer ...
Bernhard Eichinger (links) und August Sarnitz bei der Präsentation ihrer Vision einer S-Bahn-Begrünung im Rathaus(Bild: Stadt Wien)

Aus Eichingers und Sarnitz’ Sicht böte aber die einjährige Sperre der S-Bahn-Stammstrecke ab Herbst eine Jahrhundert-Chance zumindest für eine Teillösung und die Verwandlung des „Schandflecks“ beim Stadtpark in eine Grün-Oase, die zudem Barrieren zwischen Innenstadt und Landstraße abbaue. Das offene Gleisdreieck ist auch laut Messungen des Rathauses die größte innerstädtische Bahn-Lärmquelle Wiens.

Mit einem kategorischen Nein sei noch kein Problem der Welt gelöst worden, so Eichinger gegenüber der „Krone“ – wenn man sich aber zusammensetze, statt gemeinsames Nachdenken zu verweigern, bestehe zumindest eine Chance.

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