Das sozialtherapeutische Zentrum der Caritas musste zusperren. Aus Geldmangel. Und es ist bei Weitem nicht das Einzige. Die Auswirkungen werden aber ebenfalls teuer.
Das sozialtherapeutische Zentrum der Caritas (SPZ) auf der Wiedner Hauptstraße 105 in Margareten war mehr als 40 Jahre ein zentraler Bestandteil der psychosozialen Versorgung in Wien. Vor allem Menschen mit schizophrenen Erkrankungen wurden dort behandelt und betreut.
„Bei dieser Zielgruppe ist aufgrund des Krankheitsbildes Misstrauen ein großes Thema“, weiß der ärztliche Leiter der Caritas Erzdiözese Wien und Psychiater Thomas Wochele-Thoma. Daher sei gerade hier der niederschwellige Zugang ohne vorherige Terminvereinbarung essenziell gewesen.
Ein sicherer Raum
Etwa 100 Klienten wurden in dem Tageszentrum betreut, welches Ende Jänner für immer seine Pforten schloss – die Finanzierung über den Psychosozialen Dienst der Stadt (PSD) wurde gestrichen. Eine Klientin war Edith R.: „Das Zentrum war ein sicherer Raum, wo ich ernst genommen wurde und die notwendige Alltagsstruktur fand. Seine Arbeit kann man nicht einfach schließen oder ersetzen.“ Ex-Patientin Daniela E. sagt: „Die Schließung reißt mir den Boden unter den Füßen weg, seit fast zwei Jahrzehnten war ich dort.“
Ein Teil der Klienten wurde vom PSD übernommen, Vertrauen in neue Institutionen zu fassen, sei für viele aber nicht einfach. Wochele-Thoma betont aber: „Auf Mitarbeiterebene gibt es keinen Konflikt zwischen PSD und uns. Wir unterstützen einander und versuchen konstruktiv, die entstandenen Lücken zu füllen.“
Es gibt Studien, die klar zeigen, dass es an anderen Ecken teurer wird, wenn man bei dieser Bevölkerungsgruppe spart.

Thomas Wochele-Thoma, Psychiater
Bild: Marcus DEAK
Vertrauen fassen, ist nicht immer einfach
Doch das ist nicht einfach. Denn gerade Personen mit psychiatrischen Erkrankungen wie Schizophrenie fällt es schwer, Vertrauen zu fassen oder Termine einzuhalten. Im schlimmsten Fall landen sie in überfüllten Ambulanzen oder sind ganz ohne Betreuung – und das hat teure Auswirkungen.
Daher übt auch Margaretens Bezirksvorsteher Michael Luxenberger (Grüne) Kritik: „Die soziale Kälte, die derzeit durch Wien zieht, halte ich für höchst problematisch. Die Kürzungen im Sozialbereich mögen schnelles, kleines Geld in den Budgettopf spielen. Langfristig werden wir für diese Einsparungen aber gesellschaftlich teuer bezahlen.“
Doppelgleisigkeiten vermeiden
Der Sucht- und Drogenkoordinator der Stadt, Ewald Lochner, teilt auf „Krone“-Anfrage mit: „Die betroffenen Patienten des SPZ der Caritas werden seit 2024 bereits psychiatrisch im PSD-Wien behandelt und nun auch durch die therapeutischen Tageszentren des PSD-Wien versorgt. Dadurch verbessert sich die Behandlungsqualität und Doppelgleisigkeiten in der Versorgungsstruktur werden beseitigt.“
Eine Studie der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik sieht das anders, denn gerade kleine, niederschwellige und gemeindenahe Einrichtungen würden das Regelsystem ergänzen und Zielgruppen erreichen, die von großen Institutionen nicht erfasst würden.
Oder wie es die bisherige SPZ-Patientin Verena U. sagt: „In Krisenzeiten bedeutet das vertraute Team Hilfe, Stabilität und Regeneration. Die Gemeinschaft ersetzt die fehlende Familienstruktur und stabilisiert Menschen mit mangelnden sozialen Kontakten. Der PSD stellt diesbezüglich keinen adäquaten Ersatz dar.“
Zahlreiche Vereine betroffen
Feuerwehrschläuche werden zu einer Schaukel, Planen zu Rucksäcken und Bücher zu Hockern. Das Sozialunternehmen Gabarage in Rudolfsheim-Fünfhaus gibt gebrauchten Dingen eine zweite Chance. Selbiges tut es auch mit Menschen. Denn in der Werkstätte fanden bis vor wenigen Wochen noch chronisch suchtkranke Erwachsene und psychisch kranke Jugendliche eine befristete Anstellung. Ziel ist eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt.
Für viele Betroffene bedeutete der Ort Sicherheit. Doch diese geriet durch die Einsparungen der rot-pinken Stadtregierung ins Wanken. „Im Vergleich zum Vorjahr ist die Fördersumme um 50 Prozent gekürzt worden“, erzählt Geschäftsführer Stephan Schimanowa.
30 Mitarbeiter mussten gekündigt werden
Konkret bedeutet dies, dass man über 30 Mitarbeiter kurz vor Weihnachten kündigen musste. Darunter auch einige, die selbst einmal suchtkrank waren. „Ein großer Schock“, sagt er. Um so viele Betroffene wie möglich halten zu können, wurde der Betrieb zu einem AMS-Trainingsplatz umfunktioniert. So ist zumindest eine Deckung des Lebensunterhalts möglich, so Schimanowa.
Von den Sparmaßnahmen betroffen ist auch der Suchthilfeverein Dialog, wo ebenfalls Mitarbeiter gekündigt wurden. Die von Dialog betriebene Einrichtung „Standfest“ wurde außerdem zur Gänze eingestellt. „Standfest“ bot Beratung, Betreuung und Workshops für suchtkranke Menschen, um sie wieder in den Arbeitsmarkt reintegrieren zu können. In diesem Jahr hätte die Einrichtung ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.